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Author Topic: Generation Praktikum - oder warum ich nicht unentgeldlich arbeite  (Read 4004 times)

Aribert Deckers

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Im Rahmen einer Recherche bin ich auf folgenden Artikel gestoßen, den ich mit Erlaubnis des Autors Dirk Becker hier wiedergeben darf.

Die originale URL ist

http://www.tyrbedarf.de/?p=43

Aribert Deckers

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Generation Praktikum - oder warum ich nicht unentgeldlich arbeite

Mir ist gestern durch den List-Server der Germanistik der C.v.O. in Oldenburg eine Stellenausschreibung in die Hände gefallen.
Redakteur gesucht, prima dachte ich, schauste dir mal an. Für eine Stellenausschreibung war schon ein wenig viel von Softskills die Rede, was mich stutzig machte. Beim Blick auf die verlinkte Homepage, war mir dann allerdings sofort klar, das es sich um irgendwelche Selfmade-Verleger handelte, die eines morgens aufgewacht sind und dachten: "So, jetzt will ich mal Chefredakteur sein.".
Sofort wird eine Online-Zeitung gegründet und Praktikanten eingestellt, wie man das halt so macht, im Mediengeschäft. Eigentlich war mir klar, das hier weder Erfahrung, noch Renommee, noch Geld drin war, dennoch habe ich mich mal kurz beworben. Mit einem kleinen Anschreiben in dem Stand, was ich so mache, gemacht habe und womit ich mich so auskenne. Was eigentlich nicht wenig ist, wie ich finde. Am Schluss die Frage, wie die Zusammenarbeit ablaufen und wie die Mitarbeit vergütet wird.
Was soll ich sagen, kaum drei Stunden später liegt die Antwort in meinem Postkasten (natürlich in dreifacher Ausführung) und die gute Frau wird konkreter, was die Bezahlung angeht. Sie stellt sich ein Praktikum vor. Ich habe den Brief nur bis zu diesem Wort gelesen und umgehend alle Exemplare gelöscht. Vermutlich wäre sie noch auf die unglaublichen Möglichkeiten zu sprechen gekommen, die sich jedem bieten, der regelmäßig und vergütungsfrei Texte für diese Online-Zeitung verfasst, während auf der Seite selbst mehrere Werbebanner blinken, die verdammt nach Kohle stinken. Was für Möglichkeiten? Zum Beispiel, die Kontakte, die sich dadurch knüpfen lassen. Vermutlich Kontakte zu anderen, so genannten Verlagen des gleichen Kalibers, wo man hinterher noch weitere Praktika hätte absolvieren können.
Mal ehrlich. Wenn man sich so eine Online-Zeitung als Referenz in den Lebenslauf schreibt, und damit zu einer Zeitung, sagen wir mal dem Lokalblatt "NWZ" rennt, meint ihr nicht, das sogar die sich scheckig lachen? Das ganze hat kaum mehr Aussagekraft als eine Schülerzeitung und in einer solchen hat sicher jeder schon mitgearbeitet, der ernsthaft an einer journalistischen Karriere interessiert ist.
