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Author Topic: Abstract 1. Nationale Impf-Tagung 2009  (Read 2451 times)

ama

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Abstract 1. Nationale Impf-Tagung 2009
« on: March 08, 2009, 07:49:12 AM »

http://www.nationale-impfkonferenz.de/media/Abstractband_5_03_09_.pdf

[*QUOTE*]
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Nationale Impfkonferenz

5. - 7. März 2009

Rheingoldhalle, Mainz
 

Impfschutz im Dialog.

Ein gemeinsames Projekt

Ministerium für Arbeit, Soziales,

Gesundheit, Familie und Frauen

 

Stiftung Präventive Pädiatrie

Schirmherr: Bundespräsident Horst Köhler

Abstractband





2



Inhaltsverzeichnis

 

Eingeladene Vorträge

 

1. Sitzung

Impfschutz im Dialog

 

Festvortrag

 

2. Sitzung

Imfpziele und -strategien in Deutschland: Impfempfehlung

 

3. Sitzung Zulassungsvoraussetzungen für Impfstoffe: Erfassung von

Impfquoten

 

4. Sitzung

Impfstoffforschung, Impfstoff-

angebot, Neuerungen des

SGB V

 

5. Sitzung

Maser-Mumps-Röteln, Endspurt- Strategien zur Impfförderung

der Länder

 

Workshop I

 

Workshop II

Seite

Poster

 

Allgemeine Konzepte zum

Thema Impfen

(auch Erlebnisparcour)

PS1 - PS5

 

Strategien zur Anhebung von Impfquoten, insbesondere zum

Thema "Masern-Röteln-Endspurt"

PS6 - PS18

 

Erfassung von Impfquoten

PS19 - PS26

Seite

4

 

5

13

5

15

22

7

 

Evaluationsmodelle für

Impfstrategien,

-projekte, -kampagnen

8

PS27 - PS36

 

Unerwünschte Arzneimittel- nebenwirkungen (UAW)

Erfassung und Risikokommunikation

PS37 - PS39

 

Immunologie

PS40 - PS42a

26

9

 

10

30

32

12

Wirksamkeitsstudien

PS43 - PS47

 

Autorenverzeichnis

34

 

37

3



Eingeladene Vorträge

 

1. Sitzung

Impfschutz im Dialog

 

"Impfziele und Impfprogramme in Deutschland -

eine Bestandsaufnahme"

J. Hacker

Robert Koch-Institut, Berlin

 

Impfungen haben als effektive und sichere Maß-

nahme der Primärprävention gezeigt, dass sie maß-

geblich    zum    Infektionsschutz    und    damit    zur Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung bei-

tragen. So konnte die Inzidenz schwerwiegender Er- krankungen, wie Tetanus und Diphtherie, besonders

bei Kindern, erheblich verringert werden. Darüber

hinaus wurde die Eradikation der Pocken erreicht und

Polio gilt in Europa als eliminiert. Deutschland fühlt

sich den Gesundheitszielen der WHO verpflichtet, die

in der Krankheitskontrolle und Krankheitseliminierung

durch Schutzimpfungen einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung übertragbarer Krankheiten sehen. Sol-

che von der WHO verabschiedeten Gesundheitsziele

sind z.B. die Senkung der Inzidenz von Diphtherie,

Masern und Röteln auf unter 1 Erkrankung pro 1 Mio Einwohner sowie von Erkrankungen durch invasive Haemophilus influenzae Typ b Infektion, Mumps und

Pertussis auf unter 1 Erkrankung pro 100.000 Ein-

wohner. Diese Ziele wurden zum Teil bereits erreicht

(Hib, Diphtherie), zum Teil besteht noch Handlungs-

bedarf um sie zu erreichen (z.B. Masern). Für eine

dritte Gruppe lässt sich die Umsetzung wegen feh-

lender Daten für Deutschland leider nur schwer ve- rifizieren (Mumps, Röteln, Pertussis).

Die Umsetzung von Gesundheitszielen erfolgt in der Bundesrepublik im Rahmen der föderalen und subsi-

diären Strukturen des Gesundheitswesens. Bei der vorhandenen gegliederten Struktur der Prävention

und der Impfprävention in Deutschland gibt es typi- scherweise zahlreiche Akteure mit gelegentlich di- vergierender                Zielorientierung,                deren Zusammenwirken notwendig aber nicht immer leicht

zu koordinieren ist. Zur Erhöhung der Impfbereit-

schaft und Steigerung der Durchimpfungsraten

wurde in Deutschland bereits 1999 ein 10-Punkte- Programm veröffentlicht, das heute so aktuell ist wie

vor 10 Jahren. Darin wird zum Beispiel eine konzer-

tierte Aktion aller am Impfgeschehen Beteiligten an- gemahnt,     wie     auch     die     Verbesserung     der epidemiologischen Datenlage, die Beseitigung infra- struktureller und finanzieller Hindernisse und die In-

tegration des Impfgedankens als wichtiges Kernstück

der Arzt-Patientenbeziehung.

Deutschland stößt - wie andere Industrieländer auch

- bei der Umsetzung der umfangreichen Impfemp- fehlungen und der Einführung modernerer aber auch

teurerer Impfstoffe zunehmend auf neue Herausfor- derungen. Das Bewusstsein für die Gefährlichkeit impfpräventabler Erkrankungen sinkt, gleichzeitig

werden seltene Komplikationen der Impfungen deut-

licher wahrgenommen.Aspekte eines öffentlichen In-

teresses für Impfungen und die Verantwortung des Einzelnen für die Gesellschaft können nicht alle Men-

schen überzeugen. Darüber hinaus setzen zuneh-

mend begrenzte Ressourcen im Gesundheitswesen

einen Konsens der Priorisierung von Gesundheits-

zielen voraus. Zugleich sind intensive, evidenzba-

sierte Analysen zur Begründung und Prüfung von Impfempfehlungen erforderlich. Die im 10- Punkte- Programm genannten Handlungsfelder sollten weiter

intensiv verfolgt, der direkte Dialog zu allen Fragen

der Umsetzung von Impfprogrammen mit allen am Impfgeschehen Beteiligten intensiviert und auf dieser

Basis konsentuierte Impfziele für Deutschland for-

muliert werden.

Impfprogramme im Spannungsfeld zwischen

individueller Autonomie und allgemeinem Wohl

G. Marckmann

Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Eberhard Karls Universtität, Tübingen

 

Impfprogramme sind wirksame und darüber hinaus auch kosteneffektive Maßnahmen zur Infektionsbekämpfung. Ihr Potenzial zur Verringerung von Morbidität und Mortalität ist weder in den westlichen Industrienationen noch in den Län- dern mit niedrigem Volkseinkommen ausgeschöpft. Maß- nahmen zur Steigerung der Durchimpfung sind deshalb

nicht nur ethisch, sondern auch ökonomisch geboten. Damit stellt sich die Frage, inwieweit es ethisch vertretbar wäre, durch Impfverpflichtungen in die Handlungsfreiheit

des Einzelnen einzugreifen, um einen ausreichenden In- fektionsschutz in der Bevölkerung zu erreichen. Eine Ein- schränkung der individuellenAutonomie wäre bei Erfüllung folgender Legitimationsvoraussetzungen vertretbar: (1) Nachgewiesene Effektivität, (2) günstiges Nutzen-Risiko- Verhältnis, (3) akzeptables Kosten-Nutzen-Verhältnis, (4) möglichst geringe Restriktionen sowie (5) faire und trans- parente Entscheidungsverfahren.

 

Bei der Beurteilung eines bestimmten Impfprogramms re- sultieren aus den dargelegten 5 ethischen Kriterien ver- schiedeneArgumentationskonstellationen. InAbhängigkeit

von der individuellen und kollektiven Abwägung von Nut-

zen, Risiken und Kosten des Impfprogramms lassen sich verschiedene Empfehlungsstärken unterscheiden, die mit jeweils unterschiedlichenAnreizen und Kostenübernahme- Regelungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verbunden werden können. Die Empfehlungsstärke nimmt dabei von Stufe 1 bis Stufe 5 zu: Während bei Stufe

1 („abraten") guteArgumente gegen die Impfung sprechen, gibt es bei Stufe 5 („gesetzlich verpflichtend") zwingende Gründe, eine allgemeine Impfpflicht gesetzlich zu veran-

kern.

 

Stufe 1: Von der Impfung abraten, keine Kostenübernahme durch die GKV.

Stufe 2: Impfung anbieten, keine explizite Empfehlung, eventuell Kostenübernahme durch die GKV. In diesem Fall obliegt es wesentlich der Entscheidung des Einzelnen, ob

die Impfung durchgeführt werden soll oder nicht.

Stufe 3: Impfung anbieten und empfehlen, evtl. proaktive Maßnahmen (z.B. Informationskampagnen) durch Errei-

chung einer höheren Impfrate, Kostenübernahme durch

GKV

Stufe 4: Impfung anbieten, empfehlen und mit (monetären

und nicht-monetären)Anreizen (für Versicherte oder Ärzte) versehen, um eine höhere Impfrate zu erreichen, selbst- verständlich Kostenübernahme durch die GKV.

Stufe 5: Impfung gesetzlich vorgeschrieben, Nichtbefol-

gung steht unter Strafe, Kostenübernahme durch die GKV

oder Steuerfinanzierung.

4



Ethische und pragmatische Argumente sprechen aber

gegen eine gesetzlich vorgeschriebene Impfpflicht. Statt- dessen sollte man durch eine geeignete, proaktive Infor- mationspolitik die gesellschaftlicheAkzeptanz des Impfens

und das Vertrauen in Impfprogramme stärken.

 

Literatur:

Marckmann G, Impfprogramme im Spannungsfeld zwi-

schen individuellerAutonomie und allgemeinem Wohl. Bun- desgesundheitsblatt       -       Gesundheitsforschung       - Gesundheitsschutz 2008;51(2):175-183

Festvorttrag

 

Die Rückkehr der Volksseuchen?

Infektionskrankheiten und ihre Kontrolle im

20. Jahrhundert

C. Gradmann

Section for medical anthropology and medical history, University of Oslo, Norwegen

 

Zu den wichtigsten Entwicklungen in der europäischen Me- dizingeschichte des 20. Jahrhunderts gehört die Verände- rung der Bedeutung von Infektionskrankheiten. Bis zum 1. Weltkrieg bildeten Krankheiten wie Tuberkulose, Cholera

oder Typhus, verstanden als Volksseuchen, den Dreh- und Angelpunkt des öffentlichen Gesundheitswesens. Aller- dings ging bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ihre epidemiologische Bedeutung zurück. Dieser Prozess hatte seinen Ursprung in einer allgemeinen Verbesserung der Lebensverhältnisse, welche durch medizinische Innovatio-

nen wie Serumtherapie, Schutzimpfungen und allmählich

auch durch spezifische Therapien gefördert wurde. Mit der Verfügbarkeit von Sulfonamiden und fungalen Antibiotika

kam insofern nach dem 2. Weltkrieg ein historischer Wan-

del zumAbschluss.An dessen Ende hatten chronische Er- krankungen des Herz-Kreislaufssystems, Diabetes und anderes mehr den Platz der klassischen Volksseuchen im öffentlichen Gesundheitswesen aber auch im Bewusstsein ihrer Zeitgenossen übernommen. In den 1980er Jahren verdichtete sich eine ganze Reihe von teilweise schon vor- gängigen Veränderungen in ein neues Bedrohungsszena-

rio, in dem Infektionskrankheiten nun wieder einen prominenten Platz einnahmen. Als wichtige Stichworte

seien AIDS, Antibiotikaresistenzen aber auch die Neudefi- nition chronischer Krankheiten wie des Magengeschwürs

als ansteckende genannt.

Wahrnehmung und Wirklichkeit sind jedoch zweierlei: Waren die Infektionskrankheiten jemals wirklich unter Kon- trolle, inwiefern lassen sich die Neuen und die alten Volks- seuchen vergleichen, wie haben sich die Strategien ihrer Kontrolle im Laufe der Zeit verändert?Ausgehend von sol-

chen und anderen Fragen möchte ich in meinem Vortrag

dazu einladen, dass 20. Jahrhundert in seiner Gesamtheit

als eine Epoche der Medizingeschichte zu begreifen.

sam bestätigt und von den zuständigen Behörden zuge-

lassen wird. Für die Entwicklung von Impfkonzepten sind jedoch weitere Fragen zu beantworten:

Anders als Fragestellungen, die für die Zulassung eines Impfstoffes relevant sind, haben die Fragestellungen zur Erstellung von Impfkonzepten nicht nur das zu impfende Individuum sondern auch und vor allem die Bevölkerung

im Blick: Kann die Verbreitung der Zielkrankheit durch eine allgemeine Impfempfehlung beeinflusst werden? Können unerwünschte Wirkungen in der Epidemiologie auftreten

z.B. durchAltersverschiebungen oder durch Änderung des ökologischen Gleichgewichtes zugunsten anderer Erre- gerstämme? Wie wirksam und sicher sind ggf. alternative Präventionsmöglichkeiten? Wie kann die bevölkerungsbe- zogene Wirksamkeit des Impfkonzeptes gemessen wer-

den? Diese und andere Fragen werden von der Ständigen Impfkommission systematisch und regelmäßig geprüft. Grundlage für die Prüfung sind zum großen Teil infektions- epidemiologische Studien und Surveillanceauswertungen:

Auf der Grundlage der Meldepflicht oder von Sentinelsur- veillancesystemen werden repräsentative Informationen

über die örtliche Verbreitung und den zeitlichen Verlauf der Zielkrankheit gewonnnen. Sentinels spielen eine beson-

dere Rolle, weil für die meisten impfpräventablen Krank- heiten    in    Deutschland    keine    Meldepflicht    besteht. Prospektive klinisch-epidemiologische Studien verbessern

die Kenntnisse über die Übertragbarkeit eines Erregers und

den natürlichen Verlauf einer Infektion. Ausbruchsuntersu- chungen geben wertvolle Hinweise auf die Impfeffektivität.

Die Erfassung der Durchimpfung wird benötigt, um die Um- setzung eines Impfkonzeptes zu evaluieren. Molekularepi- demiologische Untersuchungen können die Entstehung

von escape Mutanten nachweisen. Epidemiologische Mo- dellierungen können auf der vorhandenen theoretischen Grundlage das Spektrum derAuswirkungen verschiedener Impfstrategien vergleichen. Die hier genannten Methoden ergänzen einander, allerdings nur, wenn die Stabilität der Erfassung gewährleistet und die Qualität der Daten hoch

ist Besonders deutlich wird dies bei der zunehmend be- achteten Modellierung, die im besten Fall so verlässlich

sein kann wie die vielfältigen Grundannahmen, die in das Modell eingespeist werden. Seit Jahren wertet die Stän-

dige Impfkommission die so gewonnenen Erkenntnisse aus

und regt Studien an, die für die wissenschaftliche Begrün- dung ihrer Empfehlungen nötig sind. Das methodische Vor- gehen der Ständigen Impfkommission orientiert sich an den Grundsätzen der evidenzbasierten Medizin und wird weiter strukturiert und transparenter gestaltet.

Die Infektionsepidemiologie ist daher die wissenschaftliche Disziplin, die ganz wesentliche Grundlagen für evidenzba- sierte Impfkonzepte bietet. Jedoch kann das Potential die-

ser Disziplin nur zur Geltung kommen, wenn die gesetzlichen Grundlagen für die zu erfassenden Daten ge- schaffen werden und die Ressourcen verfügbar sind, diese Daten mit modernen infektionsepidemiologischen Metho-

den auszuwerten.
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ama

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Abstract 1. Nationale Impf-Tagung 2009
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2. Sitzung

Impfziele und -strategien in Deutschland:

Impfempfehlungen

 

Infektionsepidemiologie als Grundlage von

Impfempfehlungen

G. Krause

Leiter der Abteilung für Infektionsepidemiologie am Robert-Koch- Institut, Berlin

 

Die Entwicklung von Impfkonzepten setzt dort an, wo mit

Hilfe klinischer Forschung ein Impfstoff als sicher und wirk-

Schutzimpfungen in Deutschland -

Stand, Probleme, Perspektiven

(Impfpflicht oder Impfmanagement)

S Dittmann

International Immunization Consulting,Berlin

WHO-Consultant

 

In Deutschland wurden in den letzten Jahren deutliche

Fortschritte bei der Realisierung von Impfprogrammen er-

reicht. Die kontinuierliche Arbeit der STIKO hat dazu we-

sentlich beigetragen. Dennoch sind wir vom WHO-Ziel der Masernelimination noch weit entfernt, auch die Impfraten

gegen Pertussis und Hepatitis B sind nur suboptimal. Ein

5



zu großerAnteil von jungen Kindern wird wesentlich später

als empfohlen geimpft.

Unbefriedigend ist der Impfschutz insbesondere bei Ju- gendlichen und hinsichtlich Auffrischimpfungen bei Er- wachsenen. Kinder- und Jugendärzte tragen die Hauptlast

des Impfvollzugs. Zwischen den Bundesländern und in- nerhalb dieser gibt es erhebliche Abweichungen in Impf- strategien und deren Realisierung, sich nicht zuletzt in immer wiederkehrenden Krankheitsausbrüchen manife-

stierend.

Vergleicht man unsere Situation mit erfolgreichen anderen Ländern, so lassen sich die Bestandteile eines qualifizier-

ten Impfmanagements

§ Planung mit Zielvorgaben: Impfziele

§ zielgerichtete Information und Kommunikation

§ Surveillance der Zielkrankheiten auf kommunaler, regio-

naler, Länder- und Bundesebene

§ altersbezogenes Monitoring der Impfquoten auf diesen Ebenen und

§ Koordination durch den Gesundheitsdienst

nur in Ansätzen nachweisen.

Zur Verbesserung der Situation wird immer wieder auch

eine gesetzliche Impfpflicht diskutiert, auch die ‚no shot -

no school'- Strategie in den USA. Die gesetzlichen Hürden (IfSG) für die Einführung von Pflichtimpfungen sind in Deutschland hoch. Hilfreich zur Erhöhung des Impfschut-

zes können Festlegungen der Länder sein

• für die Aufnahme in eine Kindereinrichtung die Kontrolle

des Impfstandes zu fordern sowie

• Pflicht-Vorsorgeuntersuchungen    einschließlich    Kon- trolle/Vervollständigung des Impfschutzes.

Länder mit erfolgreichen Impfprogrammen verzichten zu- gunsten einer guten Surveillance und eines qualifizierten Programm-Managements auf die Impfpflicht. Vorausset- zungen für die verbesserte Erfassung der Impfraten sind bereits jetzt gegeben, wie Beispiele aus verschiedenen Projekten zeigen. Die Schutzimpfungsrichtlinie des G-BA

bietet Möglichkeiten mit einem einheitlichen Dokumentati- onsschlüssel. Eine Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Krankenkassen, dem öffentlichen Gesundheits- dienst und der niedergelassenen Ärzteschaft ist notwen-

dig. In einem Land wie der Bundesrepublik Deutschland

kann der regelmäßige Austausch über erfolgreiche Strate-

gien förderlich sein. Basierend auf dem Vorbild anderer fö- deraler Staaten (Australien, Kanada, USA) stellt diese 1.Nationale Impfkonferenz einen weiteren Schritt in die richtige Richtung dar.

derung, Befürworten, Anraten werden von den Obersten

Landesgesundheitsbehörden auf der Grund-lage der je-

weils aktuellen STIKO-Empfehlungen ausgesprochen. Dies

soll verdeutlichen, dass Schutzimpfungen als effiziente Ge- sundheitsvorsorgemaßnahmen staatlich gefördert werden. Öffentliche Empfehlungen sind eine wichtige Vorausset-

zung für die Gewährung ei-ner Entschädigung bei einem Impfschaden. Gesetzlich geregelt ist nach § 34 Abs. 11

IfSG die Impfdatenerfassung bei einzuschulenden Kindern. Darüber hinaus enthält § 20 Abs. 4 IfSG eine Verord- nungsermächtigung für das BMG zur Erfassung und Über- mittlung    anonymi-sierter    Daten    über    durchgeführte Schutzimpfungen. Die Vereinheitlichung der Dokumentati- onsziffern inAnlage 2 der Richtlinie über Schutzimpfungen

nach § 20d Abs. 1 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V) bietet die Voraussetzungen dafür. Es wird ge- schätzt, dass 85% bis 95% der Impfungen durch Ärzte in freier Niederlassung erfolgen und etwa 5 bis 15% durch Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD). Die Fi- nanzierung von Imp-fungen für gesetzlich Versicherte er- folgte bis Anfang 2007 gemäß § 23 Abs. 9 SGB V als Satzungsleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Seit

dem 01.04.2007 gehören Schutz-impfungen zu den Pflicht- leistungen der gesetzlichen Krankenkassen, geregelt in §

20d Abs. 1 SGB V. Neu in Abs. 3 dieser Vorschrift ist auch

die Verpflichtung für Krankenkassen und Länder, Rah- menvereinbarungen zum Impfen abzuschließen. Diese Vereinbarungen sollen Maßnahmen zur Förderung von Schutzimpfungen und die Erstattung von Sachkosten für Impfungen, die von Ärzten des Öffentlichen Gesundheits- dienstes durchgeführt werden, re-geln. In Deutschland dür-

fen approbierte Ärzte grundsätzlich impfen. Bundesweit besteht eine Fortbildungspflicht über die Landesärztekam-

mern entsprechend den jeweiligen Berufsord-nungen. Ab- rechnungsbefugnisse für das Impfen werden in den meisten Bundesländern, mit unterschiedlichen Einschrän- kungen, fachgebietsübergreifend erteilt.

