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Author Topic: ZDF heute-journal versinkt im Sachsen-Sumpf  (Read 2518 times)

ama

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ZDF heute-journal versinkt im Sachsen-Sumpf
« on: July 08, 2007, 08:19:19 PM »

http://www.mein-parteibuch.com/blog/
2007/07/07/zdf-heute-journal-versinkt-im-sachsen-sumpf/

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Mein-Parteibuch.com
Tagebuch eines Parteieintritts

[Subjektiv, persönlich, parteiisch]

7. Juli 2007
ZDF heute-journal versinkt im Sachsen-Sumpf

von Mein Parteibuch @ 17:41. abgelegt unter Kriminalität, Politik, Medienmanipulation, ZDF, Sachsen, heute-journal

Der eine oder andere Leser wird sich vielleicht gewundert haben, dass Mein Parteibuch beim als “Sächsischer Sumpf” bekannten mafiösen Geflecht von mächtigen Personen immer auch die Medien als Teil des Problems bezeichnet hat. So hat Mein Parteibuch vom Versagen der Medien durch Nicht-Information im sächsischen Sumpf beispielsweise im Artikel “Kein “Klamauk” in der Tagesschau” berichtet.

Um zu verstehen, warum Mein Parteibuch die Medien als Teil des Problems bezeichnet hat, genügt eine einfache Überlegung. In einer auf der Teilung der drei Gewalten Legislative, Exekutive und Judikative beruhenden Demokratie werden die Medien oft als vierte Gewalt bezeichnet, deren Aufgabe es ist, die Gewaltenteilung durch die Herstellung von Öffentlichkeit sicherzustellen. Welche Rückschlüsse auf die Medien lässt es zu, wenn sich innerhalb der drei Gewalten offenbar ein Netzwerk aus Mördern, Kinderfickern und anderen Kriminellen, was in der Fachsprache auch organisierte Kriminalität (OK) genannt wird, breit machen kann, ohne dass die Medien dies durch die Herstellung von angemessener Öffentlichkeit verhindern?

Der derzeitige sächsische Innenminister Albrecht Buttolo, bei dem ein Blick ins Parteibuch-Wiki verrät, warum Mein Parteibuch ihn als Teil des Problems und nicht als Teil der Lösung betrachtet, hat im Mai zur organisierten Kriminalität in Sachsen öffentlich behauptet, “die Kriminellen drohen Betroffenen, also Informanten und Ermittlern, mit Rufmord und Gewalt” und auch ein Journalist sei bereits per Telefon aufgefordert worden, “die Berichterstattung einzustellen, anderenfalls werde man ihm Kinderschändung unterstellen.” In den USA werden Beschuldigten bei einer Verhaftung die Rechte vorgelesen, wo es sinngemäß heißt: “alles, was Sie von jetzt an sagen, kann gegen Sie verwendet werden.”

Vorgestern Abend wurde im ZDF mit einem Beitrag des Journalisten Thomas Bärsch versucht, den Zuschauern vom heute-journal weißzumachen, dass die oben zitierte Aussage von Albrecht Buttolo ein Fehler war und der Skandal des sächsischen Sumpfes eigentlich gar nicht so schlimm sei. Schon die Anmoderation des Beitrages von Claus Kleber zeigt, dass mit dem Beitrag der Verharmlosung und Verschleierung der Staatskrise in Sachsen Vorschub geleistet werden wird:

Sachsen versinkt in einem Sumpf aus Korruption und organisierter Kriminalität von Betrug bis Kinderprostitution - so lasen sich Schlagzeilen in den letzten Monaten. In der Wildost-Stimmung der Wende hat sich vor allem im und um das Leipziger Rathaus einiges abgespielt, was keinem Geruchstest standhält, aber der ganz große Skandal, der sich aus Tausenden von Aktenseiten des Verfassungsschutzes ergeben soll, der lässt sich bei genauerem Hinsehen wohl doch nicht so ohne weiteres belegen. Das ist nun keine Sensation, das ist das Gegenteil und gehört deswegen berichtet. Für uns übernimmt das Thomas Bärsch, der die dubiosen Gerüchte und die harten Ermittlungen von Anfang an verfolgt hat.

Der Beitrag im heute Journal vom 05.07.2007 (etwa ab Minute 14:05) hält dann auch, was die Anmoderation verspricht. Dass Claus Kleber bei der Anmoderation des Beitrages nicht mal rot geworden ist, erklärt vielleicht auch, wieso solch ein Mann den Job des Chefredakteurs vom heute-journal hat. Kompliment an Thomas Bärsch vom ZDF-Studio in Sachsen, das war bestimmt nicht einfach, Leute wie den den offenbar völlig ahnungslosen Journalisten Bernhard Honnigfort und den FDP-Politiker Holger Zastrow zu finden, die den Zuschauern im ZDF erklären, dass der sächsische Sumpf nur aus Gerüchten besteht und Jürgen Roth mit seinem Buch “Anklage unerwünscht” nur das Ziel der “Geschäftemacherei” verfolgt. Super-Recherche, zwei Leute zu interviewen, die öffentlich sagen “Ich weiß von nix!” Jürgen Roth selbst hat man für den Beitrag des heute-journals lieber nicht gefragt, sondern stattdessen - wie Jürgen Roth im Beitrag “Der Sumpf in Sachsen, Herr B. und das ZDF” im Blog auf seiner Webseite erklärt - offenbar einen in ganz anderem Zusammenhang abgenommenen O-Ton für den Beitrag verwendet. Mit Rufmord in dem Sinne, wie Albracht Buttolo den Begriff verwendet hat, hat das sicher nichts zu tun.

