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Author Topic: Buchwalds Argumente und Zahlen  (Read 4216 times)

ama

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Buchwalds Argumente und Zahlen
« on: July 18, 2006, 11:10:04 AM »

Das muß jetzt sein.

http://f23.parsimony.net/forum49144/messages/34052.htm

[*QUOTE*]
Buchwalds Argumente und Zahlen

DAS Forum f. Medizin, Heilkunde und Medizinkritik
Geschrieben von AnneL am 07. November 2002 09:09:18:
Ich schreibe das eigentlich für ein anderes Forum, aber aus aktuellem Anlass
(FR Artikel und Claudias Kommentar: "... und wieder Buchwalds Machwerk als kritische Literaturempfehlung
*grusel*. ")
gibt es hier schon mal einen "Vorabdruck":#

Ich lese gerade die Impfgegner-Bibel, G. Buchwald "Das Geschäft mit der Angst". Alle Seitengaben im Folgenden beziehen sich auf die Taschenbuchausgabe von 1997 (Knaur).
Am meisten erstaunt mich bislang, wie viele der Impfgegner-Argumente, die ich in den letzten Jahren gehört haben, in der Tat aus diesem Buch stammen. Ich hätte gedacht, dass die Quellen da ein bisschen breiter
gestreut sind.

Buchwald zentrale These von der Nutzlosigkeit der Impfungen entspringt den ersten Kapiteln zur Pockenimpfung. Dort wird bereits ausgeführt, dass die Pockenimpfung nicht vor der Krankheit schützt und somit auch nicht zur weltweiten Ausrottung der Pocken beigetragen haben kann.
Begründet wird die These damit, dass es Impfversager gibt. Also Personen, die trotz Impfung erkranken und die offensichtlich durch die Impfung keine Immunität gegen die geimpfte Krankheit erworben haben. Es ist ja nun keineswegs so, dass die seriöse Literatur die Existenz von Impfversagern bestreitet . Welcher Prozentsatz der Geimpften keine Immunität entwickelt, ist bei den einzelnen Impfstoffen durchaus unterschiedlich, aber es ist in der Regel bekannt.

Und doch baut sich die Buchwaldsche Argumentation dieser simplen Tatsache auf:
1. es gibt Impfversager,
2. also sind nicht alle Geimpften gegen die Krankheit immun,
3. also schützt die Impfung nicht,
4. also nützt die Impfung nicht,
5. also ist die Impfung unnötig.

Dass der Schritt von 2. zu 3. völlig unsinnig ist - denn der weitaus größere Teil der Geimpften ist ja durch die Impfung geschützt - scheint vielen Buchwald-Jüngern bis heute nicht aufzufallen. Es gibt einige, die im Internet und anderswo bekannt geben, dass sie deswegen nicht an einen Impfschutz "glauben".

Die Schwachstelle in der Argumentationskette wird durch eine Verhältniszahl verschleiert, die so interpretiert wird, als ob die Erkrankung vor allem ein Problem von Geimpften ist oder in gleichem Maß ein Problem von Geimpften wie Nicht-Geimpften ist. Dem (an solche Tricks nicht gewöhnten) Leser muss es dann so vorkommen, als ob die Impfung tatsächlich nichts bewirkt.

Es geht dabei um das Verhältnis von geimpft Erkrankten zu ungeimpft Erkrankten.

Buchwald analysiert Pockenausbrüche in der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik Deutschland. Zu diesem Zeitpunkt dürfte der allergrößte Teil der Bevölkerung gegen Pocken geimpft gewesen sein. Die Ausbrüche blieben auch stets begrenzt und die Krankheit verbreitete sich nicht weiter in der Bevölkerung.

Bei Ausbrüchen in einer weitgehend durchgeimpften Population sind naturgemäß die Impfversager die Gruppe, die stark von Ansteckung betroffen sein wird. So überrascht es nicht wirklich, dass es bei Buchwalds Nachkriegs-Pockenausbrüchen auch so ist.

Aber natürlich kann man daraus nicht schließen, dass die Impfung insgesamt nichts genützt hat.

Die zweite Säule der Buchwaldschen Argumentation sind statistische Zeitreihen. Mit ihnen soll gezeigt werden, dass Impfungen nicht am Rückgang der Krankheits- oder Todesfälle beteiligt sind.

Beispiel 1: Den Bruch in der Zahlenreihe weg-leugnen.

Im ersten Kapitel gibt es eine Abbildung der Pockentodesfälle von 1816-1930 (S.25).