Zuständigkeiten und Infrastrukturentwicklung im

deutschen Impfwesen

H. Oppermann

Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt, Fachbereich Hygiene, Magdeburg

Mitglied der Ständigen Impfkommission am RKI

 

Grundlage für die Zuständigkeiten auf dem Gebiet des Impfwesens     ist     das     Infektionsschutz-gesetz     vom 20.07.2000, hier insbesondere der § 20. Danach sollen die zuständigen Bundes- und Landesbehörden sowie die Ge- sundheitsämter die Bevölkerung über die Bedeutung von Schutzimpfungen aufklären und informieren mit dem Ziel, Wissenslücken zu schließen, an das Impfen zu erinnern

und die eigenverantwortliche Entscheidung für das Impfen

zu ermög-lichen. Fachliche Empfehlungen zur Durchfüh-

rung von Schutzimpfungen gibt die Ständige Impfkommis-

sion (STIKO), die beim Robert Koch-Institut (RKI) eingerichtet wurde. Sie gibt ihre Empfehlungen nach dem Stand der Wissenschaft, nimmt eine medizinisch-epide- miologische Nutzen-Risiko-Abwägung vor und berücksich-

tigt Belange der praktischen Umsetzbarkeit. Öffentliche Empfehlungen von Schutzimpfungen im Sinne von Auffor-

Von der STIKO-Empfehlung zur

Schutzimpfungs-Richtlinie (SiR)

A. Nahnhauer

GKV-Spitzenverband, Abteilung Arznei- und Heilmittel,

Berlin

 

Mit der Neufassung des § 20dAbs. 1 Sozialgesetzbuch Nr.

V (SGB V) durch das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz sind Schutzimpfungen, die bis dahin als freiwillige Sat- zungsleistungen in § 23 Abs. 9 SGBV geregelt waren, in

den Pflichtleistungskatalog der GKV aufgenommen wor-

den. Ausgenommen von diesem Anspruch sind Schutz- impfungen, die wegen eines durch einen nicht beruflichen Auslandsaufenthalt erhöhten Gesundheitsrisikos indiziert

sind (so genannte Reiseimpfungen). Damit werden be- stimmte private Risiken von den durch die Solidargemein- schaft zu finanzierenden Pflichtleistungen ausgenommen. Ausnahmen sind dann möglich, wenn der Einschleppung

einer übertragbaren Krankheit nach Deutschland vorge-

beugt werden soll.

 

Die Einzelheiten zur Leistungspflicht von Schutzimpfungen

hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) auf der Basis der Empfehlungen der STIKO in einer Schutzimp- fungs-Richtlinie    festzulegen.    Die    Richtlinie    gilt    seit 1.07.2007 und ist incl. der Anlagen für Ärzte, Krankenkas-

sen und Versicherte verbindlich.

 

Neben allgemeinen Abschnitten im Richtlinientext sind die Einzelheiten zu Art und Umfang der Leistungen in Anlage

1 der Schutzimpfungs-Richtlinie festgelegt. Diese führt in

einer einheitlichen Tabelle die einzelnen Impfungen, deren

6



Indikationen sowie Hinweise zu den Schutzimpfungen und

weitere Anmerkungen zum wirtschaftlichen Einsatz auf. Weiterhin enthältAnlage 1 Hinweise auf die Kostentragung durch den Arbeitgeber. Dies ist immer dann der Fall, wenn

z.B eine Tätigkeit im Sinne der Biostoffverordnung ausge-

übt wird und dabei Beschäftigte durch einen impfpräventa-

blen biologischen Arbeitsstoff erhöht infektionsgefährdet sind.Anlage 2 der Schutzimpfungs-Richtlinie enthält einen verbindlich zu verwendenden einheitlichen Dokumentati- onsschlüssel für Impfungen.

 

Der Leistungsanspruch für Versicherte im Rahmen der SiR bezieht sich nur auf Schutzimpfungen im Sinne des § 2 Nr.

9 Infektionsschutzgesetz (Gabe eines Impfstoffes mit dem

Ziel, vor einer übertragbaren Krankheit zu schützen). Die postexpositionelle Prophylaxe durch Gabe von Sera und Chemotherapeutika ist nicht Gegenstand der SiR. Im Ein-

zelfall richtet sich die Leistungspflicht nach

§ 23 Abs. 1 Nr. 3 i. V. m. § 31 SGB V. Die Maßnahmen der postexpositionellen Prophylaxe zum Schutz vor Weiterver- breitung bestimmter übertragbarer Krankheiten über den Einzelfall hinaus (z. B. Riegelungsimpfungen bei einem Masernausbruch in Gemeinschaftseinrichtungen oder Empfehlung für die Gabe von speziellen Medikamenten für ganze Schulklassen oder Schulen bei Meningokokken-In- fektionen) verbleiben im Regelungsrahmen des öffentli-

chen Gesundheitsdienstes.

Das RKI veröffentlicht die aktualisierten Impfempfehlungen

der STIKO im Epidemiologischen Bulletin in der Regel ein-

mal jährlich. Zu den Änderungen der STIKO-Empfehlun-

gen hat der G-BA innerhalb von drei Monaten nach ihrer Veröffentlichung eine Entscheidung zu treffen. Für den Fall, dass eine Entscheidung durch den G-BA nicht termin- oder fristgemäß zustande kommt, dürfen die von der STIKO empfohlenen Änderungen der STIKO-Empfehlungen zu Lasten der GKV erbracht werden, bis eine Richtlinienent- scheidung vorliegt. Die Struktur des G-BA sowie die Ent- scheidungswege werden an Beispielen erläutert.

3. Sitzung

Zulassungsvoraussetzungen für Impfstoffe:Er-

fassung von Impfquoten und Impfkomplikationen

 

Die Nutzen-Risiko-Bewertung von Impfstoffen im

Rahmen von Zulassungsverfahren

M. Pfleiderer

Paul-Ehrlich-Institut, Langen

 

Nutzen und Risiken von Impfstoffen sind der Mittelpunkt

vieler wissenschaftlicher und öffentlicher Diskussionen an deren Ende, je nach Interessenslage, entweder der Nutzen

als überragend oder die Risiken als unannehmbar darge-

stellt werden. Wissenschaftliche und medizinische Fach- kreise betonen imAllgemeinen die Vorzüge von Impfstoffen während impfkritische Kreise sich vornehmlich mit ver- meintlichen oder echten Risiken von Impfstoffen beschäf- tigen und deren erwiesenen Nutzen verdrängen oder absichtlich ignorieren. Aus diesen gegensätzlichen Posi- tionen ergibt sich häufig ein Unvermögen unterschiedliche Ansichten zu den Wirkungen und Nebenwirkungen von Impfstoffen zu verstehen und zu akzeptieren bzw. Brücken zwischen den Extremen zu bauen.

Die Ursachen für solche Konflikte liegen zumeist darin be- gründet, dass die Mechanismen zur Bewertung des Nut- zens    und    der    möglichen    Risiken    von    Impfstoffen weitestgehend unbekannt sind. Gemeinhin wird davon aus- gegangen, dass eine zuständige Behörde nach Prüfung

der Zulassungsunterlagen befindet, dass die Nutzen eines neuen Impfstoffs die möglichen Risiken überwiegen und dieser Tatbestand nach der Erteilung einer Zulassung ein

für allemal bestehen bleibt.

Ein solches Vorgehen wird schon seit langer Zeit nicht

mehr praktiziert. Entwicklung, Prüfung undAnwendung von Impfstoffen sind vielmehr zu einer gemeinschaftlichenAuf-

gabe zwischen Herstellern und Behörden geworden, deren letztendliches Ziel es ist einen Kompromiss zwischen den Wünschen und Ansprüchen der forschenden und herstel-

lenden Industrie und den Bedürfnissen der Zielpopulation,

für welche diese Impfstoffe bestimmt sind, herbeizuführen.

Die dazu notwendigen Schritte werden bereits weit im Vor-

feld eines Zulassungsverfahrens eingeleitet. In den Mittel-

punkt des Dialogs zwischen zuständigen Behörden und Herstellern ist dabei die wissenschaftliche Beratung ge-

rückt. Diese wird von den zuständigen nationalen Behör-

den,    aber    auch    von    der    in    London    ansässigen europäischen Agentur für Arzneimittel, der European Me- dicinesAgency (EMEA), angeboten. Wissenschaftliche Be-

ratungen finden im Rahmen der Entwicklung neuer

Impfstoffe in regelmäßigen Abständen, häufig jedoch an

kritischen Entscheidungspunkten statt. Die Inhalte wissen- schaftlicher Beratungsgespräche beziehen sich auf frühe

und späte pharmazeutische, präklinische und klinische Ent- wicklungsprozesse sowie auf die Vorbereitung des am

Ende eines Entwicklungsprozesses stehenden Zulas- sungsverfahrens. Aus der Gesamtheit der Gespräche er-

gibt sich bereits weit vor der Zulassung ein verlässliches

Bild über die klinischen Eigenschaften eines neuen Impf-

stoffs. Desweiteren sind seit einigen Jahren klinische Stu-

dien aller Phasen durch eine zuständige nationale

Behörde, in Deutschland durch das Paul-Ehrlich-Institut

(PEI), genehmigungspflichtig. Das Vorrücken in die näch-

ste Studienphase ist nur auf der Basis der Auswertung der klinischen Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit aus

früheren Studienphasen möglich. Dies ist ein weiterer wich-

tiger Mechanismus um Nutzen und Risiken neuer Impf-

stoffe frühzeitig zu erkennen und bereits vor der Zulassung

über einen langen Zeitraum hinweg beobachten zu kön-

nen.

Die Zulassungsmodalitäten selbst haben sich in den ver-

gangenen 15 Jahren grundsätzlich verändert. Während frü-

her die Zulassung von Arzneimitteln eine rein nationale Zuständigkeit war, so stehen heute die Harmonisierung von Zulassungskriterien und die Erteilung von gemeinschaftli-

chen Zulassungen im Mittelpunkt. Dies bedeutet, dass Art

und Weise wie neue Impfstoffe in der EU bewertet werden

in jedem Fall gemeinschaftlich akzeptierten Kriterien un-

terliegen und mittlerweile für die meisten neuen Impfstoffe

EU- weit gültige Gemeinschaftszulassungen erteilt werden.

Diese Mechanismen verschaffen zum einen Zugang zu

einem riesigen Reservoir an europäischen Impfstoffexper-

ten und verhindern gleichzeitig, dass zu ein und demsel-

ben      Impfstoff      unterschiedliche      wissenschaftliche Schlussfolgerungen in verschiedenen Ländern gezogen

werden.

Die Bewertung von Nutzen und Risiken neuer Impfstoffe

endet selbstverständlich nicht mit der einmal erteilten Zu-

lassung. Sie erfolgt begleitend und kontinuierlich im Rah-

men der breiten Anwendung von Impfstoffen über das

gesamte Produktleben hinweg. Erfahrungsgemäß werden

neue Impfstoffe fachlich und öffentlich kritischer begutach-

tet als etablierte Impfstoffe so dass sich oftmals Nebenwir- kungsprofile ergeben die in der klinischen Erprobungsphase

nicht beobachtet wurden. Dies ist ein schwer zu beherr-

schendes Dilemma, insbesondere dann wenn neue Impf-

stoffe     innerhalb     eines     kurzen     Zeitraums     einen Vorläuferimpfstoff ersetzen oder wenn neue Impfstoffe erst-

malig zur Verfügung stehen und innerhalb eines kurzen

Zeitraums massenhaft eingesetzt werden. In beiden Fällen

fehlt dann eine adäquate Kontrollgruppe anhand derer sich

solche Phänomene bestätigen oder zurückweisen lassen.

Umso wichtiger ist also die Beobachtung der klinischen Ei-

7



genschaften aller Impfstoffe über das gesamte Produktle-

ben hinweg. Über die Zeit bestätigt sich dann in den aller- meisten Fällen was bereits aus den Zulassungsstudien ersichtlich war, nämlich das positives Nutzen-Risiko- Verhältnis, d.h. der Nutzen eines Impfstoff überwiegt bei weitem die mit der Impfung verbundenen (oft unvermeidli- chen) Risiken.

4. Sitzung

Impfstoffforschung, Impfstoffangebot,

Neuerungen des SGB V

 

Zukünftige Impfstoffe - Erwartungen an die

Pharmaindustrie

U. Heininger

Ltd. Arzt Infektiologie und Vakzinologie,

Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB), Basel

 

Der „ideale" Impfstoff schützt ein Individuum gegen alle be- drohlichen Infektionskrankheiten, ist frei von Nebenwirkun-

gen, kann ohne Injektionsnadel appliziert werden, ist kostengünstig in der Herstellung, benötigt keine Kühlkette

und muss nur einmal im Leben verabreicht werden.

Diesem illusorischen Wunschtraum kann man sich nur schrittweise nähern. In den vergangenen Jahren sind eine Vielzahl neuer Impfstoffe entwickelt, getestet und erfolg- reich in nationale Impfprogramme eingeführt worden. Dies

ist u.a. der guten und engen Zusammenarbeit von Impf- stoffanwendern (der Ärzteschaft), akademischen Institutio- nen       und       Forschungseinrichtungen,       und       der pharmazeutischen Industrie zu verdanken.

Welche Erwartungen haben Anwender von Impfstoffen

bzw. deren Nutzniesser, d.h. die Bevölkerung, an die Phar- maindustrie bezüglich zukünftiger Impfstoffe?

Dies lässt sich wie folgt kursorisch zusammenfassen:

 

1)Aufrechterhaltung der hohen Qualität an Sicherheit und Effizienz von Impfstoffen

 

2)Sicherstellung der kontinuierlichen Versorgung mit den bereits verfügbaren Impfstoffen

 

3)Entwicklung weiterer sinnvoller Kombinationsimpfstoffe,

um bei steigender Zahl von verfügbaren Impfstoffen die notwendigen Injektionen auf ein für den Patienten erträgli-

ches Mass zu begrenzen

 

4)Durchführung von Studien, um sinnvolle Kombinationen

von verschiedenen Impfstoffen zeitgleich anwenden zu können (Nachweis der Unbedenklichkeit von Koadmini-

stration)

 

5)Entwicklung von Impfstoffen, die schmerzlos (im allge- meinen mukosal) angewendet werden können, unter Ver- zicht auf Injektionen

 

6)Fokusierung auf dringlich benötigte neue Impfstoffe gegen komplikationsträchtige Infektionskrankheiten, wie

z.B. gegen HIV, Tuberkulose, Malaria, aber auch weitere Serogruppen von Meningokokken und Pneumokokken,

RSV u.a.

scheidenden Beitrag zu einer verbesserten Gesundheits-

versorgung zuleisten. Prominentestes Beispiel ist die Era- dikation    der    Pocken    mit    Hilfe    eines    konsequent durchgeführten weltweiten Impfprogramms.

 

Zu den zahlreichen Vorteilen der Impfungen zählen u.a.:

- Die allgemeine Bevölkerung und die Volkswirtschaften können von der sog. Herdenimmunität profitieren, also der Verringerung des Infektionsrisikos durch Aufbau eines schützenden Kokons aus geimpften Personen um un- geimpfte Personen.

- Kostenträger können durch den höheren Nutzen von Impfungen im Vergleich zu anderen Präventionsmaßnah-

men wie Beratung, Früherkennung, Behandlung und Pflege profitieren.

- Geimpfte Personen können durch die Vermeidung von Schmerzen, Leid, Arbeits-/Erwerbsunfähigkeit, Tod sowie künftigen Krankheitskosten (medizinischer Versorgung)

profitieren.

 

Eine Herausforderung für die aktuelle Impfstoffentwicklung stellen alte wie neue Erreger von Infektionskrankheiten dar. Dabei gibt es derzeit folgende Entwicklungsschwerpunkte:

- Neue Verfahren, zur Ermöglichung der Entwicklung von Impfstoffen gegen Erkrankungen wie HIV, Malaria oder das

Cytomegalie-Virus.

- NeueAdjuvantien zur Verbesserung der Wirksamkeit und Verstärkung der Immunantwort.

- Neue Applikationsmethoden zur schnelleren und einfa- cheren Verfügbarkeit von Impfstoffen, für eine verbesserte Kosteneffizienz von Impfprogrammen sowie für eine hö-

here Verträglichkeit und Compliance von Impfungen.

 

Die Entwicklung eines neuen Impfstoffes kann sich über Jahrzehnte hinziehen und Kosten in Höhe von mehreren hundertmillionen Euro verursachen. Impfstoffe sind biolo- gische Produkte, deren qualitätsgesicherte Herstellung im Vergleich zu chemischen Arzneimitteln viel zeitaufwendi-

ger und kostspieliger ist. Gerade in den frühen Entwick- lungsphasen        können        Produktionserfolge        nicht vorhergesagt werden und speziell bei der Impfstoffproduk-

tion existieren hohe Verlustraten.

 

Nach ihrer Zulassung werden Impfstoffe erneut einer aus- gedehnten Bewertung durch Beratungskomitees, Regie- rungsbehörden sowie Organisationen aus Medizin und Gesundheitswesen unterworfen, um zu entscheiden ob

und wenn ja wie der neue Impfstoff eingesetzt werden soll.

Die Entscheidung basiert auf Kriterien wie Krankheitslast, Impfstoffeffektivität, Sicherheit, Kosten, Möglichkeit die Impfung dem Impfkalender hinzuzufügen, gesellschaftliche Nachfrage sowie Auswirkungen eines Impfprogramms in Bezug auf die Epidemiologie der Krankheit.

 

Gegenwärtig verfügbare Impfungen bieten einen jahrelan-

gen Schutz für Geimpfte und aufgrund der Herdenimmuni-

tät auch für Ungeimpfte, eine hohe Impfrate vorausgesetzt.

Der so generierte Nutzen ist bei Erstattungsentscheidun-

gen zu berücksichtigen. In Relation zu den gesamten Ge- sundheitskosten sind die Ausgaben für Impfungen gering

und stellen nur einen Bruchteil der Gesamtausgaben dar.

Für die Kostenträger sind Impfungen daher eine bezahl-

bare und kosteneffektive Investition in die Gesundheit ihrer

Versicherten.

 

Die Impfstoffhersteller sind sich ihrer Verantwortung für die Gesundheitsvorsorge der Bevölkerung bewusst. Daher be- rücksichtigt die Preisgestaltung für Impfstoffe neben dem

Wert des Impfstoffes auch die Fähigkeit eines Landes den Impfstoff in Relation zu seinem Bruttosozialprodukt zu be- zahlen. In Verkaufsverhandlungen spielen das Volumen

Entwicklung und Preisgestaltung von Impfstoffen

Th. Mummenbrauer

Direktor Business Development, GlaxoSmithKline Biologicals,

Wavre

 

Impfstoffen ist die Fähigkeit vorbehalten, durch die Reduk-

tion von Erkrankungs- und Todesfällen weltweit einen ent-

8



und die Laufzeit von Verträgen zusätzlich eine Rolle. Die-

ses sogenannte abgestufte Preisgestaltungsverfahren hat

zum Ziel, die weltweite Verfügbarkeit von Impfstoffen zu

maximieren.
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ama

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Abstract 1. Nationale Impf-Tagung 2009
« Reply #2 on: March 08, 2009, 07:50:27 AM »

5. Sitzung

Masern-Mumps-Röteln Endspurt - Strategien zur Impfförderung der Länder

 

Erfolgreiche      Impfpräventionsprogramme      in Deutschland mit dem Fokus auf Jugendliche

G. Elsässer1

1

Landesgesundheitsamt Brandenburg, Zossen

prüfung der Impfausweise mit direkten Impfangeboten ver-

knüpfen. Insbesondere Schüler aus „nicht priviligierten Fa- milien" und auch Schüler in Sonderschulen profitierten von diesem Angebot.

