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Author Topic: Geistheilung am WIFI? Ein offener Brief von Krista Federspiel  (Read 371 times)

ama

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Geistheilung am WIFI? Ein offener Brief von Krista Federspiel
« on: August 27, 2008, 08:31:42 PM »

http://www.scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2008/08/geistheilung-wifi-offener-brief.php

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Geistheilung am WIFI? Ein offener Brief von Krista Federspiel

27.08.08 · 15:40 Uhr


Offener Brief an
den Kurator des WIFI Wien, Herrn KommR Erwin Pellet,
den Institutsleiter Mag. Fritz Gregshammer und
die Leiterin der Ausbildung, Frau Mag. Andrea Martinschitz


Betrifft: Voodoo im WIFI

Sehr geehrter Herr Pellet, sehr geehrter Herr Gregshammer, sehr geehrte Frau Martinschitz,

demnächst starten die Kurse, und forsch empfiehlt sich das Wirtschaftsförderungsinstitut WIFI - Aus- und Weiterbildungseinrichtung der Wirtschaftskammer - als "Impulsgeber für Menschen mit klarem Blick in die Zukunft".

Stimmt das wirklich? Blättert man im Herbstverzeichnis, begegnet man Nebelwerfern, die den Blick trüben, okkulte Inhalte lehren und Lernwillige zu Ausbildungen verführen, die kaum eine Zukunftsaussicht haben. Unter Umständen sind die Berufe sogar eine Gefahr für hilfesuchende Kunden.

Seit die Wirtschaftskammer den freien Gewerbeschein für "Hilfestellung" und "Energieausgleich" eingeführt hat, für den man keinerlei Vorbildung mitbringen muss, haben schon rund 15.000 Personen solche "Arbeit" angemeldet. Aber kaum einer von diesen "Energethikern" (das "h" kommt angeblich von Ethik) kann damit seine Existenz sichern, denn zur Ausübung (um z.B. "Blockaden zu lösen") werden, bis auf eine Ausnahme (Biofeedback), esoterische Methoden zugelassen. Diese Techniken sind zwar in Mode - weil exotisch und vielversprechend - aber nichts als Voodoo: Im besten Fall wirken sie angenehm wie Placebos (Scheinmittel), im schlimmsten Fall können sie Kunden schädigen. (vergl. E. Ernst et al: The Desctop Guide to Complementary and Alternative Medicine, Verlag Elsevier, 2. Aufl. 2006; Die Andere Medizin, Verlag Stiftung Warentest, Berlin 2005)

Es gibt viele Ungereimtheiten bei der Zulassung der Energethiker, und das WIFI mit dem Etikett einer anerkannten Institution sendet mit solch parawissenschaftlichen Kursen ein falsches Signal: Es fördert Aberglauben statt Wissen.


Da gibt es z.B. den Geistheiler-Kurs Reiki I (Nr. 61233028, Kursgebühr € 315): Er beruht auf einer religiösen Lehre aus Japan mit dem Anspruch, Anwender könnten durch Handauflegen die universelle Kraft auf den Heilsuchenden übertragen. Es gibt keinen einzigen seriösen Nachweis für eine Wirksamkeit dieser Vorgehensweise. Aber sie wird für Heilberufe wie Führungskräfte, sogar für Kindergärtner- und LehrerInnen angeboten - denen es jedoch verboten ist, die Kinder anzugreifen und sie mit pseudoreligiösem Gedankengut zu indoktrinieren! Da keinerlei medizinische Kenntnisse vorausgesetzt, aber auch Gesundheitsstörungen mit Reiki "behandelt" werden, besteht die Gefahr, dass Reiki-Kurs-AbsolventInnen sich in Verbindung mit dem Göttlichen wähnen und ihre Grenzen nicht erkennen. U.U. riskieren Kunden/ Patienten, eine notwendige Behandlung zu versäumen.


Oder Touch for Health (Nr. 61231018, € 1.250), eine "Wünsch-Dir-was-Methode" und ein Kurs, der auch Elemente der Chiropraktik und Akupressur enthält. Es fehlt bis dato ein überzeugender Beleg für ihre angeblich gesundheitsfördernde Wirkung. Das simple Handauflegen beruht auf dem Konzept der Kinesiologie, das längst widerlegt ist. In dem Kurs wird der kinesiologische Muskeltest gelehrt, aber angemerkt: "Die Teilnahme berechtigt nicht dazu, Krankheiten zu diagnostizieren oder zu behandeln." Wozu dann das Angebot? Der Muskeltest ist zwar ohne Aussagekraft, aber er dient ja laut Lehre der Diagnose, die Manipulationen und das Handauflegen der Therapie! Überdies werden mögliche Risiken - das Aufbrechen persönlicher Probleme im Lauf der Arbeit - den Kursteilnehmern angelastet: Jede Person sei "für sich selbst verantwortlich" und "entbindet" "bei physischen oder psychischen Problemen das WIFI und die Trainerin von jeglicher Haftung." Nun ja, die Lehrenden sind auch nicht ausreichend ausgebildet, Krisen zu bewältigen. Ob dieser Passus juristisch aber wirklich hält?


