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Author Topic: Merkblatt Pseudokrupp  (Read 5582 times)

ama

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Merkblatt Pseudokrupp
« on: July 19, 2006, 09:42:41 AM »

[*QUOTE*]
Behrmann,KA

Merkblatt
Geschrieben von Ralf Behrmann,Kinderarzt am 12. Mai 2000

Pseudo-croup ist ein seltsames Ding und die Forschung beißt sich daran die Zähne aus. Wir wissen nicht WARUM, sondern nur WAS passiert: im Rahmen eines stinknormalen Virusinfektes der oberen Atemwege kommt es zu einer Schwellung unterhalb der Stimmbänder. Daher auch der seltsame Hustenklang, weil so nahe an der Sound-Produktion. Seltsam auch: 2-Jahres-Schwankungen: dies Jahr (1999/2000, Anmerkung von Tina) scheint eines mit wenig Pc zu sein - fast nur nächtliches Auftreten (zwischen 22 und 6 Uhr).

Eltern und Kind kommen also nach dem nächtlichen Stress vormittags in die Praxis. Der Doc hört nix oder bestenfalls nach der Racheninspektion angedeutet; oder danach beim Weggehen. Mit Fragen (Husten wie alter Mann, Hund, Schaf) versucht man dahinter zu kommen (sehr lustig bei manchen ausländischen Patienten) oder dem Versuch, das typische EINATMUNGS-Geräusch nachzumachen – kommt man oft weiter. Ich bin IMMER gut gefahren mit der klassischen Behandlung: (vormittags) gleich Adrenalin-Inhalation (Mikronefrin). Cortisol-Zäpfchen zu 100mg in jedem Lebensalter MITGEGEBEN für 18 Uhr (wirkt langsam in die Nacht). Empfehlung des WUNDERMITTELS KALTE LUFT, außer im Sommer tagsüber viel rausgehen und auch vor dem Schlafenlegen noch mal raus. Zimmerfenster (Sicherung vor Rausfallen) weit offen lassen. Wenn`s nachts wieder losgehen sollte: ans offene Fenster oder rausgehen und zweites 100mg Cortisol-Zäpfchen. Gute Sache: Tiefkühlschranktür aufmachen und Kinderkopf fast reinhalten. Wenn in ! der Nacht Anfall: am nächsten Tag noch mal Adrenalin-Inhalation und dasselbe Spiel ansonsten. Kinder, die am ersten Tag nach dem nächtlichen Ereignis deutlichen Pseudocroup haben, bekommen gleich die 100mg Cortisol (aufgenommen wird nur 1/3) und werden gegen Abend noch mal zur Inhalation einbestellt.

Immer die klare Maßgabe an die Eltern, wenn das Kind beim Anfall atmungmäßig angestrengt wirkt und/oder Angst hat: >>>>KLINIK !!!

Es können auch immer mal „Läuse und Flöhe“ sein: falsch verschluckte Erdnuss statt Pseudocroup.

BITTE KEINE NÜSSE BEI KINDERN UNTER 6 JAHREN.

BEI ATEMSTÖRUNGEN NACHTS IMMER IN DIE KLINIK !


Andererseits ist „das Schöne“ am Pseudocroup, dass es immer schnell vorbeigeht: 1-2 Nächte, selten 3; extrem 4-5.

Früher (vor der HiB -IMPFUNG) hatten wir viel mehr Angst vor dem P-croup, weil man eine ähnlich beginnende Hib-Epiglottitis (massive Kehldeckelentzündung) befürchten musste (lebensgefährlich). Schon mal von daher: wer nicht gegen Hib impfen lässt, hat einen Sprung in der Schüssel (Hib macht auch lebensgefährliche Meningitis).

Also: unter diesen Richtlinien ging in 9 Jahren Praxis alles gut; 4 Kinder mussten nachts in die Klinik, was ja auch kein Beinbruch ist. Vor der Hib-Impfung haben wir Pseudocroup-Kinder nachts IMMER stationär aufgenommen.

Zur Adrenalin-Inhalation: unentbehrlich! Wir bekommen die Substanz aus USA. Nun gibt es hierzulande inzwischen eine Sprayzubereitung: Infectokrupp für zu Hause, die ich ausgesprochen ungern verordne, weil zu Hause mit Adrenalin (hochgiftig bei falscher Darreichung) schon mal was schief gehen könnte.
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