Schlussfolgerung

Die verfügbare Datenlage zeigt erhebliche Impfdefizite bei älteren Schülern. Die Impfpräventionsmaßnahmen der Ge- sundheitsämter direkt in Schulen haben sich als hoch ef- fektiv erwiesen. Es empfiehlt sich, dass Jugendärzte in Schulen ergänzende Impfangebote machen.

Hintergrund

Die kontinuierliche Überwachung (Surveillance) des Impf- status der Bevölkerung und die Identifizierung hemmender

und fördernder Faktoren der Impfakzeptanz sind Voraus- setzung für die Realisierung einer Impfstrategie (Empfeh- lungen des National Vaccine Advisory Committee für die USA). In Deutschland ist die Surveillance der Durchimmu- nisierung der Bevölkerung nur für die Schulanfänger, je-

doch nicht für Jugendliche gesetzlich verankert (§ 34 Abs.

11 IfSG). Nur einzelne Bundesländer wie das Saarland, Bremen, Schleswig-Holstein und die neuen Bundesländer überprüfen durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst zu- sätzlich den Impfstatus von älteren Schülern (6., 8. oder

10. Klassen).

 

Anliegen des Beitrages ist es, auf der Grundlage verfüg- barer Datenquellen den Handlungsbedarf in der Impfprä- vention bei älteren Schülern zu bewerten. Darüber hinaus werden erfolgreiche Beispiele zur Schließung von Impflük-

ken im Jugendalter vorgestellt.

 

Methodik

Auf der Grundlage verfügbarer Daten (Kinder- und Ju- gendgesundheitssurvey und Öffentlicher Gesundheits- dienst einzelner Bundesländer) werden die Impfdefizite bei

der 1. und 2. Tetanus- und Diphtherie-Auffrischimpfung, 1. Pertussis-Auffrischimpfung, Grundimmunisierung gegen Hepatitis B für ältere Schüler nach folgenden Merkmalen analysiert: Altersgruppe bzw. Klassenzugehörigkeit (6., 8. oder 10. Klasse), Geschlecht, soziale Lage bzw. Migrati- onsstatus der Eltern und regionaleAspekte. In einem zwei-

ten Schritt werden erfolgreiche Impfstrategien anhand der Steigerung von Durchimmunisierungsraten für die Ziel- gruppe älterer Schüler (6. Klasse aufwärts) vorgestellt.

 

Ergebnisse

Die verfügbare Datenlage zur Durchimmunisierung von Ju- gendlichen zeigt bundesweit, länderbezogen und auch kommunal erhebliche Impfdefizite bei älteren Schülern: Die Impfquoten liegen für die 2. Auffrischimpfung gegen Teta-

nus und Diphtherie bundesweit unter 40 % und für dieAuf- frischimpfung    Pertussis    sogar    noch    niedriger.    Die nachzuholende Hepatitis-B-Grundimmunisierung liegt bei

knapp 60% und bei der zweiten MMR unter 75 %. Regio-

nal spezifisch führten zu niedrige MMR-Impfquoten zu Ma- sernausbrüchen. Geschlechtsspezifische Unterschiede

gibt es nur bei der Rötelnimpfung: Die 2. Röteln Dosis liegt

bei Mädchen unter 67 % vs. Jungen unter 63 %. Ein nied-

riger Sozialstatus ist mit einem inkompletten Impfstatus

(MMR und Hepatitis B) assoziiert. Bei Schülern in Sonder-

bzw. Förderschulen waren die Impfdefizite bei der Hepati- tis-B-Nachholimpfung und Pertussisauffrischimpfung ver- glichen zu gleichaltrigen Gymnasiasten stärker ausgeprägt.

Ein Migrations-hintergrund verschärfte diese Impfdefizite.

 

Evaluierte Impfprogramme zeigen, dass der Zugangsweg

über die Schulen gut funktioniert. Den höchsten Effekt er- reichten dabei Maßnahmen, die eine systematische Über-

10 Jahre Impfaktion im Saarland bei Schülerinnen

und Schülern der siebten und achten Klassen

gegen Masern, Mumps, Röteln und Hepatitis B

R. Klein

Ministerium für Justiz, Arbeit, Gesundheit und Soziales des Saarlandes, Saarbrücken

 

Die Daten zum Impfschutz von Kindern und Jugendlichen

der vierten und achten Klassen, die die Gesundheitsämter

im Rahmen der jahrgangsbezogenen Untersuchungen

Ende der 90er Jahre erhoben, zeigten, dass die von der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut emp- fohlene Wiederimpfung gegen MMR nur zögerlich ange- nommen wurde. Gleiches galt für die seit 1995 empfohlene Impfung gegen Hepatitis B. Das saarländische Ministerium

für Frauen,Arbeit, Gesundheit und Soziales vereinbarte mit

den Gesundheitsämtern, den gesetzlichen Krankenkassen

und privaten Krankenversicherern in Abstimmung mit dem ambulantem Versorgungssystem Maßnahmen zur Verbes- serung des Impfschutzes. Die Form der Zusammenarbeit

unter Einbeziehung weiterer Kooperationspartner, die durchgeführten Aktionen und erreichten Ergebnisse sowie

die Finanzierungsregelung werden vorgestellt.

Der Bayerische Masernaktionsplan

B. Liebl

Leitender Ministerialrat Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, München

 

Beschreibung: Masern sind eine ernstzunehmende und potentiell mit schwerwiegenden Komplikationen verlau-

fende Infektionskrankheit. Die WHO strebt bis 2010 die Eli- minierung der Masern in Europa an. Ende 2007/Anfang

2008 waren in Bayern jedoch mehrere Masernausbrüche verzeichnet worden. Um die Elimination der Masern den-

noch möglichst rasch erreichen zu können, hat die bayeri- sche Landesarbeitsgemeinschaft Impfen (LAGI) Anfang

2008 einen Masernaktionsplan ins Leben gerufen. Die

LAGI ist ein unabhängiges Gremium, in dem sich Vertreter

von Ärzteverbänden, Körperschaften, Kostenträger und

des öffentlichen Gesundheitsdienstes gemeinsam für das Impfwesen engagieren. Der Masernaktionsplan verfolgt

dabei drei Schwerpunkte:

1.)Surveillance nutzen und verbessern,

2.)vermehrtes zielgruppenorientiertes Impfangebot und Be- seitigen von Impfhindernissen,

3.)Management von Einzelerkrankung und Ausbrüchen verbessern. Die Umsetzung des Masernaktionsplans soll

zum einen anhand von aktuellen und erfolgreich verlau- fenden Projekten wie z.B. einem Impferinnerungssystem (Impf-Recall) bei den Schuleingangsuntersuchungen oder

einer Medienkampagne zur Masern/Mumps/Röteln-Imp-

fung mit Plakaten in U-Bahnen und Kinospots dargestellt werden. Zum anderen soll die Bedeutung der gemeinsa-

men Umsetzung durch eine Vernetzung verschiedenerAk- teure verdeutlicht werden.

9



Meldungen von Impfkomplikationen und

Datenbank der Verdachtsfälle

 

Workshop I

 

Impfprogramme für Jugendliche

M. Terhardt,

Arzt für Kinder- und Jugendmedizin, Ratingen

 

Jugendimpfungen rücken angesichts der Masern-Ausbrü-

che und der in Deutschland kaum zu erreichenden WHO-

Ziele zunehmend in den Focus. Während die Impfraten der Säuglinge und Kleinkinder, in Deutschland flächendeckend

nur verspätet erfasst durch die Daten der Schuleingangs- untersuchungen, in den letzten Jahren kontinuierlich stei-

gen, sind die wenigen verfügbaren Daten über die Durchimpfungsraten der Jugendlichen weiterhin mangel-

haft. Exemplarisch werden die diesbezüglichen Daten des KIGGS im Vortrag dargestellt.

Es fehlt ein bundesweites Konzept für Jugend- und Nach-

holimpfungen.

- Keine institutionalisierten Impfpasskontrollen

- Keine Beteiligung der Schulen

- Zu wenig Arztkontakte

(Inanspruchnahme U10/U11/J1/J2)

- Keine konsentierte Öffentlichkeitsarbeit

- Zu wenig Impfangebote bei Kampagnen

 

Verschiedene Bundesländer und einzelne Gesundheits-

ämter starteten unterschiedliche Kampagnen zu Jugend- impfungen mit unterschiedlichem Erfolg. Andere Staaten

haben ähnliche Probleme, aber es gibt auch Beispiele von

best practice. Beispiele werden im Vortrag vorgestellt.

Was ist zu fordern?

- Regelmäßige Impfpasskontrollen bei jedem Schuleintritt

und Schulwechsel, auch mittelbar durch Verpflichtung

zur ärztlichen Impfbescheinigung

- Impfregister / Recall

- Bundesweiter Konsens aller Beteiligten ( Politik / Ärzte /

GKV / PKV ) über die prioritären Jugendimpfungen

- Separater STIKO-Impfplan für Jugendliche und Nachhol-

impfungen

- Impfen als selbstverständliches Thema an Schulen ein-

führen

- Teilnahme an der J1 öffentlich fördern und genauso wie

die neu einzuführenden zusätzlichen U-Termine für

Impfungen nutzen (U10/U11/J2)

- Impfen in Arztpraxen muss sich betriebswirtschaftlich

lohnen

- Subsidiäres Impfen durch den ÖGD an Schulen

verstärken

- Öffentlichkeitsarbeit enttabuisieren!

Einwilligungsfähigkeit von Jugendlichen am

Beispiel von Schutzimpfungen

A. Nassauer

Arzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin,

Robert Koch-Institut, Berlin

 

Im März 2007 hat die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) die Schutzimpfung aller Mädchen im

Alter von 12 bis 17 Jahren empfohlen.

 

Diese Altersangabe rückte die Frage wieder verstärkt in

den Vordergrund, ab welchem Alter Kinder und Jugendli-

che selbstständig (und ohne ausdrückliches Einverständnis

der Eltern) in Schutzimpfungen einwilligen können. Im Ver-

einigten Königreich (UK) besagt der ChildrensAct, dass Ju- gendliche ab einemAlter von 16 Jahren eigenständig in alle medizinischen Behandlungen einwilligen oder diese auch ablehnen können. In Deutschland existiert keine vergleich-

bare gesetzliche Regelung. Die STIKO geht seit vielen Jah-

ren    gleichlautend    in    ihrem    jährlich    erscheinenden Impfempfehlungen mit folgendem Wortlaut auf das ange- sprochene Problem ein: „Für die Impfung Minderjähriger ist regelmäßig die Einwilligung der Eltern bzw. der Sorgebe- rechtigten einzuholen. Jugendliche können selbst einwilli-

gen,     wenn     sie     die     erforderliche     Einsichts-     und Entscheidungsfähigkeit besitzen; das ist in der Regel mit

16 Jahren der Fall".

 

Diese Empfehlung stützt sich auf eine Mitteilung der Bun- desärztekammer (BÄK) aus dem Jahr 1994 und auf Leit- sätze der Deutschen Gesellschaft für Medizinrecht (DGMR) aus dem Jahr 1995, die ein solches Vorgehen be- fürworten. Zwei Urteile aus der letzten Zeit billigen Ju- gendlichen kein eigenes Entscheidungs- bzw. allenfalls ein Vetorecht gegen die Einwilligung der Sorgeberechtigten zu; allerdings waren in beiden Fällen die Jugendlichen gerade

erst 14 Jahre alt. Mit der Markteinführung oraler Kontra- zeptiva vor fast 40 Jahren war die hier aufgeworfene Frage Gegenstand zahlreicher Verfahren und wurde auch in der Literatur kontrovers diskutiert. Heute ist gefestigte Rechts- auffassung, dass Mädchen ab einemAlter von 14 Jahren - Einsicht und Reife vorausgesetzt - eigenständig und ohne Wissen der Eltern die Verordnung „der Pille" mit den be- handelnden Ärzten besprechen können. Die Ausübung höchstpersönlicher Rechte, namentlich der sexuellen Selbstbestimmung (Art. 2 Abs. 2 GG) spielt auch bei der Gabe von Schutzimpfungen gegen humane Papillomavi-

ren und gegen Hepatitis B (gleichfalls eine sexuelle Über- tragung des Erregers) eine wichtige Rolle. Kritiker wenden

eine eigenständigeAusübung der genannten Rechte durch Jugendliche ein, dass Pflege und Erziehung der Kinder

(also auch die Einwilligung in medizinische Maßnahmen)

ein durchArt. 6Abs 2 GG garantiertes Recht der Eltern sei,

so lange Kinder nicht 18 Jahre alt sind. Dem wiederum

kann entgegnet werden, dass Jugendliche im Rahmen

ihrer eigenen Grundrechtsmündigkeit (die nicht strikt an die Geschäftsfähigkeit gebunden ist), diese Rechte selbst aus- üben können, wenn sie eines „Fürsorgers" (also einer Per- son, die für sie und an ihrer Stelle entscheidet) nicht mehr

bedürfen.

 

Fazit: Eine wirksame Einwilligung Jugendlicher in Schutz- impfungen setzt für die eigenverantwortlicheAusübung von Grundrechten die notwendige Einsicht und Reife voraus.

Sich davon zu überzeugen ist Sache des behandelnden Arztes. Die von der STIKO aufgestellte „Vermutungsregel"

(16 Jahre), erleichtert das Vorgehen: Eine besondere Prü-

fung der Einwilligungsfähigkeit ist danach erforderlich,

wenn Jugendliche jünger als 16 Jahre sind oder Zweifel an ihrer Urteilsfähigkeit bestehen. In der Literatur konnten

keine Entscheidungen gefunden werden, wonach die hier begründete Regel durch Gerichte in Frage gestellt, abge-

lehnt oder abweichende Altersgrenzen aufgestellt wurden.

„Impfen vor, in und nach der Schwangerschaft"

M. Knuf

Universitätsmedizin, Johannes Gutenberg-Universität, Mainz

 

Zum Thema „Impfen und Schwangerschaft" gehören die korrekte, zeitgerechte Durchführung von Impfungen vor der Schwangerschaft, möglicherweise in der Schwangerschaft (strenge Indikationsstellung) sowie die Vakzination vonAn- gehörigen und Mitarbeitern im Gesundheitsdienst.

10















Vor einer Schwangerschaft sollte der Impfpass bei Erst-

kontakt überprüft werden. Es gilt Impflücken, insbesondere

bei Lebendimpfungen mit Relevanz in der Schwanger- schaft und für das Neugeborene (Röteln, Windpocken, Ma- sern, Mumps) sowie Totimpfungen gegen Erkrankungen,

die nach der Entbindung eine Rolle spielen können (z. B. Pertussis) zu schließen. Die ständige Impfkommission (STIKO) bezüglich der Thematik „Impfungen in der Schwangerschaft" fest: „Nicht dringend indizierte Impfun- gen sollten während der Schwangerschaft nicht durchge- führt werden. Dies gilt vor allem für Impfungen mit Lebendimpfstoffen gegen Gelbfieber, Masern, Mumps, Rö-

teln und Varizellen". Dennoch kann es notwendig sein wäh- rend der Schwangerschaft zu impfen.

Hierzu gehören eventuell die Auffrischung von Routi- neimpfungen bzw. Indikationsimpfungen (Tetanus, Diph- therie, Influenza, Pneumokokken), die postexpositionelle Impfung (Tollwut, Tetanus, Hepatitis B, Varizellen, Masern),

ggf. Reiseimpfungen (Hepatitis A, Hepatitis B, Typhus, Gelbfieber, Japanische Encephalitis, Tollwut) oder Impfun-

gen bei arbeitsmedizinzischer Indikation (Hepatitis B, In- fluenza, Tollwut).

 

Tabelle 1 gibt die amerikanischen Empfehlungen der CDC

zur Verwendung von Totimpfstoffen während der Schwan- gerschaft wieder.

Schwangerschaft zusammen.

Die Rationale für die Empfehlung der Influenza-Impfung

während der Schwangerschaft ist das Fehlen von uner- wünschten Nebenwirkungen sowie der schwere Verlauf der Influenza in der Schwangerschaft und der potentielle, post- natale Schutz durch die Impfung für das Kind.

 

Folgende Todimpfstoffe können nach sorgfältiger Abwä- gung eventuell während der Schwangerschaft gegeben

werden:

1.HepatitisA: Die Sicherheit in der Schwangerschaft ist bis-

lang nicht hinreichend untersucht, das Risiko jedoch „theo- retisch sehr niedrig".

2.Poliomyelitis-Impfung: Bislang sind keine unerwünsch-

ten Wirkungen bei Schwangeren oder Neugeborenen auf- getreten, aber „theoretisch denkbar".

3.Pneumokokken: Auch hier sind bislang bei der verse- hentlichen Impfung in der Frühschwangerschaft keine un- erwünschten Wirkungen aufgetreten; dennoch ist aus grundsätzlichen Erwägungen heraus Vorsicht während der Impfung im ersten Trimenon geboten.

 

Lebendimpfungen sind grundsätzlich kontraindiziert wäh-

rend der Schwangerschaft; eine möglicheAlternative ist die passive Immunisierung (sofern verfügbar) mit Hyperimm- unglobulin oder mit polyspezifischem Immunglobulin.

 

Tabelle 2 fast die Zusammenhänge einer versehentlichen Rötelnimpfung während der (noch nicht bekannten)

Tabelle 3 gibt die Datenlage nach einer versehentlichen Va-

rizellenimpfung in der Schangerschaft wieder.

 

Bezüglich der Indikationsimpfungen mit einem Lebend-

impfstoff in der Schwangerschaft ist die Gelbfieber-Impfung herauszuheben. Bei der Gelbfieber-Erkrankung handelt es

sich um eine Erkrankung mit biphasigem Verlauf und ca.

200. 000 Fällen pro Jahr. Aktuelle Ausbrüche wurden aus

Guinea, dem Sudan, Mali und der Elfenbeinküste gemel-

det. Wegen der hohen Sterblichkeit (bis zu 50 %) müssen

Reisende in Endemiegebiete konsequent geimpft werden.

Kleinere, tetrospektive Studien aus Brasilien, Trinidad und

Europa mit retrospektivem Design konnten Hinweise dafür

geben, dass nach der Gelbfieber-Impfung in der Schwan-

gerschaft keine erhöhte Fehlbildungsrate gegenüber der Normalbevölkerung auftrat.

 

Mangement vor der Schwangerschaft: Totimpfungen kön-

nen ohne zeitliche Einschränkung auch vor einer Schwan-

gerschaft verwendet werden. Nach Lebendimpfungen

sollte vier Wochen lang eine Schwangerschaft verhütet

werden. Diese Empfehlung ist vor allem dem Fehlen von

Studien geschuldet und weniger der Tatsache, dass bei- spielsweise eine Rötelnimpfung bei unbekannter Schwan-

gerschaft zu einer Rötelnembryopathie durch den Impfstoff

führen könnte (Tabelle 2). Liegt vor der Schwangerschaft

ein Röteln-Titer von 1:8 oder 1:16 im HHT-HAH-Test vor,

so sollten maximal zwei Rötelnimpfungen durchgeführt

werden. Wenn bereits zwei Impfungen dokumentiert sind,

aber Zweifel an der Korrektheit der Impfung bestehen,

sollte noch einmal mit Titer-Kontrolle nachgeimpft werden.

Wenn sich auf eine korrekte Impfung kein Titer-Anstieg ein-

11



stellt, ist dieses der Beweis für Immunität. In jedem Falle

ist es also anzustreben, vor einer Schwangerschaft den Impfschutz zu vervollständigen. Eine Titer-Kontrolle ist nur

in Ausnahmefällen angezeigt. Gegen Impftiter-Kontrollen sprechen deren Verwendbarkeit als „Surrogatmarker für Immunreaktion", jedoch nicht „Protektion". Darüber hinaus sind die Testverfahren sind oftmals nicht standardisiert. Zusammenfassend ist es in jedem Fall besser, einer Imp-

fung von Schwangeren die vollständige Immunisierung vor

der Schwangerschaft und die Impfprävention von Angehö- rigen und medizinischen Mitarbeitern vorzuziehen.