Und zum Abschluss des Beitrages wird dann ein Zettel eben jener Staatsanwaltschaft präsentiert, die im Verdacht steht, mitten drin im Sumpf zu sein, aus dem hervorgeht, dass sie der Meinung ist, an den Vorwürfen sei nichts dran. Na, wenn das keine Beweise sind. Das ist Qualitätsjournalismus der Marke “heute-journal”.

Klar, dass in einem so gründlich recherchierten Beitrag dumme Fragen wie die ungelöste Frage nach den Mördern der Justizsekretärin Barbara Beer und des Immobilienmaklers Michael Mielke in der tollen Reportage keinen Platz mehr hatten. Auch die Frage, wer die Festplatte vom Leipziger CDU-Schatzmeister Walter Bullinger vor dem Eintreffen der Polizei geklaut hat, nachdem er sich angeblich selbst eine Kugel in den Kopf gejagt hat, wurde nicht erwähnt.

Auch für die Information, dass die Regierungskoalition in Sachsen auf der Kippe steht, weil die CDU Probleme dabei hat, die SPD zum Komplizen dabei zu machen, erstmalig in der Geschichte Sachsens einen Untersuchungsausschuss mit dem formalistischen Trick der Prüfung der Verfassungsmäßigkeit zu verzögern, war in dem tollen Beitrag vermutlich leider kein Platz mehr.

Natürlich hat man beim ZDF heute-journal auch darauf verzichtet, aus dem Antrag zum strittigen Untersuchungsausschuss (pdf (93kb)) - den lustigerweise übrigens auch der oben bereits erwähnte FDP-Abgeordnete Holger Zastrow unterzeichnet hat - möglicherweise strittige Passagen zu zitieren. Der Titel lässt bereits erahnen, warum es sich für die Qualitäts-Journalisten des heute-journal offenbar nicht gelohnt hat, mal einen Blick in die 14 Antragsseiten zu werfen:

Untersuchungsausschuss „Verantwortung der Staatsregierung für schwerwiegende Mängel bei der Aufdeckung und Verfolgung krimineller und korruptiver Netzwerke unter Beteiligung von Vertretern aus Politik und Wirtschaft, von Richtern, Staatsanwälten und sonstigen Bediensteten der sächsischen Justiz, Polizei, von Landes- und kommunalen Behörden sowie für das Versagen rechtsstaatlicher Informations-, Kontroll- und Vorbeugungsmechanismen in Sachsen (Kriminelle und korruptive Netzwerke in Sachsen)“

Und auch von der 89 Seiten starken Strafanzeige des SPD-Abgeordneten Karl Nolle gegen den Generalstaatsanwalt Jörg Schwalm ua wegen des Verdachts der Strafvereitelung im Amt (online als pdf bei http://www.interpool.tv) erzählt man den Zuschauern des heute-journals besser nichts. So etwas würde die Zuschauer sicherlich bei der richtigen Meinungsbildung irritieren und ist daher vom heute-journal wegzulassen. Qualitätsjournalismus pur - so lieben die Zuschauer ihr heue-journal.

Zu den strukturell bedingten Hintergründen des Medienversagens findet sich im Artikel “Die Illusion der Pressefreiheit in Deutschland” eine Analyse von Mein Parteibuch. In den Artikeln “Die Illusion der Demokratie” und “Die Illusion des deutschen Rechtsstaates” wurden die beklemmenden Gedankengänge des Medienversagen fortgeführt und im Artikel “protegiert” wurde eine Überlegung vorgestellt, mit der jeder Einzelne einfach nur durch eine andere Medienrezeption ein wenig zur Besserung des Zustandes unserer Demokratie beitragen kann. Und wer andere Nachrichten sucht als den Unfug, den heute-journal und Tagesschau den Menschen hier weißmachen wollen, könnte bei Net-News-Global fündig werden.

Nachtrag 08.07.2007: Dass es auch tatsächlich Qualitätsjournalismus in Deutschland gibt, zeigt Sabine Beikler im Tagesspiegel mit ihrem gestrigen Artikel “Die dunkle Seite der Macht“. In neun Kapiteln werden neun bisher bekannt gewordene Episoden und Vorwürfe aus den LfV-Akten zum Komplex Abseits (Leipzig) mit Nennung der Namen der handelnden Personen treffsicher beschrieben. Damit beschreibt Sabine Beikler zwar nur einen kleinen Teil des Komplexes, Walter Bullinger und die Schnittstellen zur Politik fehlen zum Beispiel, aber in den Teil, den sie beschrieben hat, hat sie vernünftig Licht gebracht.
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« Last Edit: July 08, 2007, 08:20:12 PM by ama »
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