Auf den ersten Blick erkennt man, dass nach der Einführung des Reichimpfgesetzes von 1875 die Pockenfälle dauerhaft auf ein sehr niedriges Niveau gesunken sind. Die Zeitreihe ist eindeutig zweigeteilt: links starke Schwankungen auf hohem Niveau (selten unter 2000 Tote pro Jahr), rechts zwei kleinere Epidemien bei insgesamt niedrigem Niveau (im Mittel vielleicht 50 Tote pro Jahr, ist aber bei dem Maßstab nicht wirklich ablesbar). Also offensichtlich ist um 1875 herum etwas passiert, dass die Pockentodesfälle dramatisch und dauerhaft sinken ließ.

Aber für Buchwald ist das "eine geschickte, optische Täuschung". Das Impfgesetz von 1875 kann es nicht gewesen sein, weil nämlich bereits die Zahl für 1874 nach den sehr hohen Zahlen der drei Vorjahre schon wieder auf 3345 abgesunken war.

Man fragt sich da schon: versteht der Mann den Unterschied zwischen kurzfristigen Schwankungen (die ja für eine Infektionskrankheit wie Pocken, Polio oder Masern bei natürlichem Verlauf nicht gerade untypisch sind, und die von mir aus auch dem Rücktransport der französischen Kriegsgefangenen in ihre Heimat zuzuschreiben sein mögen) und einem _dauerhaft veränderten_ Muster?

Dieser Trick wird später bei der Polioimpfung auch wieder angewandt (S.125):
Hier sind zwar keine langen Zeitreihen verfügbar, aber zwischen 1950 und 1960 schwanken die Erkrankungen um die 4000 herum, nach der Einführung der Schluckimpfung 1961 fallen sie dauerhaft bis zum Ende der Zeitreihe 1995 auf ein Niveau irgendwo zwischen Null und 50.

Selbst wenn man dann - wie Buchwald - darauf herumreitet, dass die vor-1962 Zahlen aufgrund einer fehlenden Meldepflicht nur geschätzt sind, diesen _Bruch_ muss man doch sehen!

Weit gefehlt: der Leser wird stattdessen damit verwirrt, dass das Auf- und Ab der (geschätzten) vor-1962 Zahlen an den Impfstoff Virelon geknüpft wird. Von dem wir aber gar nicht erfahren, in welchem Umfang der überhaupt in Deutschland eingesetzt wurde.

Und dann noch eine echte Lüge: "Als 1961 die Schluckimpfungen langsam begannen, waren die Todesfälle bereits erheblich zurückgegangen. Die Schluckimpfung kann daher nicht, wie immer behauptet wird, die alleinige Ursache des Rückgangs der Poliomyelitis-Todesfälle gewesen sein." S.125

Die Todesfälle waren aber 1961 kein bisschen zurückgegangen: aus der Grafik ersichtlich stiegen sie von ca.180 im Jahr 1958 auf über 200 im Folgejahr und in den beiden Jahren danach - 1960 und 1961 auf weit über 300. Erst im Jahr 1962 sanken die Zahlen auf ca. 80 Todesfälle, um von da an immer unter 50 zu bleiben.

Da hilft es auch nicht, dass Buchwald den Pfeil für die Schluckimpfung in der Grafik in das Jahr 1962 mogelt, obwohl er im Text schreibt, dass die Impfung 1961 eingeführt wurde.

Auch hier gilt also wieder (ähnlich wie bei den Pocken): um das Jahr 1961 herum muss irgendetwas passiert sein, dass die Polio-Erkrankungs- und -Todesfallzahlen dauerhaft (und nicht nur für ein paar Jahre) dramatisch sinken liess. Die zufällig ebenfalls im Jahr 1961 eingeführte Schluckimpfung darf es - zumindest für Buchwald - nicht gewesen sein.

Beispiel 2: Der "sowieso" exponentiell fallende Trend

Ein weiterer statistischer Trick baut auf den allseits bekannten exponentiellen Wachstums- und Schrumpfungskurven auf. Wenn man über eine bestimmte Zahlenreihe einen exponentiellen Schrumpfungstrend legen kann, dann kann man annehmen, dass die Zahlenreihe früher oder später gegen Null geht. Jetzt muss man also nur noch durch ein geeignetes Zeitfenster die Erkrankungszahlen so hinzutrimmen, dass sie zu einem exponentiellen Schrumpfungstrend passen. Dann hat man schon (fast) bewiesen, dass die Krankheiten von selber aussterben.