Herzlichen Dank an Frau Prof. Dr. Gartner, Homburg/Saar.

sowie dem voraussichtlichen Ausmaß des Kontaktes zur

einheimischen Bevölkerung und zur lokalen Umwelt. Zu- sätzlich sind das Alter des Reisenden und seine mögli- cherweise besonderen Risiken zu beachten.

Reiseimpfungen

F. v. Sonnenburg

Stellv. Abteilungsleiter des Instiuts für Infektions- und Tropenmedizin, Ludwig-Maximilians-Universität, München Mitglied der Ständigen Impfkommission am RKI

 

Reiseassoziierte Gesundheitsrisiken können durch Imp- fungen z.T. verhindert oder reduziert werden. Reisemedi- zinische Impfungen können in vorgeschriebene, generell empfehlenswerte Standardimpfungen, für Reisende häufig empfehlenswerte Impfungen und Impfungen mit spezieller Indikation unterschieden werden.

Vorgeschriebene Impfungen:

Die Gelbfieberimpfung ist momentan noch die einzige Imp-

fung, die derzeit in bestimmten Ländern vorgeschrieben

wird. Der Nachweis einer gültigen Impfung (nicht älter als

10 Jahre und mindestens 10 Tage vor Einreise) kann bei Einreise verlangt werden (Gelbfiebergebiete in Afrika und Südamerika). Saudi Arabien verlangt bereits seit einigen Jahren eine gültige Impfung gegen Meningokokken-Me- ningitisA/C bei Einreise von Mekkapilgern. Wegen der Wie- derverbreitung der Polio vor allem durch Reisende empfiehlt die WHO einen vollständigen Polioimpfschutz bei

allen Reisenden von und in Länder mit noch existierenden

Polioherden.

Generell empfehlenswerte Impfungen:

Standardimpfungen, die anläßlich jeder reisemedizinischen Beratung angesprochen und ggf. aufgefrischt werden soll-

ten (letzte Impfung mehr als 10 Jahre zurück) betreffen Impfungen gegen Tetanus und Diphtherie sowie gegen Po- liomyelitis bei Reisen in Endemiegebiete. Für die Polio- impfung wird heute der parenterale Totimpfstoff (IPV)

angewandt.

Für Reisende häufig empfehlenswerte Impfungen:

Ein Schutz vor Hepatitis A ist für alle nicht-immunen Rei- senden in Länder mit hoher Inzidenz (d.h. alle Entwick- lungsländer) empfehlenswert. Die aktive Immunisierung mit Totimpfstoffen hat heute die passive Immunisierung mit Standardimmunglobulin ersetzt. Die Impfung gegen Hepa-

titis B ist insbesondere indiziert für Reisende in Regionen

mit hoher Hepatitis-B-Prävalenz bei längerfristigem bzw. häufigeremAufenthalt oder bei zu erwartenden engen Kon- takten zur einheimischen Bevölkerung. Darüber hinaus

sollte die Impfung nach ihrer Einführung in den Impfkalen-

der für Kinder und Jugendliche bei jeder Reiseimpfbera-

tung auch als generell empfehlenswerte Impfung für Erwachsene angesprochen werden. Eine Influenza-Imp-

fung bei Reisenden in die Tropen und Sub-Tropen ist ge- nerell    zu    erwägen.    Eine    Impfung    gegen    Typhus abdominalis kann bei Reisen unter einfachen Bedingungen

in Länder mit unzureichendem Hygienestandard erwogen

werden.

Impfungen mit spezieller Indikation:

Impfungen gegen Meningokokken-Menigitis, Japanische Enzephalitis, Tollwut, FSME, Influenza und Pneumokok- keninfektion sind bei erhöhtem Risiko bzw. besonderer Ex- position indiziert. Die Indikation richtet sich nach dem Reisegebiet, dem Zweck und der Dauer des Aufenthaltes,

Workshop II

 

HPV Prävention und Status

A. Schneider, A.M. Kaufmann

Charité-Universitätsmedizin, Berlin

 

Die generelle und ursächliche Assoziation von Infektionen

mit bestimmten humanen Papillomviren (HPV) und der Ent- wicklung von Genitalwarzen, Zervixkarzinomen und weite-

ren     Karzinomen     des    Anogenitalbereichs     und     im Oropharynxbereich hat zur Entwicklung von Vakzinen ge- führt. Über 80% der Bevölkerung zeigen serologische oder virologische Anzeichen von HPV Infektionen und assozi-

ierte Erkrankungen entwickeln sich bei 1-10% der Infizier-

ten. Zur Verhinderung der primären HPV Infektion wurden prophylaktische Vakzine entwickelt und in Europa zwei Prä- parate im Oktober 2006 und 2007 zugelassen. Die STIKO

hat eine Impfempfehlung für 12-17 jährige Mädchen zur Verhinderung des Zervixkarzinoms am 23.3.2007 veröf- fentlicht und der GBA hat die Finanzierung der Impfung be- schlossen. Die Vakzine beruht auf den rekombinant hergestellten leeren Virushüllen derjenigen HPV Typen, die

die höchste Krankheitslast verursachen.

In gross angelegten Phase II und III Studien wurde die her- vorragende Sicherheit und Immunogenität der beiden Impf- stoffe (quadrivalenter Impfstoff Gardasil und bivalenter Impfstoff Cervarix) belegt. Diese Sicherheitsdaten wurden inzwischen in den Anwendungsbeobachtungen überzeu- gend bestätigt. Bei 100% Serokonversion bleiben die in- duzierten Antikörpertiter 1 bis 11 fach über jenen nach natürlicher Infektion. Beide Impfstoffe zeigen über einen Zeitraum von jeweils 5 bzw. 6,4 Jahren eine bis zu 100% Effektivität in der Verhinderung anhaltender HPV Infektio-

nen und hochgradiger präkanzeröser Vorstufen des Zer- vixkarzinoms. Sogar in einer HPV nicht-naiven Population beträgt die initiale Wirksamkeit nach 3 Jahren bereits 44%

in der Verhinderung von zervikalen Dysplasien und 27% unter Berücksichtigung aller möglicher HPV Typen.

Trotz der ursprünglichen Unkenntnis der HPV Infektion und

ihrer möglichen Konsequenzen in der Bevölkerung wurde innerhalb der ersten 2 Jahre eine Durchimpfungsrate von

50% (Berlin) bis 70% (Mecklenburg-Vorpommern) erreicht.

Dies ist einer sehr umfangreichen Kampagne medizinisch- wissenschaftlicher Institutionen (z.B. Erstellung einer S3 Leitlinie zur Impfung) sowie der Impfstoffhersteller ge- schuldet. Während Deutschland damit einen positiven

Trend setzte, haben andere europäische Länder weniger umfangreiche und erfolgreiche Programme initiiert. Eine Abstimmung der Einführungsprogramme der HPV-Impfung

hat bisher nicht stattgefunden.

Unter den Voraussetzungen eines lebenslangen Schutzes

und einer hohen (>80%) Durchimpfungsrate (der Mäd- chen), kann die Impfung bezogen auf Krankheitskosten

durch Zervixkarzinom kosteneffizient sein, trotz der hohen Impfstoffkosten. Die Bilanz wird günstiger unter Einbezie- hung der Kosten durch Verhinderung, Abklärung und The- rapie der Krebsvorstufen. Nicht beziffert werden kann die physische und psychische Belastung der betroffenen Frauen. Die HPV Impfung muss als eine langfristige ge- sundheitsökonomische Zukunftsinvestition betrachtet wer-

den, da die Krankheitsentwicklung mit einem Zeitverzug

von 10-30 Jahren eintritt.

12



Impfungen in der Arbeitswelt, Arbeitsverträge,

Arbeitgeberpflichten

S. Letzel

Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der

Johannes Gutenberg-Universität, Mainz

 

Generell ist der Arbeitgeber im Rahmen seiner Fürsorge- pflicht für die Beschäftigten verpflichtet die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung

der jeweiligen Umstände zu treffen, die Sicherheit und Ge- sundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen (§ 3Arbeitsschutzgesetz). Nach demArbeitssicherheitsgesetz (ASiG) hat der Arbeitgeber Betriebsärzte und Fachkräfte fürArbeitssicherheit zu bestellen (§§ 1 und 2ASiG). Zu den Aufgaben der Betriebsärzte zählen u. a. den Arbeitgeber beim Arbeitsschutz und bei der Unfallverhütung in Fragen

des Gesundheitsschutzes zu unterstützen, sie haben die Arbeitnehmer zu untersuchen, arbeitsmedizinisch zu beur- teilen und zu beraten sowie Maßnahmen der Verhaltens-

und Verhältnisprävention durchzuführen. Impfungen durch Betriebsärzte im betrieblichen Kontext sind auch in der Bio- stoffverordnung (BioStoffV) verankert (z. B. §§ 15 und 15a BioStoffV). Somit zählen arbeitsplatzbezogene Schutzimp- fungen zu den originären präventiv Aufgaben von Be-

triebsärzten.

 

Eine Indikation zur Impfung amArbeitsplatz kann u. a. unter folgenden Umständen bestehen:

•. Bei einem tätigkeitsbezogenem Infektionsrisiko

•. Aufgrund eines situativ erhöhtem Infektionsrisikos

.· Als Präventivimpfung zur Senkung innerbetrieblicher

Infektionsrisiken

 

Wird im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ein tätig- keitsbezogenes, impfpräventables Infektionsrisiko festge- stellt, hat derArbeitgeber entsprechende Schutzimpfungen

anzubieten.

 

Bei einem beruflich bedingtenAuslandsaufenthalt einesAr- beitnehmers mit situativ erhöhtem, länderbezogenem In- fektionsrisko, kann und wird der an der Gesundheit seiner Beschäftigten interessierteArbeitgeber notwendige Schutz- impfungen anbieten, ist dazu aber nicht verpflichtet .

 

Impfungen zur Senkung innerbetrieblicher Infektionsrisiken

(z. B. Influenza) stellen weder ein tätigkeitsbezogenes noch

ein situatives Risiko dar, dienen jedoch nachweislich der Reduktion der betrieblichen Erkrankungszahlen und sind

daher sowohl im Interesse derArbeitgeber als auch derAr- beitnehmer. Diese Impfungen können vomArbeitgeber an- geboten werden, eine Verpflichtung hierzu besteht jedoch

nicht.

 

Im Rahmen der freien Arztwahl muss der Beschäftigte die Impfung nicht durch den Betriebsarzt vornehmen lassen, derArbeitgeber kann jedoch die Kostenübernahme der von

ihm angebotenen Impfung ablehnen, wenn sich der Mitar- beiter von einem anderen Arzt impfen lässt.

Poster

 

Allgemeine Konzepte zum Thema Impfen

(auch Erlebnisparcour)

 

PS1

„Immun ist stark" - Ein Pilotprojekt zur

Förderung des Impfgedankens in Schulen Mecklenburg-Vorpommern (M-V)

M. Littmann , Chr. Hülße , S. Ley-Köllstadt

1

1

2

3

Gesundheit, Landesamt für Gesundheit und Soziales M-V,

2Präventionsausschuss, Ärztekammer M-V, Rostock;Rostock;

3

Deutsches Grünes Kreuz e. V., Marburg

In M-V wurde im Zeitraum von Februar bis Juli 2008 das Pi-

lotprojekt „Immun ist stark" unter der Leitung des Präventi- onsausschusses     der     Ärztekammer     M-V     und     in Zusammenarbeit mit den Ministerien für Soziales und Ge- sundheit sowie für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes    M-V,    dem    Öffentlichen    Gesundheitsdienst (LAGuS), den Landesverbänden der Haus- und Kinder-

ärzte sowie der Gynäkologen, der Gesellschaft für Immu- nologie, Schutzimpfungen und Reisemedizin e.V. M-V und

dem Deutschen Grünem Kreuz e. V. durchgeführt.

 

Dieses erstmalig in einem gesamten Bundesland durchge- führte Präventionsprojekt hatte das Ziel, alle Schüler der Klassenstufen 5 bis 10 und deren Biologielehrer über das Thema Infektionskrankheiten und Schutzimpfungen aufzu- klären und die Schüler anzuregen, auf kreative und spiele- rische Art ihr Wissen und ihr Interesse auf diesem Gebiet

zu erweitern und dabei ihren eigenen Impfstatus und den

ihrer Freunde und Familien zu verbessern.

 

Grundlage dafür waren die vom DGK erarbeiteten um- fangreichen altersgerechten Informationsmaterialien zum Thema Infektionskrankheiten und Impfen in Form von The- menheften und Unterrichtsmaterialien, Aktionsleitfäden für Schüler und Lehrer, Arbeitsblättern, Comics oder Power- pointpräsentationen. Diese Materialien wurden flächen- deckend an 217 Schulen in M-V auf CD`s und in Papierform verteilt.

 

Im Rahmen dieses Impfprojektes wurden alle Schüler auf- gefordert, das Thema Prävention durch Impfen mit eigenen kreativen Ideen unter dem Motto „Schüler informieren Schüler über Schutzimpfungen" darzustellen. Die 10 be-

sten Ideen in Form von Songs, Talkshows, Filmen, Postern, Collagen u. a. Aktivitäten wurden prämiert.

 

Im Rahmen einer Evaluierung des Projektes erfolgte eine Befragung von Schülern und Lehrern aus 11 ausgewähl-

ten Schulen.

 

Das Ergebnis zeigte, dass das Projekt von den Beteiligten

als gut bis sehr gut eingeschätzt wurde und eine sehr gute fachliche Ergänzung des Biologieunterrichtes darstellt. Die

zur Verfügung gestellten Materialien wurden gut ange- nommen. Ein Großteil der Beteiligten gab an, durch das Projekt zur Überprüfung ihres eigenen Impfstatus angeregt worden zu sein.

 

Somit konnte das Projekt dazu beitragen, das Wissen auf

dem Gebiet des Impfwesens bei den Schülern und Lehrern

zu verbessern und zu vertiefen.

 

Die Schulen gaben an, die zur Verfügung gestellten Mate- rialien sehr gerne auch weiterhin im Biologieunterricht zu

verwenden.

13



PS2

Schließung von Impflücken in Schulen als aufsu-

chende Maßnahme der Gesundheitsämter in

Sachsen-Anhalt

 

M. Borrmann 1, H. Oppermann 1, U. Mangold 2, I. Hörhold 3, E.

Henschke 4, Chr. Schmidt 4, C. Hesse 5, G. Braune 6, K. Junge , F. Rebmann 6, S. Koerth-Bauer  7, F. Wagner  8, B.Achilles  9, E. Jünger , A. Muchow 10, E. Födisch  10, H. Leonhardt 11, H. Mikuta  11, I. Groffik-

 

Hain 11, J. Valenthin 12, S. Kaynak  13, W. Laskowski13

6

9

1

 

2

Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt, Magdeburg;

Gesundheitsamt Altmarkkreis Salzwedel, Salzwedel; 3Gesund-

PS3

Impfstrategien für Gefängnisinsassen Gefängnisaufenthalt als Chance für verbesserten

Impfschutz

M. Lehmann 1, M. Pulz2

1

Fachbereich Medizin undArbeitsmedizin, Jugendanstalt Hameln,

Hameln; 2Niedersächsisches Landesgesundheitsamt, Hannover

 

Gefangene sind Bestandteil der Gesellschaft, kommen aus dieser und kehren in diese zurück. In Deutschland befin-

den sich aktuell ca. 90000 Menschen in Haft. Etwa 10 %

sind im Jugendvollzug, 5 % weiblich. In dieser Personen- gruppe konzentrieren sich Risikofaktoren für Infektionen mit impfpräventablen Erkrankungen. Darüber hinaus sind Ge- fängnisse häufig große Gemeinschaftseinrichtungen mit engen Kontakten. Die Haftsituation bietet den Insassen ein- fachen Zugang zu medizinischer Versorgung. Zugang zu Patienten, die sonst nur selten Kontakt zum Gesundheits- system pflegen wird möglich. Dies gilt es besonders für Impfmaßnahmen zu nutzen.

 

Die medizinische Versorgung in Haftanstalten erfolgt nach geltenden Standards der Konventionen des Europäisches Komitee zur Verhütung von Folter und unmenschlicher

oder erniedrigender Behandlung oder Strafe (CPT), der Deutschland beigetreten ist und den Regelungen der Straf- vollzugsgesetze der Länder, die präventivmedizinische Maßnahmen einschließlich Impfungen umfassen. Die all- gemein anerkannten Regeln (unter anderem Aufklärungs- pflicht) für erforderliche Schutzimpfungen gelten ebenso

wie die grundsätzliche Freiwilligkeit von Impfungen. Die Qualität der medizinischen Versorgung in Haft muss gleich- wertig zur Versorgung im Land sein.

Für die Jugendanstalt Hameln haben wir ein Impfprogramm entwickelt, das diese Anforderungen erfüllen soll:

Bei jeder Aufnahmeuntersuchung wird der Schutz vor Te- tanus und Diphtherie überprüft. Fehlende Impfungen wer-

den sofort nachgeholt.

Nach Ausschluss einer akuten Hepatitis erfolgt eine flä- chendeckende Hepatitis B Impfung im kürzesten vorgese- henen Schema. Die STIKO Empfehlungen für die Hepatitis

B Impfung nennen „längerfristigen Gefängnisaufenthalt" als Indikation, ohne diesen näher zu spezifizieren. Risikover- halten im Hinblick auf blutübertragbare Erkrankungen er-

folgt jedoch besonders häufig in der ersten Phase der Haft

bei Drogenentzug. Mit diesem Impfangebot lassen sich Aufklärungsmaßnahmen beispielsweise für Hepatitis und

HIV besonders gut verbinden.

Bei bestehender Infektion mit Hepatitis C gehört eine He-

patitis A-B Impfung bei den häufig intravenös Abhängigen

zur angemessenen Versorgung. Bei Vorliegen einer HIV In- fektion zählt eine Vervollständigung der empfohlenen Imp- fungen einschließlich der gegen Pneumokokken zu den erforderlichen Maßnahmen.Auch eine indikationsgerechte Grippeprophylaxe ist anzustreben. Grundsätzlich sind auch

alle anderen öffentlich empfohlenen Impfungen im Vollzug durchzuführen. Im Rahmen des Programms zur Maserne- limination werden fehlende Impfungen ergänzt.

Umfangreiche Impfprogramme verschlingen große Bud- getanteile, die in vielen Bereichen nicht in den Haushalt- planungen         abgebildet         sind,         hier         besteht Nachbesserungsbedarf. Demgegenüber bieten die Neure- gelungen der Strafvollzugsgesetzgebung nach der Föde- ralismusreform       Chancen       für       Ausweitung       von Präventionsmaßnahmen, die genutzt werden sollten.

heitsamt LandkreisAnhalt Bitterfeld, Zerbst/Anhalt; 4Gesundheits-

amt     Landkreis     Börde,     Oschersleben;     5Gesundheitsamt Dessau-Roßlau, Dessau-Roßlau; 6Gesundheitsamt Landkreis Harz, Halberstadt; 7Gesundheitsamt Landkreis Jerichower Land, Burg; 8Gesundheitsamt Magdeburg, Magdeburg; 9Gesundheitsamt Landkreis Mansfeld Südharz, Sangerhausen; 10Gesundheitsamt Landkreis Saalekreis, Merseburg; 11Gesundheitsamt Landkreis Salzlandkreis, Bernburg; 12Gesundheitsamt Landkreis Stendal, Stendal; 13Gesundheitsamt Landkreis Wittenberg, Wittenberg

 

Fragestellung: Auf der Grundlage der §§ 2 und 4 des ÖGD-Gesetzes Sachsen-Anhalt kann der öffentliche Ge- sundheitsdienst bei Bedarf die gesundheitliche Versorgung

der Bevölkerung ergänzen und selbst Impfungen durch- führen. Das Land Sachsen-Anhalt stellt den Gesundheits- ämtern dafür seit 2004 Impfstoff zur Verfügung mit dem

Ziel, jährliche Aktionen einer aufsuchenden und gezielten Schließung von Impflücken in Schulen zu unterstützen. Methode: Die Auswahl der Zielgruppe sowie die Organi- sation und Durchführung derAktionen vor Ort erfolgt durch

die Gesundheitsämter. Das Landesamt für Verbraucher- schutz als Landesfachbehörde des ÖGD schafft die Vor- aussetzungen für eine einheitliche Evaluation derAktionen,

fasst die von den Gesundheitsämtern erhobenen Daten

des Impfstatus und der durchgeführten Impfungen zusam-

men und wertet sie aus. Die Erfassung und Dokumentation

des Impfstatus erfolgt grundsätzlich vor einer eventuellen Impfung und umfasst den kompletten altersgerechten Impf- status. Geimpft wird gegen Masern, Mumps, Röteln (MMR), Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Poliomyelitis, He-

patitis B und Humane Papillomaviren (HPV).