Da gibt es den Lehrgang zum Cranial Fluid Dynamics Practitioner (Nr. 61235); er beruht auf den Lehren der Kraniosakraltherapie, deren Behauptung von der pulsierenden Gehirnflüssigkeit medizinisch unhaltbar und deren Wirksamkeit nicht nachgewiesen ist. In der Kursbeschreibung heißt es explizit: "Medizinische Kenntnisse sind nicht nötig." Es mag ja hingehen, dass Pferdehalter ihre Lieblinge mit dieser "Körperarbeit" und kinesiologischen Manipulationen traktieren (das lernt man in einem weiteren Kurs!) - ist ja Privatsache. Aber das Handanlegen und Druckausüben am Schädel von Kindern und Erwachsenen ist medizinischen Laien in Österreich grundsätzlich verboten - aus gutem Grund! Wozu dient dann aber diese "Berufsausbildung"? Für den gefährlichen Unfug müssen Kursteilnehmer immerhin 3.200 Euro bezahlen!


Schließlich wird für zukünftige Berater Aura Soma empfohlen (Nr. 60296018, € 1.390): Aus einer Batterie verschiedenfarbiger Fläschchen sollen ihre Kunden ein paar auswählen, was ihnen zur Selbsterkenntnis verhelfen soll. Zitat: "Die Farben wirken durch den Zauber der Vielfalt, Essenzen von Kräutern und Pflanzen in Kombination mit Kristallenergien - und geben uns kraftvolle Unterstützung." "In der therapeutischen Arbeit mit Menschen bieten sie (die farbigen "Erlebnisprodukte") einen Schlüssel zur tiefen Innenschau an" und so geht das werbende Wortgeschwurbel weiter. Eine dümmliche, billige Pseudo-Psychotherapie, die mit dem freien Gewerbeschein aber explizit nicht zu therapeutischen Zwecken angewendet werden dürfte.


Wozu sollen sich Architekten in Feng Shui "weiterbilden", der chinesischen Geomantie und Dämonenlehre? (Nr. 772408, € 250 für je drei Lektionen) Haben sie doch im Studium längst die Grundsätze vernünftigen Einrichtens erlernt. Ist es für sie wirklich "förderlich" zu wissen, dass man nicht mit dem Rücken zur Tür sitzen und den Klodeckel schließen soll, damit nicht böse Dämonen freien Zutritt haben? Die Kursleitung wirbt tollkühn: "Diese Wissenschaft (!) hat immer und überall ihre Gültigkeit!"


Welches Motto haben die Kinesiologen in ihren WIFI-Schriften gewählt? "Eine neue Lehre bedarf neuer Wunder". Wer was werden will, muss also zur Fortbildung ins WIFI-Wunder-Land? Für Bildungshungrige sind solche Angebote verlorene Zeit und verlorenes Geld, für Kunden allenfalls auch.

Wir leben bereits im dritten Jahrtausend - ist es nicht höchste Zeit, das Kursangebot von Aberglauben zu reinigen?


Mit freundlichen Grüßen

Dr. Krista Federspiel

Gesellschaft für Kritisches Denken

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Kommentare (1)

florian· 27.08.08 · 16:50 Uhr

Kleine Korrektur zur Einleitung: auch die Studienrichtungsvertretung Astronomie hat sich an den Demos gegen die WIFI-Astrologie beteiligt; unterstützt von zahlreichen Professoren und Mitarbeitern der Universitätsternwarte.

Diese Kurse am WIFI überraschen mich leider überhaupt nicht. Irgendwo im WIFI dürften ein paar sehr esoterisch angehauchte Leute an leitenden Stellen sitzen. Ich habe noch ein Kursprogramm von letztem Jahr bei mir zuhause legen: auf dem Cover wird ein "Business-Horoskop" im Heftinneren beworben... :(

Es herrscht wirklich weit verbreitete Unkenntnis darüber, was auf wissenschaftlich-vernünftigen basiert und was esoterisch Unsinn ist. Ich glaueb nichteinmal das es hier nur um Angebot und Nachfrage geht. Die Leute dort wissen wohl schlicht und einfach nicht Bescheid. Und wenn dann irgendwelche Energetiker an sie herantreten und fragen ob sie Kurse abhalten können (für die ist das dann natürlich ein enormer Statusgewinn! quasi schon fast eine offizielle staatliche Anerkennung mit der sie dann auch PR machen) dann sehen sie daran nichts schlimmes.
Wie überall in der Gesellschaft fehlt es einfach an simpelsten Grundlagenwissen - leider. (Und jeder Österreicher darf dann die Ausbildung der Esoteriker teilweise durch seine Steuergelder mitfinanzieren...)
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Mir scheint, daß - wenn man schon so in die Tiefe geht - die Universitäten und WiFis auch Kurse über Blutrache anbieten sollten: "Meine Frau wurde Opfer eines Scharlatans; wie kann ich es ihm heimzahlen?"
Chinesische Foltermethoden und andere GARANTIERT uralte und GARANTIERT echte asiatische Methoden warten darauf, in westlichen Ländern eingeführt zu werden. In asiatischen Filmen und Videos kann man diese Dinge schon lange sehen. Bei den Kursen besteht ein dringender Nachholbedarf!

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Logged


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