Bei Diphtherie, Tetanus und Masern bedient sich Buchwald dieses Tricks.
Zeitfenster ist die deutsche Nachkriegszeit, meist ab ca. 1960, teilweise auch ab 1949. Wir sehen sehr schön fallende Zeitreihen; die Impfungen haben offensichtlich kaum einen Einfluss auf diesen Trend (für Diphttherie und Tetanus werden Massenimpfungen zwischen 1970 und 1980 angegeben, für Masern ein Impfbeginn 1976).

Allerdings sehen wir vor allem Todesfallzahlen. Das ist eine kleine, aber feine Einschränkung, weil auf die Todesfälle ja die (intensiv-)medizinischen Versorgung und die allgemeinen Gesundheitslage einen viel stärkeren Einfluss haben, als auf die Erkrankungszahlen.

Auch zur Auswahl des Landes und des Zeitfensters könnte man viel schreiben.

US-Masernzahlen zum Beispiel hätten gegenüber den von Buchwald gewählten den Vorteil, dass sowohl Todesfälle als auch Erkrankungszahlen verfügbar sind und zwar seit Beginn des Jahrhunderts und unbeeinflusst von Kriegs- und Flüchtlingsdramen. Kein Wunder, dass man dort dann den Einfluss von Verbesserungen in medizinischer Versorgung und Lebensbedingungen von dem Einfluss der Impfungen sehr wohl trennen kann.

Und dass sehr wohl sieht, dass sich erstere lediglich auf die Maserntodesfälle und nicht auf die Maserzahlen auswirkten. Und dass die Verbesserung der Lebensbedingungen die Maserntodesfälle zwar dramatisch senkte, ein "Sockel" von ca. 500 pro Jahr aber blieb, der erst durch fast vollständige Ausrottung der Masern per Impfung beseitigt wurde.

Aber Buchwald hat sich nun mal - sicher aus rein patriotischen Gründen - für die BRD entschieden.

Allerdings sieht man auch da, dass die Impfungen offensichtlich sehr wohl zum Rückgang der genannten Krankheiten beigetragen haben. Wenn man zum Beispiel bei Tetanus statt der Todesfallzahlen, die Erkrankungszahlen ansieht, dann ist ganz deutlich, dass die von Buchwald so gescholtenen "Massenimpfungen" zwischen 1970 und 1980 einen sehr kräftigen Einfluss hatten. Zwischen 1962 und 1970 ein Mittelwert von ca. 110 Fällen pro Jahr, kein ersichtlicher Trend; 1970-1980 dann ein stark fallender Trend, Mittelwert in diesem Zeitraum ein Mittelwert von ca. 50 Fällen pro Jahr, 1980-1990 ein Mittelwert von ca. 20 Fällen pro Jahr, leicht fallender Trend.

Die Zahlen sind alle aus den entsprechenden Grafiken herausgelesen und damit natürlich nur so genau, wie es die Abbildungen ermöglichen.

AnneL
 
Antworten:
Re: Buchwalds Argumente und Zahlen - Danke und @Bernd AnneL 08.11.2002 08:29 (5)
*lächel* Minerva 08.11.2002 11:56 (1)
Re: *lächel* AnneL 08.11.2002 21:52 (0)
Re: Buchwalds Argumente und Zahlen - Danke und @Bernd Nina S. 08.11.2002 09:11 (2)
Re: Buchwalds Argumente und Zahlen - Danke und @Bernd W.Maurer 08.11.2002 09:33
 1)
Re: Buchwalds Argumente und Zahlen - Danke und @Bernd Nina S. 08.11.2002
10:14 (0)
Re: Buchwalds Argumente und Zahlen Ulrike 07.11.2002 17:53 (0)
Re: Buchwalds Argumente und Zahlen Nina S. 07.11.2002 17:08 (0)
Re: Buchwalds Argumente und Zahlen Doc 07.11.2002 15:13 (1)
Re: Buchwalds Argumente und Zahlen Barry 07.11.2002 18:27 (0)
DAS Forum f. Medizin, Heilkunde und Medizinkritik
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Thymian

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Re: Buchwalds Argumente und Zahlen
« Reply #1 on: September 29, 2011, 10:06:35 AM »

Seine Nachbeter sollte man endlich juristisch belangen, vor allem die, die seine Aufforderung zum Bioterrorismus (kranke Kinder sollen auf die Straßen geschickt werden, damit sie dort andere anstecken) verbreiten.
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