Ergebnisse: An den Impfaktionen 2007/2008 beteiligten

sich 21 der insgesamt 24 Landkreise/ Kreisfreien Städte (nach Kreisgebietsreform 12 von 14 Gesundheitsämter). Eingeladen wurden 12820 Schülerinnen und Schüler in

allen Schulformen: Grundschulen, Sekundarschulen, Gym- nasien,        Förderschulen,        Berufsschulen.        65,5% (8381/12820) der Eingeladenen legten ihren Impfausweis

zur Kontrolle vor. Dabei zeigten sich gravierende Impflük-

ken unabhängig von der Schulform insbesondere bei den Auffrischimpfungen. 28,5% (3657/ 12620) der Schülerin-

nen und Schüler brachten zusätzlich zum Impfausweis eine unterschriebene Einverständniserklärung der Eltern mit, die

von den Gesundheitsämtern als Voraussetzung für Imp- fungen vor Ort gefordert wurde. Insgesamt wurden 2247 Impfungen durchgeführt: 243 MMR-Impfungen, 934 TdIP- VaP-Impfungen, 22 TdIPV-Impfungen, 231 TdaP-Impfun-

gen,     19     Td-Impfungen,     95     IPV-Impfungen,     573 HepB-Impfungen und 130 HPV-Impfungen. Schlussfolgerung: Aufsuchende Impfaktionen der Ge- sundheitsämter vor Ort im Setting Schule haben sich als effektives Instrument zur Datengewinnung, zur Förderung

von Impfungen sowie zur kompensatorischen Impflücken- schließung bewährt und sollten weiterhin unterstützt und gefördert werden. Sie sind ein unverzichtbarer Bestandteil

der Aufgaben des Öffentlichen Gesundheitsdienstes.

14



PS4

Dem Paragraphen 20d SGB V Leben geben: Erfahrungen im Freistaat Sachsen

W. Sydow1

1

Sächsisches Staatsministerium für Soziales, Dresden

Fragestellung:

Gemäß § 20d SGB V erstatten die gesetzlichen Kranken- kassen den Gesundheitsämtern Sachkosten für Impfun-

gen nach Schutzimpfungsrichtlinie. Wie wird das im Freistaat Sachsen umgesetzt?

Projektbeschreibung:

In den Gesundheitsämtern erfolgte bis zum Jahr 2007 die Dokumentation von Schutzimpfungen mit Datum, Bezeich-

nung und Charge des Impfstoffs, sowie Angabe des imp- fenden Arztes.

Für die Abrechnung von Schutzimpfungen gegenüber den gesetzlichen Krankenkassen sind andere und detailliertere Daten erforderlich, wie sie von der ambulanten medizini- schen Versorgung vorgelegt werden:

Als aufwändig und kompliziert für die Gesundheitsämter er- weisen sich hierbei insbesondere die

- neunstellige Versichertennummer

- vollständige Bezeichnung der Krankenkasse

- Erstattungsbetrag für den Impfstoff.

Zielsetzung:

Ziel sind Bedingungen für die Gesundheitsämter, mit ver- tretbarem personellemAufwand die für dieAbrechnung ge- genüber den gesetzlichen Krankenkassen erforderlichen Daten erfassen zu können. Dies ist Voraussetzung, dass

die gesetzlichen Krankenkassen den Gesundheitsämter Sachkosten für durchgeführte Impfungen nach Schutzimp- fungsrichtlinie erstatten.

Themen:

 

• Die Koordinierung von allgemeinen Maßnahmen zur Er- höhung der Durchimpfungsrate der Allgemeinbevölkerung

 

• Erstellung gemeinsamer Aufklärungsmaterialien (Flyer,

Plakate, Homepage)

 

• Durchführung gezielter Einzelaktionen.

 

•für Erwachsenen (zum Beispiel im Bezug zu

Freizeitsport, oder am Arbeitsplatz)

 

•für Kinder und Jugendliche

 

Die Arbeitsgemeinschaft tagt in der Regel ein bis zwei Mal jährlich, um Fragen rund um das Thema Impfschutz und Impfstrategien zu diskutieren und gemeinsame Impfaktio-

nen für die rheinlandpfälzische Bevölkerung vorzubereiten

und durchzuführen. Die Projektarbeit erfolgt in Unterar-

beitsgruppen.

 

Zielsetzung:

Kurze und schnelle Informationswege zwischen den auf Landesebene am Impfen beteiligten Kreisen schaffen. Bündelung von personellen Kapazitäten und finanziellen

Ressourcen.

Koordiniertes Vorgehen und Aufbau einer gemeinsamen Impfstrategie für das Land.

Erreichen einer hohe Akzeptanz von Impfförderungsaktio-

nen in den verschiedenen für das Impfen zuständigen Or-

ganisationen.
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ama

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Abstract 1. Nationale Impf-Tagung 2009
« Reply #3 on: March 08, 2009, 07:51:17 AM »

PS5

Impfkommission Rheinland-Pfalz. Eine Arbeitsgemeinschaft zur Förderung und

Koordination des Impfwesens auf Landesebene

M. L. Ternes1

1

Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung, Koblenz

Strategien zur Anhebung von Impfquoten

insbesondere zum Thema

"Masern-Röteln-Endspurt"

 

PS6

Wie kann die Impfquote weiter angehoben

werden?

M. Ball1

1 Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin, Dr. med.

Gabriele Hild & Dr. med. Markus Ball, Heidelberg

 

Projektbeschreibung:

Idee des hier beschriebenen Projektes ist es, etwas Zu- sätzliches und Neues zur Anhebung der Impfquote in Kin- derarztpraxen zu tun. Mit einer Plakataktion in den Praxen

soll anerkanntes medizinisches Wissen in Form einfacher Kernaussagen, in für Laien verständlicher Formulierung

und in für Eltern wie Kinder gleichermaßen ansprechen-

dem, illustrativem Stil, an die Familien weitergegeben wer-

den.

 

Es ist vorgesehen, acht Plakate in vierteljährlichen Ab- ständen der monatlich erscheinenden Zeitschrift des Be- rufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte dem "Kinder

-und Jugendarzt", mit einer Druckauflage von ca. 11 000, beizulegen. Hiermit wird jedem Kollegen bundesweit die Möglichkeit gegeben, sie in seiner Praxis aufzuhängen.

 

Die Kosten für dieses Projekt belaufen sich auf ca. 26 000

€. Hierin sind enthalten die Kosten für Design, Druck, Druckversand, Einlegen und Mehrgewichtsporto. Es wer-

den Sponsoren gesucht, die diese Idee unterstützen möch-

ten.

 

Die Entwürfe für die acht Plakate können bei der 1. Natio- nalen Impfkonferenz in Mainz 5. -7. März 2009 als Poster eingesehen werden.

Fragestellung:

Zum Erreichen einer erfolgreichen und nachhaltigen Impf- strategie, müssen zahlreiche Partner zusammen arbeiten.

Wie kann die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure gefördert werden. Welchen Nutzen bringt das gemeinsame Potential für die Impfraten in der Bevölkerung?

Methode:

Um den zahlreichen Akteuren beim Thema Impfen eine Plattform zur Zusammenarbeit auf Landesebene zu schaf-

fen, wurde bereits 1995 auf Initiative des rheinland-pfälzi- schen Gesundheitsministeriums eine „Arbeitsgemeinschaft

zur Koordinierung und Förderung des Impfwesens" ins Leben gerufen, die seit dem Jahre 2005 als „Impfkommis-

sion Rheinland-Pfalz" firmiert. In dem Gremium engagie-

ren sich Vertreterinnen und Vertreter der gesetzlichen und privaten Krankenkassen, der Landesapotheker- und Lan- desärztekammer, der Universitätskliniken, verschiedener Berufsverbände der Ärzteschaft, der Landeszentrale für Gesundheitsförderung Rheinland-Pfalz, des Landessport- bundes, des Landkreistages Rheinland-Pfalz und der kom- munalen Gesundheitsämter, des Gesundheitsministeriums

und weiterer mit dem Thema Impfen befasster Landesbe- hörden (Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung; Landesuntersuchungsamt; Landesamt für Umwelt, Was- serwirtschaft und Gewerbeaufsicht).

15



Zielsetzung:

Mehr Familien erreichen mit Information zu Impfungen

durch eine neue Form der Ansprache und in Folge Steige-

rung der Impfquote.

PS7

Steigerung der Durchimpfungsraten bei Kindern

und Jugendlichen: das Essener Modell

H. Roggendorf1

1 Kinder-und Jugendgesundheitsdienst, Gesundheitsamt Essen,

Essen

 

Fragestellung: Kann die Durchimpfungsrate bei Kindern

und     Jugendlichen durch Interventionsprogramme d.h

durch Kontrolle der Impfbücher und einer schriftlichen, in- dividuellen Impfberatung verbessert werden?

Material und Methoden: Im Jahr 2001 wurde an allen wei- terführenden Schulen im Stadtgebiet von Essen anhand

der Impfbücher eine Erhebung der Durchimpfungsraten bei Schülern des 7. Jahrgangs (n=5589) durchgeführt. Nach

der Kontrolle der Impfbücher wurde den Eltern eine schrift- liche, individuelle Impfempfehlung gegeben und aufgefor-

dert die noch fehlenden Impfungen beim Kinder -und Jugendarzt durchführen zulassen. Außerdem wird seit 2007 den Schulen ein Impfunterricht durch Medizinstuden-

ten angeboten. Eine Kontrolle der Durchimpfungsraten an-

hand der Impfbücher erfolgte      6 Monate nach der

Elterninformation.

Eine Impfberatung wird in Essen bei Kindergartenauf- nahme(3jährige) und im Rahmen der Schuleingangsunter- suchung nach obigem Muster durchgeführt.

Ergebnisse: Bei der ersten Kontrolle der Impfbücher der 7.Klassen verfügten nur 15% über einen altersentspre- chenden kompletten Impfschutz. Bei 16 % fehlte die Td und

bei 17% die PolioAuffrischimpfung. 57% hatten noch keine 2.MMR Impfung und bei 76 % fehlte ein adäquater Impf- schutz gegen Hepatitis B. Im Vergleich zur Kontrollgruppe-

ohne individuelle Impfberatung- konnte die Impfrate z. B für Hepatitis B bzw. MMR um jeweils 16% gesteigert werden. Insgesamt stieg von 2001 bis 2007 in dieser Altersgruppe

die Impfrate für MMR von 43% auf 88% und bei Hep.B von

24% auf 75%.Auch der Impfstatus der Kindergartenkinder konnte von 2003 bis 2007 erheblich verbessert werden.

Im Jahr 2003 (n= 5230) hatten nur 61% der Kinder einen altersentsprechenden, kompletten Impfschutz während

dies im Jahr 2007 (n= 5097) bei 75% der Kindern der Fall

war. Die zweite MMR Impfung hatten 91% der Kinder er-

halten.

Diskussion: Ein Interventionsprogramm mit einer schriftli-

chen, individuellen Impfberatung durch den Kinder- und Ju- gendgesundheitsdienst bei Kindergarteneintritt, bei der Schuleingangsuntersuchung sowie in den 7.Klassen konnte die Durchimpfungsraten bei Kindern- und Jugend- lichen in Essen signifikant verbessern .Impfberatungspro- gramme in Schulen sind wesentlich von der Kooperation

der Lehrer abhängig, was sich in der Impfbuchabgabefre- quenz (20%-100%!) zeigt.

Schlussfolgerungen: Impflücken lassen sich durch kon- sequente Information der Eltern zur Notwendigkeit der Imp- fungen schließen. Die stetige Steigerung der Impfraten bei Kindern- und Jugendlichen in der Stadt Essen zeigt, dass

eine wiederholte Erinnerung der Eltern an fällige Impfun-

gen ein wichtiger Baustein in der Prävention von Infekti- onskrankheiten ist. Die Interventionsprogramme sind ein

Grund dafür, dass bei der Masernepidemie NRW 2006 in Essen „nur" 39 Erkrankungen aufgetreten sind.

(Das Essener Modell zur Steigerung der Durchimpfungs-

raten wurde mit dem Prix ÖGD 2006 ausgezeichnet)

PS8

Ein Impferinnerungssystem (Impf-Recall) bei der Schuleingangsuntersuchung zur Verbesserung

der Durchimpfungsraten - Erfahrungen aus

einem Pilotprojekt an einem bayerischen Ge- sundheitsamt 2006/2007

 

L.Angermayr  1, M. Kudernatsch  2, H. Campe  1, U. Nennstiel-Ratzel  1,

M. Wildner 1, A. Zapf  1, R. Fischer  3, B. Liebl 3, G. F. Kerscher ,

A. Sing1

1 Bayerisches Landesamt für Gesundheit und

Lebensmittelsicherheit, Oberschleißheim; 2Gesundheitsamt, Land-

ratsamt Pfaffenhofen, Pfaffenhofen a. d. Ilm; 3Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, München

 

Fragestellung

Zur Verbesserung der Impfraten in Bayern, auch in Hinblick

auf das Ziel der Masern-Elimination, wurde vom Bayeri- schen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicher-

heit eine Pilotstudie initiiert.

Bei den Schuleingangsuntersuchungen für das Schuljahr 2006/2007 wurde mit Hilfe eines bayerischen Gesund- heitsamtes ein Impferinnerungssystem (sog. Impf-Recall) erprobt. Dieses Pilotprojekt wird in den folgenden Jahren schrittweise erweitert werden.

Material und Methoden

Anhand des Impfausweises wurden Impflücken für 8 STIKO-empfohlene Indikationen (Diphtherie, Tetanus, Per- tussis, Polio, Hepatitis B, Masern, Mumps, Röteln) erfasst. Diese wurden dokumentiert und die Eltern über die Wich- tigkeit der Schutzimpfungen aufgeklärt. Die Eltern konnten

an einem Recall teilnehmen, bei dem sie in zwei Stufen an

die Vervollständigung der Impfungen erinnert wurden. Die erste Erinnerung beinhaltet einenArztbrief, der über die El-

tern an den impfenden Arzt ausgegeben wird und den die Ärzte bei erfolgter Impfung an das jeweilige Gesundheits-

amt zurück senden. Der Rücklauf sowie die Impferfolge wurden dokumentiert. Gegebenenfalls wurden die Eltern in einer weiteren Stufe brieflich nochmals an die Schließung

der Impflücken erinnert.

Ergebnisse

Bei den Schuleingangsuntersuchungen für das Schuljahr 2006/2007 wurden 1049 Kinder eingeschlossen, bei denen insgesamt 360 (34,3%) Impflücken bestanden. Bei der Ma- sern-Impfung für sich genommen bestanden bei 182 Kin-

dern Impflücken (50 Kinder keine Masernimpfung und 132 Kinder nur 1. Masernimpfung).

Der Rücklauf in der ersten Stufe lag bei 33,7% (96/285), in

der zweiten Stufe bei 32,3% (61/189). Nach der ersten Re- call-Stufe wurden insgesamt 39 Masernimpfungen durch- geführt, nach der 2. Recall-Stufe 43. Die Impflücken der 1. Masernimpfung konnten damit in 14,0% geschlossen wer-

den, bei der 2. Masernimpfung in 56,8%. Damit konnten

die Maserndurchimpfungsraten bei der 1. Masernimpfung

um 0,66%, bei der 2. Impfung um 7,15% gesteigert wer-

den.

Diskussion

Das Schließen von Impflücken gelang bei bereits erfolgter

1. Masernimpfung wesentlich besser als bei Kindern, die noch gänzlich ohne Masernimpfung waren. Es ist zu ver- muten, dass Eltern, die grundsätzlich aufgeschlossen ge- genüber Impfungen sind, fehlende Impfungen eher nachholen lassen als impfskeptische oder impfkritische El-

tern von Kindern, bei denen noch keine Masernimpfung

vorliegt.

Ein Festhalten an dem zweistufigen Impf-Recall erscheint sinnvoll, da infolge der 2. Recall-Stufe ähnliche Erfolge er-

zielt wurden.

Schlussfolgerung

Der durchgeführte Impf-Recall hat sich bezüglich der Erhöhung der Durchimpfungsraten von Masern als wir- kungsvoll gezeigt. Er wurde bei den Schuleingangsunter-

3

16



suchungen für das Schuljahr 2007/2008 auf vier freiwillige

Gesundheitsämter ausgedehnt. In der weiteren Fortset-

zung sollen bei den Schuleingangsuntersuchungen für das Schuljahr 2009/2010 14 weitere Gesundheitsämter teil- nehmen. Es wurden, zusätzlich zu den bisher beteiligten Ämtern, solche Regionen ausgesucht, die bei den Schul- eingangsuntersuchungen zum Schuljahr 2006/2007 die niedrigsten Impfquoten bei der 1. Masernimpfung aufwie-

sen (77,5-86,7%).

PS9

Ein Impferinnerungssystem (Impf-Recall) bei der Schuleingangsuntersuchung zur Verbesserung

der Durchimpfungsraten - Problematik und Lö- sungsansätze aus einem Pilotprojekt an bayeri-

schen Gesundheitsämtern 2006-2008

 

L. Angermayr 1, H. Campe 1, U. Nennstiel-Ratzel 1, M. Wildner 1,

A. Zapf  1, R. Fischer  2, B. Liebl 2, G. F. Kerscher  2, A. Sing

1 Bayerisches Landesamt für Gesundheit und

Lebensmittelsicherheit, Oberschleißheim; 2Bayerisches

Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, München

 

Fragestellung

Ausweitung eines Impfrecall-Projektes auf weitere Land- kreise mit niedrigen Durchimpfungsraten in Bayern in Ko- operation von Bayerischem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und Bayerischem Staatsministerium

für Umwelt und Gesundheit.

Bei den Schuleingangsuntersuchungen für das Schuljahr 2006/2007 war mit Hilfe eines bayerischen Gesundheits- amtes ein Impferinnerungssystem (sog. Impf-Recall) mit er- mutigenden     Ergebnissen     erprobt     worden.     Dieses Pilotprojekt wurde im darauf folgenden Jahr mit vier Ge- sundheitsämtern fortgeführt.

Die Erfahrungen und Ergebnisse aus den vier teilnehmen-

den Ämtern sollten als Grundlage für Verbesserungen die-

nen. Im Folgenden soll auf Probleme und Lösungsansätze

bei der Durchführung eingegangen werden.

Material und Methoden

Bei allen untersuchten Kindern wurden mit Hilfe des Impf- ausweises Impflücken für 8 STIKO-empfohlene Indikatio-

nen (Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio, Hepatitis B, Masern, Mumps, Röteln) erfasst. Vorhandene Impflücken wurden dokumentiert. Die Eltern wurden über die Wichtig-

keit der Schutzimpfungen aufgeklärt. Bei bestehenden Impflücken konnten die Eltern am Recall teilnehmen, bei

dem sie in zwei Stufen an die Vervollständigung der Imp- fungen erinnert wurden. Die Erinnerung erfolgte mit Hilfe einesArztbriefes, der über die Eltern an den impfendenArzt ausgegeben wurde und den die Ärzte bei erfolgter Impfung

an das jeweilige Gesundheitsamt zurück sendeten. Der Rücklauf sowie die Impferfolge wurden dokumentiert. Bei fehlendem Rücklauf wurden die Eltern in einer weiteren

Stufe schriftlich nochmals an die Schließung der Impflük-

ken erinnert.

Ergebnisse

An den vier Gesundheitsämtern mit Impf-Recall wird auf unterschiedlicheArt vorgegangen. Die Unterschiede liegen

in der Art der Ansprache (telefonisch/schriftlich), Zahl der Recall-Stufen (zwei oder drei), Variation in der Zeit bis zur nächsten Recall-Stufe. Auch die Impfindikation (fehlende Auffrischungsimpfung/unvollständige Grundimmunisierung)

wird nicht bei allen Ämtern gleich gehandhabt. Die Doku- mentationen wurden händisch erstellt.Alle vier Ämter stell-

ten Daten zum Rücklauf zur Verfügung. Eines der Ämter konnte keine auswertbaren Daten über die erfolgten Imp- fungen zur Verfügung stellen.

Die Rücklaufquoten (Rücklauf von Eltern oder Rücklauf

der Arztbriefe) lagen in den verschiedenen Ämtern zwi- schen 67% (143/213) und 87% (267/306).