Vorher bekommt man nicht mal ein Volontariat bei einem X-beliebigen Veranstaltungskalender, geschweige denn, in einer erst zu nehmenden Redaktion.
Und dann dieses Gefasel von Tätigkeiten neben dem Studium! Erwerb von Softskills und Gedöns. Sowas kann fast jeder Student nachweisen; aus einem simplen Grund. Studieren ist teuer und das Bafög nicht gerade großzügig bemessen. Aus meiner Studienzeit kenne ich keinen, der nicht nebenbei gearbeitet hat. Um mit Erwerbsarbeit in Kontakt zu kommen, reicht auch ein Job in der Kneipe, zumal die ausgeschriebene Stelle auf Heimarbeit setzte. Die großen Differenzen mit Kollegen und Mitarbeitern erlebt man ja meist, wenn man tagtäglich zusammen arbeiten muss.
Schade finde ich, das es diese "Zeitung" geschafft hat, über die Kanäle einer öffentlichen Institution, wie der C.v.O, zu senden.
Ich weiß, das dieser List-Server, in Eigenregie des Sekretariats entstanden, ist und viel persönlichen Einsatz erfordert hat. Schade, das er neuerdings für solche "Stellenausschreibunge" genutzt wird. Ich würde gern wissen, wer sich da von solch wohl formuliertem, didaktischen Blödsinn hat blenden lassen. Ich hoffe, es war niemand, der in Oldenburg für die Ausbildung junger Menschen verantwortlich ist.
Wenn jemand während des Studiums nebenbei in Sachen "Text" arbeiten möchte, empfehle ich http://www.textbroker.de Die Sache hat zwar auch seine Tücken (zum Beispiel der Verzicht auf die Namensnennung in Verbindung mit den abgegebenen Arbeiten), dafür wird hier wenigstens ein bisschen Geld gezahlt. Allerdings sollte man sich alle Texte speichern, die man für dieses Portal schreibt, da man sonst keine Liste von Referenz-Texten vorweisen kann, falls man aufgefordert wird, etwas vorzulegen. Die abgegebenen Texte verschwinden nämlich auf irgendwelchen Websites; das ist auch das nächste Manko. Es ist sehr anonym. Aus meiner Sicht aber immer noch besser, als für irgendwelche Hilfs-Chefredakteure zu arbeiten, die ihren Praktikanten irgendeinen Stuss von Soft-Skills vorheulen.
Wer suchet, der findet. Wie wär es mit einer Bewerbung bei http://www.tonspion.de ? Diese Redaktion sucht sporadisch nach freien Mitarbeitern und ist auch bereit, diese Arbeit zu vergüten. Mal abgesehen davon, das diese Seite einigermaßen bekannt ist und akzeptiert wird. Ein weitaus seriöseres Angebot auch wenn die etwas höhere Voraussetzungen haben.