1

75% (9/12) der 1. Masernimpfungen wurden in der 1. Re-

call-Stufe durchgeführt und 68% (94/137) der 2. Masern- impfungen. Die zweite Recall-Stufe zog 25% bzw. 32% der Masernimpfungen nach sich.

Die Ämter begrüßten die Pilotstudie, beklagten aber einen hohen personellen Aufwand, der vor allem durch die Er- stellung der Erinnerungsbriefe, Dokumentation des Ver-

laufs und Auswertung verursacht wurde.

Diskussion

Zur Erleichterung der Durchführung und Datenerhebung an

den Gesundheitsämtern wurden für die weitereAusweitung des Impf-Recalls folgende Maßnahmen getroffen: Einar- beiten eines Recall-Moduls in die LGL-Software, Erstellung einer an alle teilnehmenden Ämter versendete Anleitung

zur Vorgehensweise und Datenübermittlung, Erstellung von Vordrucken für Elternbriefe und Arztbriefe.

Der Impf-Recall wurde von den Gesundheitsämtern als durchwegs sinnvoll angesehen. Dennoch ist vor allem der personelle Aufwand in den Gesundheitsämtern sehr groß. Wichtige Schritte zur Vereinheitlichung der Vorgehens- weise und zur Schaffung einer homogeneren Datengrund-

lage wurden in die Wege geleitet. Das zweistufige Recall-System soll beibehalten werden, da auch nach der zweiten Stufe Erfolge (25-32% der Masernimpfungen) sichtbar waren.

PS10

Gesundheitsziel: Erreichen eines altersgerechten

Impfstatus bei über 90 % der Bevölkerung in

Sachsen-Anhalt

M. Kolbe 1, H. Oppermann2

1 Landesvereinigung für Gesundheit Sachsen-Anhalt e.V.,

Magdeburg; 2Fachbereich Gesundheit, Hygiene, Epidemiologie,

Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt, Magdeburg

 

1998 wurde das Gesundheitsziel „Erreichen eines alters-

gerechten Impfstatus bei über 90 % der Bevölkerung" ins

Leben gerufen. Seit dem begleitet der Arbeitskreis Impfen

als interdisziplinärer und intersektoraler Zusammenschluss verschiedener landesweiter Akteurinnen und Akteure ge-

meinsam mit Impfstoffherstellern die Zielerreichung. Sechs

Teilziele untersetzen das Gesundheitsziel:

 

1. Erarbeitung einer Definition „altersgerechter Impfstatus"

und Implementierung derselben in Aus-, Fort- und Weiter-

bildung sowie bei allen beteiligten Fachdisziplinen.

 

2. Verbesserung der Datenlage und damit der

Aussagefähigkeit zur Impfsituation in Sachsen-Anhalt.

 

3. Verbesserung von strukturellen Rahmenbedingungen

für das Impfen.

 

4. Verbesserung von Aus-, Fort- und Weiterbildung

unterschiedlicher Berufsgruppen/Multiplikatoren

in Bezug auf das Impfen.

 

5. Erhöhung des Impfwissens durch Information und

Aufklärung der Bevölkerung

 

6. Verbesserung der Inanspruchnahme von Impfungen

in allen Altersgruppen.

 

Die mit qualitativen und quantitativenAspekten untersetzte Operationalisierung der Teil- und jährlichen Unterziele er-

möglicht die laufende Überprüfung des Zielerreichungs-

grades. Hierfür fördert der Arbeitskreis in Abstimmung mit

dem Ministerium für Gesundheit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt ein konzertiertes Vorgehen im Land. Mit

Hilfe von Modellprojekten werden „weiße Flecken" z.B. in

17



der Datenlage oder bei aufsuchenden Lösungen ge-

schlossen. Hierbei wird auf die Problem- und Bedarfslagen

in Institutionen und Landkreisen geachtet. Dafür wird u. a.

die Gesundheitsberichterstattung des Landes und des Bundes genutzt. Der Arbeitskreis Impfen versteht sich als Expertengremium, das die Landespolitik und gesellschaft- lichen Akteure, die mit dem Impfen befasst sind, berät und begleitet und sorgt auch dafür dass die Medien regelmä-

ßig fachkompetent informiert sind.

 

Folgende ausgewählte Ergebnisse belegen die Wirksam-

keit des methodischen Vorgehens zur Zielerreichung: Der altersgerechte Impfstatus wurde erstmals 1999 definiert

und wird seit dem regelmäßig den Stiko-Empfehlungen an- gepasst. U. a. durch die Schaffung gesetzlicher Grundla- gen, die Vereinheitlichung von Impfabrechnungskennziffern

und Erfassungssystemen beim Öffentlichen Gesundheits- dienst sowie verschiedene Modellprojekte liegen aussage- fähigere Daten als 1998 für einzuschulende Kinder, Schülerinnen und Schüler der 3. und 6. Klassen und der

10. Klassen sowie für Förderschüler sowie für Arbeitneh- merinnen und Arbeitnehmer und Seniorinnen und Senio-

ren in Sachsen-Anhalt vor. Bisher erwarben ca. 2.500 Ärztinnen und Ärzte ein Impfzertifikat. Zielgruppenspezifi- sche aufsuchende Impfstatuserfassungen und Impflücken- schließungen haben sich bei Problemlagen bewährt. Damit

das Impfen unaufwändiger ist, wurde geregelt, dass sich Eltern in Sachsen-Anhalt beim Kinderarzt gleich mitimpfen lassen können. Bei den sachsen-anhaltischen Einschülern

stieg die Durchimpfung seit 1999 kontinuierlich auf über 90

% an. Erstmals wurde 2008 das Gesundheitsziel auch bei

der 2. MMR Impfung mit 92,0% Durchimpfung erreicht.

(1999 32,8 %).

Aktuell befasst sich das Gremium u. a. mit Fragen der Förderung der Impfakzeptanz.

PS11

Aktivitäten zur Förderung der Durchimpfung in

Niedersachsen

 

H.-S. Dräger-Hoppe 1, M. Pulz  1, F. Feil  2, J. Dreesman 1, K. Beyrer

1 Niedersächsisches Landesgesundheitsamt, Hannover;

2Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Frauen, Familie

und Gesundheit, Hannover

 

In Niedersachsen werden durch das Ministerium für So- ziales, Frauen, Familie und Gesundheit (MS) und das Nie- dersächsische          Landesgesundheitsamt          (NLGA) verschiedene Aktivitäten zur Förderung der Durchimpfung

der Bevölkerung bzw. bestimmter Gruppen durchgeführt.

 

1. Niedersächsisches Impfforum zur Aktivierung

der Schutzimpfungen (NIAS)

 

Das NIAS wurde 2001 ins Leben gerufen. Vertreten sind neben dem NLGA (Geschäftsführung) und dem MS das Kultusministerium, die kommunalen Spitzenverbände, die Ärztekammer, die Kassenärztliche Vereinigung, die ärztli- chen Berufsverbände, Apotheker- und Hebammenver- bände,       die       Krankenkassenverbände,       kirchliche Institutionen, der Landesfrauenrat und die Medizinische Hochschule Hannover. Handlungsfelder sind spezielle Impfaktivitäten, Surveillance und Datenerfassung sowie In- formation der Fachöffentlichkeit und Bevölkerung. Konkret beteiligte sich das NIAS an der Etablierung eines Systems

zur Rückmeldung durchgeführter Impfungen an den öf- fentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) und an der Entwick-

lung      eines      Leitfadens      zum      Management      von Masern-Infektionen. Zur Zeit wird eine Fachinformation zur HPV-Impfung erstellt. Im Jahr 2007 wurde außerdem das Niedersächsische Impfprogramm verabschiedet. Darauf-

1

hin wurden 7 Landkreise u. kreisfreie Städte als Schwer-

punktkommunen ausgewählt. Dort finden besondere Akti- vitäten statt, z.B. gezielte Impfaktionen und Fortbildungen.

Das Impfprogramm soll in wesentlichen Teilen bis zum Jahr

2010 umgesetzt werden.

 

2. Rahmenvereinbarung zur Förderung der öffentlich

empfohlenen Schutzimpfungen

 

2003 wurde zwischen dem Land Niedersachsen und den Verbänden der gesetzlichen Krankenkassen eine Rah- menvereinbarung zur Förderung der öffentlich empfohle-

nen Schutzimpfungen durch den ÖGD abgeschlossen. Sie ermöglicht den niedersächsischen Landkreisen u. kreis-

freien Städten, die Kosten der Impfstoffe für unentgeltlich angebotene Schutzimpfungen mit den gesetzlichen Kran- kenkassen abzurechnen. Das NLGA informiert und berät

die kooperierenden Gesundheitsämter und wertet einmal jährlich die erhobenen Impfzahlen aus. Jährlich werden ca. 19.000 Impfstoffeinzelkomponenten durch den ÖGD ver-

impft.

 

3. Motivationskampagne zur Influenza-Schutzimpfung

bei Krankenhauspersonal

 

Es wird geschätzt, dass die jährliche Influenza-Durchimp- fungsrate bei medizinischem Personal nur ca. 30% beträgt. Daher engagiert sich das NLGA seit 2003 für die Sensibili- sierung des Krankenhauspersonals für die Influenza-Imp- fung. Dazu wird vor Beginn der „Grippesaison" über die Betriebsärzte der Kliniken in Niedersachsen mit Informati- onsmaterial für eine verstärkte Inanspruchnahme der Imp-

fung geworben. Für die Saison 2008/2009 hat das NLGA

auf eine eigene Kampagne verzichtet und stattdessen mit

einer bundesweiten Kampagne des Robert Koch-Institutes (RKI) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklä-

rung (BZgA) kooperiert.

 

4. Aktivitäten des NLGA im Rahmen seiner

Landesaufgaben

 

Das NLGA beteiligte sich an der Entwicklung des o.g. Ma- sern-Leitfaden und entwickelte im Jahr 2008 einen Hepa-

titis A-Leitfaden. Dadurch stehen dem ÖGD Instrumente

zum einheitlichen Fall- und Ausbruchsmanagement zur Verfügung. Darüber hinaus wird jährlich der Niedersächsi- sche Impfreport herausgegeben und kann sowohl als Print- version als auch über die NLGA Homepage eingesehen werden. Des weiteren werden Merkblätter zu den empfoh- lenen Schutzimpfungen für Kinder und Erwachsene her-

ausgegeben.

PS12

Die Landesimpfkampagne in Nordrhein-

Westfalen 2007/2008

 

G. Ahlemeyer 1, A. Jurke  2, R. Kämmerer  3, S. Scharkus3

1 Zentrum für Öffentliche Gesundheit, Landesinstitut für Gesund-

heit und Arbeit NRW, Düsseldorf; 2Zentrum für Öffentliche Ge-

sundheit, Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit, Düsseldorf;

3

Ministerium fürArbeit, Gesundheit und Soziales NRW, Düsseldorf

 

Fragestellung: Schließung von Impflücken bei Schülern

ab der 5. Jahrgangsstufe

 

Projektbeschreibung:

Anlaß für die Landesimpfkampagne NRW waren die Ma- sernausbrüche in den Jahren 2006 und 2007 aufgrund lan- desweit unzureichender Durchimpfungsraten bei Masern, Mumps und Röteln (MMR) vor allem bei Jugendlichen.

18



Damit die Landesimpfkampagne erfolgreich ablaufen

konnte, war eine Zusammenarbeit vieler Akteure erforder-

lich. Neben den Ministerien für Gesundheit, Arbeit und So- ziales (MAGS) und für Schule und Weiterbildung (MSW) waren das die Ärztekammern, die Kassenärztlichen Verei- nigungen, die Gesundheitsämter der Kommunen, die Ge- setzlichen    und    Privaten    Krankenkassen    sowie    der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.

 

Um den Gesundheitsämtern trotz sehr unterschiedlicher Ausstattung und Voraussetzungen eine Teilnahme zu er- möglichen, gab es verbindliche Rahmenvorgaben für die Landesimpfkampagne: die Durchführung zwischen No- vember 2007 und Juni 2008, eine möglichst vollständige Erfassung des Impfstatus aller Schüler der weiterführen-

den Schulen und ein aufsuchendes Impfangebot für Ma-

sern in der Schule.

 

Zeitpunkt und Umfang der Aktion konnte von den Gesund- heitsämtern danach situationsabhängig fokussiert gestal-

tet werden.

 

Die Impfstoffe für das aufsuchende Impfangebot wurden zentral beschafft.

 

Ggf. über MMR hinausgehende Impflücken sollten beim Kinder- und Jugend-, bzw. Hausarzt anhand einer Impf- empfehlung geschlossen werden.

 

Zusätzlich erfolgte eine Befragung der Schüler und Lehrer

zu ihrer Einstellung zum Thema Impfen, um wichtige zu- sätzliche Informationen zu erhalten.

 

Zur Beratung der Teilnehmer, aber auch von Schulen und Eltern wurde eine Koordinierungsstelle beim MAGS einge-

richtet.

 

Die wissenschaftliche Auswertung von Impfstatuserhe- bung, Impfempfehlungen und Fragebögen erfolgt durch

das Landesinstitut für Gesundheit undArbeit (LIGA.NRW).

Z. Zt. werden ca. 15.000 Impfempfehlungen, mehr als 30.000 Bögen mit Impfstatuserhebungen und 180.000 Fra- gebögen ausgewertet.

 

Zielsetzung: Erhöhung der Durchimpfungsrate vor allem

bei Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren, um Masern- ausbrüche künftig zu verhindern sowie Gewinnung von In- formationen für weitere, zielgerichtete Impfaktionen.

einer Risikogruppe regelmäßig an der Influenzaimpfung

teilnehmen sollten, besteht somit ein deutlicher Hand- lungsbedarf in den deutschen Bundesländern.

 

Kurze Projektbeschreibung

Aufbauend auf jüngsten nationalen und internationalen Er- fahrungen (USA und UK) wurde vom Landesuntersu- chungsamt      (LUA)      ein      Sozialmarketing-Programm entwickelt, das zu einer Reduktion der durch Influenza aus- gelösten Gesundheitsprobleme mittels Steigerung der Impfraten führen soll. Diese „Influenza-Impfkampagne Rheinland-Pfalz" zeichnet sich durch einen systematischen Planungsprozess aus und gibt eine klare Handlungsstrate-

gie für die nach Projektstart kommenden drei Influenza-Sai-

sons vor. Dabei sollen die beiden Gruppen „ältere Menschen" (60 Jahre und älter) und „Angehörige des Ge- sundheitswesens" zur Influenzaimpfung motiviert werden.

 

Das Programm unterscheidet sich von anderen Initiativen

in Deutschland in drei Dimensionen: 1. Einbeziehung der Marktforschung auf jeder Stufe der Planung und Umset- zung. 2. Gleichzeitiger Einsatz aller Instrumente des Mar- keting-Mixes (Massenmedien, selektive sowie persönliche Ansprachen) 3. Einbindung einer breiten Koalition von pro- fessionellen Partnern (u.a. Öffentlicher Gesundheitsdienst, Krankenkassen,    Krankenhausvertreter    und    ärztliche Selbstverwaltung) zur Bündelung der Kräfte. So nimmt bei- spielsweise der ÖGD vor Ort eine wesentliche Rolle für den Erfolg der Kampagne ein: Aufmerksamkeit und Glaubwür- digkeit für die Initiative schaffen, und dadurch ein lokales Zugehörigkeitsgefühl als einen der mächtigsten Einfluss- faktoren menschlichen Verhaltens etablieren.

 

Zielsetzung

Das Projekt sieht vor, innerhalb von drei Jahren die Teil- nahme an der Influenzaimpfung für die Zielgruppen um mindestens 15 % zu steigern. Zusätzlich wird ein gestei- gertes Bewusstsein für Influenza-bedingte Risiken bei den Zielgruppen und sekundären Gruppierungen (z. B. Famili- enmitglieder) bewirkt. Mit Hilfe des Programms soll die Grundlage für eine bessere Evaluation von Impfstrategien (angesiedelt im LUA Rheinland-Pfalz) geschaffen und Er- fahrungen mit Sozialmarketing-Aktivitäten gesammelt wer-

den. Diese können dann auf andere Zielgruppen oder Impfungen übertragen werden. Das Projekt befindet sich gegenwärtig in der Abstimmungsphase mit allen vorgese- henen Partnern auf Landes- und Kommunalebene. Der

Start ist für Ende 2009 vorgesehen.

PS13

„Influenza-Impfkampagne Rheinland-Pfalz"

- Ein Sozialmarketing-Programm zur Steigerung

der Impfraten

J. Rissland1

1

Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz, Koblenz

PS14 verschoben nach Session Immunologie

PS42a

Fragestellung

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden 5-15 %

der Weltbevölkerung jedes Jahr an Influenza-bedingten In- fektionen des Atemtraktes. In Deutschland belaufen sich

nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Influenza die Fol-

gen der jährlichen Epidemie auf ca. 4,5 Millionen Infizierte, 22.500 Krankenhauseinweisungen und 13.000 Tote in den letzten 10 Jahren. Die Durchimpfungsraten sind unzurei- chend, obwohl mit der Influenzaimpfung eine effektive Prä- ventionsmaßnahme zur Verfügung steht. Es ist belegt,

dass nur 25 % der im Gesundheitswesen Tätigen und nur etwa jeder Zweite der über 60-Jährigen sich impfen lassen. Gemessen an der Vorgaben der WHO, dass bis 2006 min- destens 50 % und bis 2010 sogar 75 % aller Angehörigen

PS15

Die Bayerische Landesarbeitsgemeinschaft

Impfen (LAGI)- ein unabhängiges Expertennetz

setzt sich für die Verbesserung des Impfschutzes

in Bayern ein.

 

M.-S. Ludwig 1, R. Fischer  2, I. Hahntow  1, M. Wildner  1, A. Zapf ,

B. Liebl2

1 Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicher-

heit, Erlangen; 2Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und

Gesundheit, München; 3Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Erlangen

 

Hintergrund

Impfungen zählen zu den wirksamsten Präventivmaßnah-

men in der Medizin. Durch ihren Einsatz sind viele in der Vergangenheit gefürchtete Infektionskrankheiten wie Kin- derlähmung oder Diphtherie zurückgedrängt worden. Pok-

3

19



ken konnte im Jahr 1980 durch konsequente Impfpro-

gramme sogar ausgerottet werden. Auch heute könnten

noch weitere komplikationsreiche Erkrankungen wie Ma-

sern, Keuchhusten bei Säuglingen oder Influenza bei Se- nioren sowohl durch einen individuellen Impfschutz als

auch durch hohe Impfraten in der Bevölkerung vermieden

werden.

Impfen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die ein Zusammenspiel aller in der Impfprävention Verantwortli-

chen erfordert. Daher wurde auf Anregung des im Jahr 2005 entwickelten Bayerischen Impfkonzepts ein unab- hängiges Arbeitsgremiums zur Vernetzung der in Bayern

in der Impfprävention tätigen Akteure und Institutionen ge- bildet: die Bayerische Landesarbeitsgemeinschaft Impfen

(LAGI).

Zusammensetzung LAGI Die LAGI wurde im Jahr 2006 als unabhängiges, interdisziplinäres Gremium gegründet. Sie vereint Vertreter von Berufsverbänden (u.a. Hausärzte, Kin- der- und Jugendärzte, Betriebsärzte, Frauenärzte,Apothe-

ker,       Hebammen),       Körperschaften,       Öffentlichen Gesundheitsdienst, Kostenträgern und Wissenschaft (ein- schließlich alle bayerischen STIKO Mitglieder). Die Ge- schäftsführung wird vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wahrge- nommen. Sitzungen finden zweimal im Jahr statt.

Ziele der LAGI Die LAGI hat zum Ziel, den Impfschutz der bayerischen Bevölkerung in jeder Lebensphase zu ver- bessern. Folgende Schwerpunkte hat sich u.a. die LAGI

gesetzt:

1. Datenlage verbessern und transparent gestalten: sowohl

zu impfpräventablen Erkrankungen wie auch Impfungen einschließlich jeweils Komplikationen

2. Öffentlichkeits- und Medienarbeit: Stärkung des Impfge- dankens in der bayerischen Bevölkerung durch aktuelle, unabhängige Impfinformation

3. Erkenntnis und Abbau von Impfhindernissen (z.B. missed opportunities)

4. Expertenaustausch zu wichtigen Impffragestellungen

5. Gemeinsame Erarbeitung von Impfkonzepten

6. Wissenschaftliche Evaluation und Begleitung

Aktuelle Projekte der LAGI

• Öffentlichkeitsarbeit:

o Organisation der 1. Bayerischen Impfwoche vom 20. bis 26.4.2009 mit einer Vielzahl von Aktionen

o Neue Broschüre Geimpft-geschützt

o Film- und Plakatkampagne zur MMR-Impfung im Groß-

raum München

o Veröffentlichungen der LAGI in öffentlichen und wissen- schaftlichen Zeitschriften

• Intensive Zusammenarbeit mit wichtigen Multiplikatoren

des Impfgedankens, insbesondere Hebammen, Schulen

• Masernaktionsplan für Bayern

• Aufbau von neuer Surveillance zu Impfraten (6.Klasse)

• Einführung und wissenschaftliche Begleitung von Impfer- innerungssystemen (Recall) im Rahmen der Schulein- gangsuntersuchung der Gesundheitsämter

• Aufruf an den Gemeinsamen Bundesausschuss zur Er- stattungsfähigkeit               von               Meningokokken-C-

Nachimpfungen

• Appell ans Sozialministerium zur freiwilligen Aufnahme

von Impfdaten in die elektronische Gesundheitskarte in

Bayern

• Förderung der Impfausbildung von Medizinstudenten und

Impffortbildung

• Aktuelle Bewertung der Masern-, Mumps- und Pertussis- Situation in Bayern, Verbesserung der Kokonstrategie für Neugeborene in Bayern · Förderung von zielgruppenorien- tierten niedrig schwelligen Impfangeboten Bewertung und Ausblick Die Landesarbeitsgemeinschaft Impfen hat sich

als wertvolle Plattform für die gegenseitige Information und Abstimmung und als Kristallisationspunkt für auch zukünf-

tige gemeinsame Aktionen etabliert.

PS16

Neue Wege der Impfmotivation - Kinospot als

„model of good practice"

Chr. Groffik  1, H. Mayrhofer2

1 Gesundheitsvorsorge - Impfwesen, Landeshauptstadt München,

Referat für Gesundheit und Umwelt, München; 2Gesundheitsvor-

sorge für Kinder und Jugendliche, Landeshauptstadt München, Referat für Gesundheit und Umwelt, München

 

Fragestellung

Niedrige Impfraten - insbesondere gegen Masern - im Ver- gleich zu Bayern, zu anderen Bundesländern und anderen Staaten machen in München besonderen Handlungsbedarf deutlich. Ist es möglich, mit begrenzten Ressourcen eine Werbekampagne durchzuführen, um die Eltern für die Imp-

fung ihrer Kinder zu motivieren? Ist diese auch in anderen Kommunen umsetzbar?

Kurze Projektbeschreibung

Im Herbst 2007 wurde von der Landeshauptstadt München

eine Ausschreibung für eine professionelle Werbekampa-

gne vorgenommen. Die Aufgabenstellung war, das Pro- blembewusstein von Eltern und Kinder zu stärken und sie

zu motivieren, sich von ihrem Arzt impfen lassen. Ein Kon-

zept für eine Impfkampagne „Masern, Mumps, Röteln" wurde entwickelt. Das Konzept sollte grundsätzlich auch

für andere Impfungen geeignet sein. Für die Kampagne

sollte ein Slogan bzw. Hauptmotiv erarbeitet werden, der

bzw. das in allen Veröffentlichungen zum Einsatz kommt.

Für die Umsetzung des Konzeptes waren Vorschläge für mögliche Medien zu machen und Kosten zu benennen. Schließlich waren die Aufgaben so zu lösen, dass sie auf

das Internet anwendbar sind, z.B. in Form einer webopti- mierten Version.

Mit dem Slogan „Vorbeugung ist Verantwortung" zeigt sich eine klare und eindeutige Adressierung der Thematik an

die primäre Zielgruppe der Eltern. Das Leitmotiv wird durch

die Headline „Setzen Sie die Gesundheit Ihrer Kinder nicht

aufs Spiel" getragen. Dazu werden in der kreativen Ausar- beitung für Plakate undAnzeigen doppeldeutigeAussagen

in Bezug auf die Bildmotive von typischen Spielsituationen

von Kindern gezeigt. Gezielte „Wortspiele" im Kontext mit

den Spielsituationen ist Bestandteil des Kreativkonzeptes. Durch den Aufruf Verantwortung zu übernehmen wird an

die generelle Elternpflicht für das Wohl ihres Kindes zu sor- gen, aber auch an die gesellschaftliche Verantwortung ap- pelliert. Weiter sollte die klareAufforderung zum Handeln - speziell zum Impfen - kommuniziert werden. In diesem Zu- sammenhang ist der elterlicheAuftrag zur Vorbeugung es- sentiell      und      wichtiger      Bestandteil      für      diese

Aufklärungskampagne.

Ein 16-Sekunden-Kinospot wurde als neuer Weg entwik-

kelt, Eltern über ein modernes Medium zu erreichen. Durch

eine bekannte deutsche Stimme (des amerikanischen Ac- tionheldes Bruce Willis) sollte zusätzliche Aufmerksamkeit erreicht werden. Die Präsentation erfolgte in zahlreichen Kinos und auf den Infoscreens im U-Bahnbereich und wurde begleitet durch Medienarbeit und Plakate.

Zielsetzung

Die Zielgruppe sollte mit effektiver Kosten-Wirkungsrela-

tion erreicht werden. Durch den modularen Konzeptaufbau konnte die Kampagne bedarfsgerecht und ressourcen- sparend eingesetzt werden und ist von anderen Akteuren kostengünstig umsetzbar.

Der Kinospot liegt digital als DVD vor und ist mit Original-

ton auf Flatscreen demonstrierbar.

 

Bildmotiv Kinospot München

 

Kontakt: christian.groffik@muenchen.de

20











i. Vergleich zwischen den Landkreisen und Kreisfreien

Städten können die Festlegung regionaler Schwerpunkte

unterstützen

 

ii. Schließung von Impflücken unter Kenntnis der

regionalen Bedingungen - jährlich aufsuchende

Impfaktionen

 

iii. Bei Impfaktionen 2006 beteiligten sich 19 der insgesamt

24 Landkreise/Kreisfreien Städte

 

iv. Geimpft wurde gegen Masern, Mumps,

Röteln (MMR),zusätzlich gegen Tetanus, Diphtherie,

Pertussis, Poliomyelitis und Hepatitis B

 

v. Bildung eines Arbeitskreises Impfen -

bereichsübergreifende Zusammensetzung,

Informationsaustausch, Ideen- und Impulsgeber

PS17

Landesgesundheitsziel „Erreichen eines alters-

gerechten Impfstatus bei über 90% der Bevölke-

rung" in Sachsen-Anhalt.

Einflussnahme auf die Durchimpfung gegen

Masern, Mumps und Röteln

U. Pitloun1

1

Referat 23, Ministerium für Gesundheit und Soziales, Magdeburg

1.Status quo in Sachsen-Anhalt

a.Gesundheitsziel Impfen seit 1998: „Erreichen eines al- tersgerechten Impfstatus bei über 90% der Bevölkerung"

 

b.Deutliche Verbesserung der Durchimpfung einzuschu- lender Kinder von 1998 bis 2007. 1998 waren nur 32 % der Kinder zweimal gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft,

2007 waren es 92 %. Damit wurde 2007 das Gesundheits-

ziel erstmalig erreicht!

 

c.Steigerung der 2. MMR-Impfung auch bei den Schülerin-

nen und Schülern der 3. und 6. Klassen

 

d.Handlungsbedarf zur Schließung von Impflücken schwer- punktmäßig weiterhin angezeigt bei der 2. MMR-Impfung

 

e.Datenlage Sachsen-Anhalt

PS18

Etablierung einer kontinuierlichen altersgrup-

penbezogenen Impfmotivation durch den ÖGD in

Thüringen

H. Beyermann 1, G. Hesse  2, M. Vollandt3

1 Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit, Er-

furt; 2Thüringer Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Ver-

braucherschutz,           Bad           Langensalza;           3Thüringer Landesverwaltungsamt, Weimar

 

Hintergrund und Ziele

Um das 1999 auf Bundesebene verabschiedete MMR-In- terventionsprogramm in Thüringen umzusetzen, wurde ab

2000 nach Analyse des Ist-Standes eine entsprechende

Konzeption zur altersbezogenen Intervention entwickelt,

die sich an den Zielen des EPI der WHO für die europäi-

sche Region orientiert.Aufgrund der begrenzten zeitlichen,

finanziellen und personellen Ressourcen des ÖGD wurde

bereits im Vorfeld berücksichtigt, mit geringem Aufwand

einen optimalen Effekt zu erreichen. Entsprechend der Ausgangslage wurden flächendeckende Maßnahmen über

mehrere Jahre angelegt und je nach Entwicklung entspre-

chend angepasst. Zielsetzung war für die 1. MMR-Impfung

2005 eine Durchimpfungsrate > 95 %, für die 2. MMR-Imp-

fung und die anderen Impfarten 90 % in allenAltersgruppen

der Kinder und Jugendlichen.

Umsetzung

Schwerpunkt der Intervention war die Anwendung alters- gruppenbezogener Merkblätter mit Abdruck des aktuellen Impfkalenders. Durch dieAusgabe der Merkblätter vor den Untersuchungen des ÖGD sollte versucht werden, dass die

Kinder bzw. Schüler zum Zeitpunkt der Impfstatuserfas-

sung nach Möglichkeit schon durch den Kinder- oder Haus-

arzt geimpft sind. Die Finanzierung erfolgt ausschließlich

aus öffentlichen Mitteln. Es fallen lediglich jährlich Druck-

kosten an. Bewusst wurde auf eine aufwendige bunte Ge-

staltung verzichtet, um eine Unterscheidung von Reklame

zu erreichen und den neutralen Charakter der Information

zu unterstreichen.

Ergebnisse

Hatten 2000 nur 6 % der Kindergartenkinder die 2. MMR-

Impfung, waren es 2008 fast 93 %.

 

Für die MMR-Impfung werden derzeit 98 % für die 1. Imp-

fung und 94,1 % für die 2. Impfung erreicht.

 

Stand zunächst die Steigerung der Durchimpfungsraten für

die MMR-Impfung im Vordergrund, hat sich der Schwer-

punkt jetzt auf die Verbesserung der Impfraten bei Pertus-

sis und Hepatitis B verlagert. Durch Einsatz spezieller

Merkblätter, die vor der Einschulungsuntersuchung ausge-

21

2.Beeinflussung der Durchimpfung im Rahmen der

Gesundheitsziele Sachsen-Anhalt

Vorstellung von Projektarbeit im Rahmen der Erreichung

des Gesundheitsziels Impfen:







geben wurden, konnten die Impfraten bei Pertussis von

88,1 % im Jahr 2000 auf 96,8 % 2008 gesteigert werden,

bei Hepatitis B von 27,8 % auf 98 %.

 

Fazit

Nach Analyse der Impfstatuserhebungen durch den ÖGD

zeigt sich, dass die Durchimpfungsraten für die MMR-Imp-

fung erheblich gesteigert werden konnten und die Forde- rungen der WHO aktuell erfüllt sind. Gleichzeitig ergeben

sich aber neue Interventionsschwerpunkte, wie zu niedrige Durchimpfungsraten bei der Pertussis- und insbesondere

bei der Hepatitis B-Impfung der Jugendlichen. Dies wurde

in den folgenden Auflagen der Merkblätter entsprechend beachtet. Insgesamt haben sich die in Thüringen etablier-

ten Maßnahmen bewährt und das bei begrenztem organi- satorischem Aufwand und geringen Kosten. Maßgeblich

zum Erfolg beigetragen hat die langfristige und kontinuier-

liche Weiterführung aller Maßnahmen. Eine Evaluation ist

über die jährliche Impfstatuserfassung des ÖGD möglich.

schen Schuleingangsuntersuchung sollte die Durchimp-

fung intuitiv verständlich, umfassend und mit Zahlenwerten dargestellt werden. Die Lösung bestand in einem Linien- diagramm, welches auf der X-Achse die Jahre und auf der Y-Achse den Anteil der Kinder darstellt, die mindestens

eine gewisse Zahl von Impfungen erhalten haben. Für jede Impfung wurde gesondert festgelegt, welche Impfzahlen

als Linien dargestellt werden. Für die Tetanusimpfung wur-

den so drei Linien "Mindestens 3/4/5 Impfungen erhalten" dargestellt, bei der Masernimpfung bezogen sich die Linien

auf mindestens 1/2/3 Impfungen. Die Linien wurden für

jedes Jahr mit den Anteilswerten beschriftet. Jedes Dia- gramm enthält nur die Informationen einer Impfung.

 

Die Umsetzung geschah mittels des Statistikpakets Stata. Durch die Programmierung direkter Beschriftungen wurde

ein übersichtliches Bild ohne Legende und entsprechende Kennzeichnungen der Linien erreicht.

 

Diese Darstellungsart macht die Entwicklung der Durch- impfung leicht verständlich: Beispielsweise zeigt bei der Masernimpfung die oberste Linie an, dass der Anteil der Kinder mit mindestens einer Impfung vom Jahr 1998 (90,2 Prozent) stetig auf 96,3 Prozent im Jahr 2007 gestiegen

ist.

Eine zweite Linie zeichnet denAnstieg desAnteils der Kin-

der mit mindestens zwei Masernimpfungen von 9,8 auf

87,2 im gleichen Zeitraum nach. Die dritte Linie weist nur

der Vollständigkeit halber darauf hin, dass über alle Jahre weniger als ein Prozent der Kinder drei oder mehr Ma- sernimpfungen hatten. Die wesentlichen aus den Daten der Schuleingangsuntersuchung ablesbaren Trends (Anteil

nicht geimpfter Kinder geht zurück; Entwicklung der zwei-

ten Masernimpfung) können auf einen Blick differenziert er- fasst werden.

Erfassung von Impfquoten
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Abstract 1. Nationale Impf-Tagung 2009
« Reply #4 on: March 08, 2009, 07:51:58 AM »

PS19

Graphische Darstellung der Trendentwicklung

von Impfquoten

S. Gawrich1

1 Zentrum für Gesundheitsschutz, Hessisches Landesprüfungs-

und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen, Dillenburg

 

Die Darstellung und Interpretation von Impfquoten im Zeit- verlauf ist nicht trivial. So erfasst beispielsweise die Schul- eingangsuntersuchung die Zahl der Impfungen des Baby-

und Kleinkindalters, welche im Regelfall schon vier bis fünf Jahre zurückliegen. Aktuell fehlt in Hessen bei acht Pro-

zent der Schulanfänger der Impfpass, so dass eine Unsi- cherheitsmarge          bei          der          Ermittlung          von Durchimpfungsquoten besteht.

 

Die Impfpraxis unterliegt Veränderungen insbesondere

durch neue Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Indikation, Impfstoffe, Impfalter, Zahl empfohlener Impf- dosen), durch Veränderungen von Impfstoffen und ihren Kombinationen und die Entscheidungen der Praxis, diese

zu verwenden.

 

Wenn sich während des Beobachtungszeitraums Rah- menbedingungen ändern - beispielsweise wird die Zahl empfohlener Impfdosen angehoben -    ist es schwierig, einen Indikator für den gesamten Zeitraum zu finden, der keine Fehlinterpretationen zulässt. Auch ist eine genaue Analyse des Impfgeschehens im Zeitverlauf mit nur einem Indikator (z.B. Anteil der Kinder mit X Impfungen) nicht

möglich.

 

Für einen Bericht über zehn Erfassungsjahre der Hessi-

PS20

Durchimpfungsraten aus KV-Abrechnungsziffern

Regionale Bestimmung des Impfschutzes von

der Geburt bis zum Alter von 24 Monaten in Schleswig-Holstein 2003 bis 2007

H.-M. Bader , M. Ludwig

1

1

2

Arbeitsgruppe Impfen am Ministerium für Soziales, Gesundheit,

Frauen und Senioren des Landes Schleswig-Holstein, Kiel; 2EDV-

Abteilung (Brückenteam) der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein, Bad Segeberg

 

Fragestellung

In Kooperation zwischen der AG Impfungen am Landes- gesundheitsministerium Schleswig-Holstein (SH) und der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) wurde mit den KV-Abrechnungsziffern ab 2003 die Son- derfrage aufgegriffen: „Wie ist der Impfschutz im frühen Kleinkindalter bis zu 24 Monaten und wie sehr weicht er

vom STIKO-Zeitplan ab?"

Material und Methode

Die Patientendaten von gesetzlich Krankenversicherten (GKV) werden durch die Bildungs eines „Patientenschlüs- sels" pseudonymisiert.

Die KV-Gesamtkohorte wird zunächst auf eine Teilkohorte

mit Kindern mit „vollständigen Vorsorgeuntersuchung U3-

U7" eingeschränkt. Dadurch werden nur die Kinder erfasst,

die regelmäßig einen SH-Arzt kontaktierten. Für diese kön-

nen vollständige Abrechnungsdaten erwartet werden. Da- durch können u.a. Kinder mit Namenswechsel (gleiche Person aber unterschiedliche „Patientenschlüssel") die Statistik nicht verfälschen. Zugleich werden auch Kinder

aus der Untersuchung ausgeschlossen, die wirklich keine vollständige U3-U7 aufweisen können.

Aus den Abrechnungsziffern sind für jeden Patienten-

22















schlüssel die konkret verabreichten Impfstoffe und daraus

die einzelnen Antigene bestimmbar.

Ergebnisse

Erhebliche Abweichungen vom Zeitplan der STIKO sind

den Tab. 1 und 2 sowie den Abb. 1 und 2 zu entnehmen.

Tab. 1: Impfschutzraten (%) bei Kindern bis 24 Monaten in

SH (geboren 2005) in Abhängigkeit vom Alter nach KV-Zif- fern-Abrechnung (U3 bis U7 komplett, n=14.697).

Diskussion

Die Systematik erfaßt 63% der in Schleswig-Holstein ge- borenen Kinder. Die restlichen Kinder haben keine voll- ständigen Vorsorge U3-U7 (7%) oder sind PKV-versichert (15%), sind nach/aus SH umgezogen bzw. wechselten den

Namen.

Die Bestimmung des Bezugsnenners durch Einschränkung

auf die Kohorte „U3-U7 vollständig" beeinflusst die Reprä- sentativität dieser Kohorte kaum (gemessen an Einschu- lungsuntersuchungen in SH): Durch die geringe Größe der Kohorte „U3-U7 NICHT vollständig" (7%) wird der Impfsta-

tus „U3-U7 vollständig" nur geringfügig überbestimmt (1%).

.

Schlussfolgerung

Die Impfungen werden häufig nicht bis zum Ende des 2. Lebensjahres entsprechend der zeitlichen Vorgabe der STIKO durchgeführt (Tab. 1). Im Beobachtungszeitraum ist

eine Verbesserung bei den Impfungen gegen MMR und

den 3 neuen Impfungen (Variz., MenC und Pneumok.) er- kennbar (Tab. 2). Erst mit Eintritt in den Kindergarten wird

z. B. für Masern ein tragender Impfschutz erreicht (Auffor- derungscharakter der in SH vorgeschriebenen „Ärztlichen Bescheinigung") (Abb. 1). Es besteht eine gute Impfbereit- schaft im Rahmen der Grundimmunisierung (> 94% mit Ausnahme von HepB und MMR), problematisch ist derAb- schluss (massiver Abfall bei komplettem Impfschutz = 4. Impfung) (Tab. 1). Bei Masern geht die unzureichende Durchimpfungsrate im Alter von 24 Monaten auf eine ver- spätete Erstimpfung bis zumAlter von 14 Monaten zurück,

der U7-Zeitraum wird nicht konsequent zumAbschluss des Impfschutzes eingesetzt (Abb. 2).

Tab. 2 Impfschutz im Alter von 24 Monaten nach KV-Ab-

rechn.- Ziffern SH (U3-U7-komplett) Vergleich der Ge- burtskohorten 2003 bis 2005

12,1

PS21

Charakteristika der Kinder ohne Impfpass in der

Schuleingangsuntersuchung

S. Gawrich1

1 Zentrum für Gesundheitsschutz, Hessisches Landesprüfungs-

und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen, Dillenburg

 

Die Schuleingangsuntersuchungen sind die wichtigste Da-

tenquelle zur Erfassung des Impfstatus von Kindern. Da

ein Teil der Kinder (in Hessen aktuell acht Prozent) keinen

Impfpass vorlegt, können wir die Durchimpfung aller Kin-

der nur mit einer Unsicherheitsmarge schätzen. Das Errei-

chen eines Impfziels von 90 Prozent ist damit nur in Sonderfällen, eine Durchimpfung von 95 Prozent nicht

nachweisbar.