Und was macht man, wenn man sowas entdeckt? Man kotzt im Strahl.
Ich habe hier noch mal kurz den Wortlaut der Ausschreibung.


Soft Skills und mehr?
Sehr geehrte Studentinnen und Studenten,
vielleicht mögen Sie sich fragen, wieso ausgerechnet Sie sich in einer Online-Redaktion bewerben und engagieren sollten. Diese Frage drängt sich besonders dann auf, wenn Sie nicht Journalismus, Germanistik oder
Publizistik studieren. Doch die Beantwortung dieser Frage ist leicht: Seit Beginn Ihres Studiums ist inzwischen mit Sicherheit schon mehrfach der Begriff "Soft Skills? oder "soziale Kompetenz" gefallen. Doch was verbirgt sich dahinter?
Gemeint ist damit der Komplex aller persönlichen Fähigkeiten und Einstellungen, die dazu beitragen, das eigene Verhalten beeinflussen zu lassen. Sozial kompetentes Verhalten verbindet Ihre Ziele mit den Einstellungen und Werten einer Gruppe.
Im heutigen Wirtschaftsleben, das sich außerdem mehr dem Einfluss der Globalisierung beugt, wird neben der Leistung, dem Fachwissen, den guten Noten bzw. der guten Ausbildung ebenfalls erwartet, dass man sich darüber hinaus engagiert. Unternehmen suchen deshalb (besonders in Führungspositionen) den Studenten mit guten Leistungen und den sozialen Kompetenzen statt dem Einserkandidat, dessen Freunde Brockhaus und Internet heißen.
Aus diesem Grund sollte es für jede/n von Ihnen wichtig sein, sich neben der Universität und dem Fachwissen diese "Soft Skills" anzueignen.
"Soziale Kompetenzen" umfassen Schlüsselqualifikationen, wie Teamgeist, Kritikfähigkeit und Motivation in Zusammenarbeit mit anderen. Weiter zählen dazu: Empathie, Menschenkenntnis, Wahrnehmung, Selbstdisziplin, Toleranz, Sprachkompetenz, Teamfähigkeit, Kooperation, Konfliktfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Verantwortung, Durchsetzungsvermögen, Flexibilität, Konsequenz, Vorbildfunktion, Selbstbewusstsein und Engagement.
Nun jedoch mehr über uns: Das Online-Magazin Life-Go entstand im April 2005 und hat seinen ersten "Geburtstag" hinter sich. Der größte Erfolg in diesem Jahr war, dass wir uns in der etablierten Presse wieder finden konnten. So verlinkte sich beispielsweise der Stern Mitte März wegen einem Artikel über Boot-Camps in Amerika mit uns und benutze diesen sogar als Basisquelle für einen Kurzbericht auf der eigenen Internetseite. Die Redakteurin, die diesen Artikel verfasste ist interessanterweise nicht aus fachnahem Studiengang.
Dieses Ereignis führte ferner dazu, dass wir unsere Suche nach neuen Mitgliedern ausgeweitet haben um weiteren Mitglieder zu finden.
Das Team umfasst inzwischen 20 Personen und kommt aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Darüber hinaus ist das Team sehr jung, wobei derjenige als jung zählt, der sich jung fühlt und an Neuem Spaß hat.
Bei der Arbeit als Redakteur handelt es sich um Exzerpieren, Recherchieren und Schreiben von Artikeln über zahlreiche Themenbereiche. Am besten schauen Sie einfach mal unter http://www.life-go.de vorbei und machen sich selbst ein Bild unserer Arbeit.
Wir sind an kreativen, neuen Ideen in jeder Hinsicht sowie an Engagement, Zuverlässigkeit und an einer regelmäßigen Mitarbeit der Autoren interessiert. Die Fähigkeit weitestgehend eigenverantwortlich arbeiten zu können, sollte dabei vorauszusetzen sein.
Die Mitarbeit in einem Online-Magazin wie Life-Go sehr viele Vorteile:
Unsere Redakteure, die ebenfalls größtenteils Studenten sind, genießen den Vorzug von zu Hause aus arbeiten zu können und sich ihre Zeit somit selbst einteilen zu können. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Möglichkeiten neue Kontakte zu knüpfen und bringt die "Soft Skills" in ihrem Lebenslauf ins Spiel?
Wir bieten Ihnen also die Möglichkeit "Arbeit" und Vergnügen miteinander in Einklang zu bringen und gleichzeitig Ihren Lebenslauf über die Universität und ihre Leistungen hinaus aufzubessern, damit Ihre Bewerbung nach dem Bachelor, Master, Diplom, Staatsexamen etc. bei einem von Ihnen ausgewählten Unternehmen auf dem Bewerberstapel ganz oben auf liegt.
Für Fragen und Bewerbungen stehen wir Ihnen über redaktion@life-go.de sowie http://www.life-go.de (Impressum => Kontakt) zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen,
Nadja Galetzka
(Chefredakteurin)
Geschrieben: März 6th, 2007 in Arbeit, Internet, Medien.

 
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ama

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Generation Praktikum - oder warum ich nicht unentgeldlich arbeite
« Reply #1 on: April 25, 2008, 12:25:27 PM »

Merkwürdig, merkwürdig... da ist eine gewerbliche Website, wo sogar über die Jahre weg Praktikanten gesucht - und wohl auch gefunden - wurden, seit gut zwei Wochen von Pornospammern geentert, aber die Firma life-go.de macht nichts dagegen.






Die Sache ist besonders heikel, weil die Bilder, die dort AUTOMATISCH in die Seiten gezogen werden, mit Trojanern infiziert sein können.


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« Last Edit: April 25, 2008, 12:30:55 PM by ama »
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ama

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Generation Praktikum - oder warum ich nicht unentgeldlich arbeite
« Reply #2 on: September 30, 2008, 06:30:06 PM »

push
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