 

Impfpässe werden nicht nach dem Zufallsprinzip "verges-

sen". Wir müssen davon ausgehen, dass das Fehlen des Impfpasses tendenziell mit einer schlechteren Durchimp-

fung verknüpft ist, können aber das Ausmaß bislang nicht

abschätzen.

 

In diesem Projekt stelle ich relevante Charakteristika der

Kinder ohne vorgelegten Impfpass zusammen, die aus den

Daten der hessischen Schuleingangsuntersuchungen ab-

lesbar sind. Die Daten stratifiziere ich nach dem Vorhan-

densein eines Migrationshintergrundes.Als Charakteristika

erfasse ich die Dokumentation der U-Untersuchungen, den Schulstatus des Kindes und dieArt der zukünftigen Schule

und insbesondere die verschiedenen Untersuchungs- und Testergebnisse. Darüber hinaus zeigt das Poster auf Ge- meindeebene die Assoziation zu den Raumordnungskate-

gorien      des      Bundesamtes      für      Bauwesen      und

Raumordnung.

 

Die Ergebnisse sind ein erster Schritt zur Charakterisierung

23

Abb. 2:    Masernimpfung des Geburtsjahrgangs 2005 mit

vollständigen Vorsorgeuntersuchungen U3 bis U7 von der Geburt bis zum Alter von 27 Monaten



dieser Teilpopulation und soll Ansatzpunkte zur Verbesse-

rung der Dokumentationsquoten aufzeigen. Weitere For- schung kann helfen, das Ausmaß der Minderimpfung dieser Kinder zu schätzen und Maßnahmen zur Verbesse- rung der Impfquoten zu entwickeln.

schenswert sind.

 

Schlussfolgerung:

Die Weiterführung der zeitnahen Erhebung von Durchimp- fungsraten ist notwendig, um mögliche Defizite und deren Ursachen rechtzeitig zu erkennen.

PS22

Varizellen-Durchimpfungsrate bei Kindern und Jugendlichen im Raum München - Ergebnisse

aus jährlichen Elternbefragungen im Rahmen des Bayerischen    Varizellen-Surveillance-Projektes

(BaVariPro)

 

A. Streng 1, I. Schicker  1, M. Piechatzek 1, K. Seeger 1, A. Köhn , V.

Grote 2, J. Liese1

1 Dr.    von    Haunersches    Kinderspital,    Ludwig-Maximilians-

Universität München, München; 2Institut für Soziale Pädiatrie, Epi-

demiologie und Jugendmedizin, Ludwig-Maximilians-Universität München, München

 

Fragestellung: Seit 2004 besteht die generelle Empfeh-

lung der STIKO, alle Kinder zwischen 11 und 14 Monaten gegen Varizellen impfen zu lassen. Ein Ziel des Bayeri- schen Varizellen-Surveillance-Projektes ist die Erhebung

der Varizellen-Durchimpfungsraten bei Kleinkindern in

Stadt und Landkreis München. Zusammenhänge zwischen

der Impfbereitschaft der Eltern und deren Einflussfaktoren sollen aufgeklärt werden.

Methode: Ende 2006 und Ende 2007 wurde eine Stich-

probe von je 600 Eltern von Kindern imAlter von 18-36 Mo- naten in München (d.h. ca. 0,3 % aller Münchener Kinder

£16 Jahre) über die Einwohnermeldeämter per Zufallsaus-

wahl ermittelt. Die ausgewählten Familien erhielten einen Fragebogen zur Impfung; zusätzlich wurden demographi-

sche Daten zu Kind und Eltern, sowie zu den Lebensum- ständen der Familie erfasst.

Ergebnisse: Bei den Befragungen 2006 bzw. 2007 lag die Antwortrate bei 372 (62%) bzw. 364 (61%) ausgefüllten Fragebögen. Das Alter der Kinder lag in beiden Jahren im Median bei 30 Monaten. Demographische Daten und Le- bensumstände waren gut vergleichbar, außer einer signifi- kanten Zunahme des Anteils an Krippenbesuchern (> 10h /Woche) von 45% in 2006 auf 54% in 2007. Der Großteil

der Kinder (87% bzw. 82%) war bisher nicht an Varizellen erkrankt. In beiden Jahren hielten 56% der Eltern die Vari- zellenimpfung für sinnvoll, ca. 1/4 fand sie überflüssig, und

ca. 1/5 hatte noch Beratungsbedarf. Im Jahr 2006 waren 38%, 2007 hingegen bereits 51% gegen Varizellen geimpft, während 87% bzw. 89% eine Masernimpfung (mindestens

1 Dosis) erhalten hatten. In beiden Jahren bestand ein deutlicher Zusammenhang zwischen ärztlicher Empfehlung

und Impfstatus. DerAnteil der Ärzte, die die Varizellenimp-

fung empfahlen, stieg von 48% auf 57%. Das Alter bei Va- rizellenimpfung (Median) sank von 15 auf 13 Monate; das

Alter bei Masernimpfung lag in beiden Jahren bei 13 Mo- naten. DerAnteil des Kombinationsimpfstoffes MMRV stieg

2007 auf 20% an.

Diskussion: Die Beteiligung war bei beiden Befragungen

gut; aufgrund des überdurchschnittlich hohe Ausbildungs- standes der antwortenden Eltern (>50% mitAbitur) sind die Ergebnisse nur eingeschränkt repräsentativ. Im untersuch-

ten Elternkollektiv war die Empfehlung durch den betreu- enden Arzt ausschlaggebend für die Impfentscheidung; Einkommen oder Ausbildungsstand der Eltern hatten kei-

nen Einfluss. Ca. 2,5 Jahre nach der generellen Impfemp- fehlung war die Durchimpfungsrate der 18-36 Monate alten Kinder mit 38% noch relativ niedrig, stieg aber 2007 auf

51% an. Ein bevorzugter Einsatz von MMRV-Impfstoff würde aufgrund der hohen Akzeptanz der Masernimpfung

zu hohen Durchimpfungsraten auch bei Varizellen führen,

wie sie zur Erreichung von Herdenimmunitätseffekten wün-

1

PS23

Aktuelle Daten zum Durchimpfungsgrad gegen

Masern aus der Schuleingangsuntersuchung

zum Schuljahr 2007/08 in Bayern

G. Morlock , U. Nennstiel-Ratzel

1

1

1

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicher-

heit, Oberschleißheim

 

Repräsentative Daten zum Immunschutz von Kindern und Jugendlichen sind unverzichtbar zum gezielten Erkennen

und Schließen regionaler Impflücken sowie zur Planung, Durchführung und Evaluation von Impfprogrammen. Mit

dem 2001 in Kraft getretenen Infektionsschutzgesetz wurde die Erhebung der Durchimpfungsraten zum Schul- eintritt gesetzlich verankert. Die im Rahmen der Schulein- gangsuntersuchung in Bayern erhoben Impfdaten werden

am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebens- mittelsicherheit ausgewertet.

 

Die ermittelten Durchimpfungsraten werden bezogen auf

die Zahl der vorgelegten Impfbücher errechnet. Werden je- doch bei der Berechnung als Datenbasis alle untersuchten Kinder zugrunde gelegt, wird angenommen, dass Kinder

ohne vorliegende Impfdokumente nicht geimpft sind. Die Durchimpfungsraten in der Gruppe der Kinder ohne vorlie- gende Impfdokumentation können derzeit nur geschätzt werden. Sie fallen vermutlich unterdurchschnittlich aus. Im Folgenden wurde exemplarisch die Masern-Durchimp- fungsrate (mindestens 1 Impfdosis) unter derAnnahme neu berechnet, dass 0 % (Annahme A), 50 % (Annahme B)

bzw. alle Kinder (Annahme C), die ihren Impfausweis nicht vorlegen konnten, mindestens 1 Masernimpfung bis zum Zeitpunkt der Schuleingangsuntersuchung erhalten hatten.

 

Von den insgesamt 129.176 Kindern, die zum Schuljahr 2007/08 untersucht wurden, lagen bei 119.434 Kindern

(92,6 %) Impfdokumente vor. Der Anteil Kinder mit vorge- legten Impfdokumenten schwankte in den Landkreisen Bayerns zwischen 71,6 % und 97,6 %. Die Masern-Durch- impfungsrate lag bei 92,8 % für mindestens 1. Impfdosis. Dabei handelt es sich um einen Durchschnittswert, es be- stehen wie auch für Mumps und Röteln deutliche regionale Unterschiede. Der Anteil mindestens einmalig geimpfter

Kinder an allen untersuchten Kindern liegt bei durch- schnittlich 85,9 % (Annahme A). Unter den oben genann-

ten Annahmen    B    und    C    lägen    die    tatsächlichen Durchimpfungsraten für mindestens 1 Masernimpfung bei

89,7 % bzw. 93,4 %. Der Anteil Kinder mit mindestens 2 Masernimpfungen bezogen auf die Zahl der vorgelegten Impfausweise lag bei 81,7 %, bezogen auf alle untersuch-

ten Kinder bei 75,7 %.

 

Bei Kindern, die im Rahmen der Schuleingangsuntersu-

chung keine Impfdokumente vorlegen, sind die Durchimp- fungsraten nicht bekannt. Da mit unterdurchschnittlichen Impfraten in dieser Gruppe zu rechnen ist, kommt einer wirklichkeitsnahen Korrektur der ermittelten Durchimp- fungsraten Bedeutung für das von der WHO angestrebte

Ziel einer Masern-Eradikation bis zum Jahr 2010 in Europa

zu. Hierzu sollten neben einer differenzierten Erhebung von Durchimpfungsraten nach Alter, Geschlecht und Region Durchimpfungsraten verfügbar sein, die sowohl den Anteil geimpfter Kinder mit vorgelegtem Impfausweis als auch

24



den Anteil geimpfter Kinder an allen untersuchten Kindern

wiedergeben.

PS24

Surveillancevon Impfquoten anhand von Sekun-

därdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen

 

A. Reuß  1, L. Kappelmayer 1, M. Feig  1, T. Eckmanns  1,

G. Poggensee1

1

Abteilung für Infektionsepidemiologie, Robert Koch-Institut, Berlin

 

Fragestellung. Auf der Grundlage des Sozialgesetzbu-

ches V § 303 übermitteln die Kassenärztlichen Vereinigun-

gen (KVen) seit 2004 anonymisierteAbrechnungsdaten zu Impfleistungen von Ärzten, die Gesetzlich-Krankenversi- cherte behandeln, an das Robert Koch-Institut (RKI). Die Varizellenimpfung ist seit Juli 2004 für alle Kinder im Alter

von 11 bis 14 Monaten sowie für alle ungeimpften 9- bis 17-Jährigen ohne Varizellenanamnese von der Ständigen Impfkommission empfohlen. Die Kostenübernahme für die Impfung durch die gesetzlichen Krankenkassen erfolgte zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Bundesweite Daten zur Umsetzung der Impfempfehlung liegen nicht vor. Wir zei-

gen am Beispiel der Varizellenimpfung, wie die Routineda-

ten der KVen genutzt werden können, um die Impfquote

der unter 2-Jährigen bundesweit zu erfassen.

Material und Methode. Die übermittelten anonymisierten, fallbezogenenAbrechnungsdaten werden auf Qualität und Vollständigkeit geprüft. Daten zu Varizellenimpfungen von

10 KVen konnten ausgewertet werden. Studienpopulation

sind alle gesetzlich-krankenversicherten Kinder unter 2 Jahren, die in 2004 bzw. 2005 in den 10 Bundesländern geboren wurden (n=280.890 in 2004, entspricht 84% der Geburtskohorte; n=274.775 in 2005, entspricht 85% der Geburtskohorte). Die Impfquote wird bestimmt durch die Anzahl der geimpften Kinder bezogen auf die Anzahl der gesetzlich-krankenversicherten Kinder (KM6-Statistik des Bundesministeriums für Gesundheit).

Ergebnisse. Die durchschnittliche Impfquote der unter 2- Jährigen gegen Varizellen in den untersuchten Bundeslän-

dern stieg von 39% (2004) auf 59% (2005) an (p<0,001).

Die Impfquote beträgt 68% und 75% in Sachsen-Anhalt,

64% und 63% in Mecklenburg-Vorpommern, 53% und 68%

in Brandenburg, 50% und 81% in Saarland, 46% und 57%

in Thüringen, 39% und 68% in Schleswig-Holstein, 37%

und 69% in Hamburg, 29% und 48% in Sachsen, 20% und

44% in Bayern, 17% und 57% in Niedersachsen sowie 9%

und 23% in Bremen. Von den geimpften Kindern wurden

50% (2004) und 61% (2005) im empfohlenen Alter von 11

bis 14 Monaten geimpft. Zu den Zeitpunkten der Kinder- vorsorgeuntersuchungen U6 (10.-12. Lebensmonat) und

U7 (21.-24. Lebensmonat) wurden 7% und 17% (2004) sowie 19% und 21% (2005) der geimpften Kinder unter 2 Jahren geimpft.

Diskussion. Die Impfquoten der unter 2-Jährigen gegen Varizellen unterscheiden sich erheblich zwischen den Bun- desländern. In der Spannweite der Impfquoten zeigt sich deutlich der Einfluss der Kostenübernahme für die Varizel- lenimpfung durch die gesetzlichen Krankenkassen: Nach

der Einführung der generellen Kostenübernahme nahm die

Zahl der Impfungen im jeweiligen Bundesland stark zu. Schlussfolgerungen. Die Ergebnisse zeigen eine hohe grundsätzlicheAnnahme der Impfempfehlung durch die El-

tern und die Ärzteschaft. Die Kindervorsorgeuntersuchun-

gen U6 und U7 werden von den Pädiatern zur Impfung im empfohlenen Impfalter bzw. für Catch-up-Impfungen

genutzt.

PS25

Teilnahme an der Impfung gegen Humane

Papillomaviren (HPV) in Deutschland

 

S. Klug 1, M. Claus  1, J. König  1, A. Ahmad  1, M. Blettner

1 Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik,

Mainz

 

Fragestellung:

Seit Dezember 2006 ist die HPV-Impfung in Deutschland erhältlich. Im Februar 2007 empfahl die Ständige Impf- kommission (STIKO) die Impfung für Mädchen zwischen

12 und 17 Jahren. Wir haben eine deutschlandweite re- präsentative Befragung durchgeführt, um herauszufinden,

wie viele Mädchen zwischen 9 und 17 Jahren im ersten

Jahr nach Einführung der HPV-Impfung bereits geimpft wurden oder eine Impfabsicht hatten. Dabei wurde der Ein- fluss des Alters des Mädchens und der Bildung der Mutter

untersucht.

Methoden:

Im September und Oktober 2007 erfolgte eine Befragung

von 55.000 Haushalten in ganz Deutschland. Mädchen zwi- schen 9 und 17 Jahren wurden gefragt, ob sie bereits gegen HPV geimpft wurden oder ob sie eine solche Imp-

fung noch planten. Die Daten wurden deskriptiv und mit lo- gistischer Regression ausgewertet.

Ergebnisse:

Die Teilnahme der Haushalte an der Befragung lag bei

51%. In den teilnehmenden Haushalten wurden 1.906 Mädchen zwischen 9 und 17 Jahren befragt. Insgesamt waren 17,4% der Mädchen zwischen 9 und 17 Jahren gegen HPV geimpft. Bei den 17-jährigen Mädchen waren bereits 38% geimpft. Lediglich 5% aller Mädchen lehnten

eine HPV-Impfung ab. Zwei Drittel zogen die Impfung für

die Zukunft in Betracht, wohingegen 16% noch unsicher waren. Die Teilnahme an der HPV-Impfung war umso höher je höher die Bildung der Mutter war.

Schlussfolgerungen:

Die Teilnahme und das Interesse der 9 bis 17-jährigen Mädchen an der HPV-Impfung waren im ersten Jahr der Impfung hoch. Sowohl das Alter des Mädchens als auch

die Bildung der Mutter hatte einen Einfluss auf die Teil- nahme an der HPV-Impfung.

1

PS26

Impfmuster bei Schulanfängern - Mehrwert durch

Vollständigkeitsanalyse

A. Iseke  1, K. Simon  2, J. Rissland3

1 Gesundheitsamt Stadt Münster, Münster; 2Landesinstitut für Ge-

sundheit und Arbeit NRW, Düsseldorf; 3Landesuntersuchungsamt

RLP, vormals LIGA NRW, Koblenz

 

Fragestellung

Nach wie vor sind nicht alle Schulanfänger vollständig

geimpft. Anhand verknüpfter Impfdaten sind neben impf-

stoff- auch kindbezogene Vollständigkeitsanalysen mög-

lich. Lassen sich ausAnalysen mit Kindbezug Hypothesen

zu Ursachen von unvollständigen Impfstaten generieren?

Erfolgen Schuluntersuchungen nach Standards wie dem

Bielefelder Modell, wird der Impfstatus kindbezogen durch

dieAnzahl verabreichter Injektionen pro Impfantigen doku-

mentiert. Die Datendokumentation zusammen mit anderen

Daten der Schuluntersuchung ermöglicht neben der impf- stoffbezogenenAuswertung auch Vollständigkeitsanalysen

mit Kindbezug auf verschiedenen Stratifizierungsebenen.

Der Mehrwert diesesAnalyseansatzes soll geprüft werden.

Methodenbeschreibung

Das Gesundheitsamt Münster hat statistische Algorithmen

für eine Vollständigkeitsanalyse der Durchimpfungsraten

entwickelt und auf die Schulanfängerdaten angewandt.

Eine ersteAnalyse bestimmt, durch wie viele der neun län-

25



ger empfohlenen Impfantigene das jeweilige Kind erreicht

wurde. Bei den [9fach] geimpften Kindern wird zugleich die Vollständigkeit des Impfstatus berechnet. Dabei wird zwi- schen vollständig Geimpften mit 1xMMR und mit 2xMMR

unterschieden.

 

In weiterenAnalyseschritten (hier nicht vorgestellt) können

die unvollständigen Impfstaten der noch nicht [9fach] geimpften Kinder weiter differenziert werden.

 

Die seit 2004 eingeführten Standardimpfungen werden bis-

her nicht in die Analyse einbezogen: Die Zählung der Vari- zellenimpfung lässt die natürliche Immunität außer Acht. Pneumokokkenimpfungen werden sich als Säuglingsimp- fungen erst nach einigen Jahren bei der Einschulung ab- bilden. Auch die Meningokokkenimpfung bildet bei der Schuluntersuchung erst nach einigen Jahren ein epide- miologisch reales Bild ab.

Ergebnisse

Bereits der erste Analyseschritt zeigt, dass bei den Schul- anfängern in den letzten Jahren ein stetiger Anstieg des Anteils der 9fach geimpften Kinder zu verzeichnen ist (1999

30; 2004 über 80%).

 

Diese kontinuierliche und deutliche Zunahme der Impfra-

ten ergibt sich aus der Betrachtung konventionell ausge- werteter Impfdaten (= Vollständigkeit nach STIKO) nicht.

 

StratifizierteAuswertungen erlauben eine weitere Differen- zierung in diesen Impf-Teilkohorten (z.B. Fachrichtung Impfarzt, Sozialschicht).

Diskussion, Schlussfolgerung

Das Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit (LIGA NRW)

hat die Landesimpfdaten NRW aus den Schuluntersu- chungen mit Hilfe der Münsteraner Algorithmen analysiert. Dadurch konnte die Wertigkeit der auf kommunaler Ebene entwickelten Analysen überprüft werden. Mit Hilfe dieser neuen Algorithmen ist unter Verwendung bereits vorhan- dener Daten ein Erkenntnisgewinn zu Impfstatus und Impf- verhalten im Vorschulalter möglich.

vasivem Zervixkarzinom in Deutschland.

Methodik: Als Teil einer gesamteuropäischen, multizentri- schen, epidemiologischen Querschnittstudie wurde bei

einer Kohorte von Frauen mit einem invasiven Zervixkarzi-

nom (ICC) in Deutschland die Häufigkeitsverteilung der HPV-Typen untersucht, weiterhin wurde in der Studien- gruppe das Verhältnis von Plattenepithelkarzinomen (SCC)

zu Adenokarzinomen (ADC) bestimmt. Die verfügbaren Gewebeblöcke von Patientinnen mit ICC wurden mittels PCR-SPF10 LiPA25-Verfahren* (Version 1) im DDL Dia- gnostic Labor (Voorburg, Niederlande) auf HPV-DNA gete-

stet (25 typspezifische Sonden: 14 HPV-high-risk- und

11-low-risk-Typen).

Ergebnisse: Von 181 Frauen mit invasivem Zervixkarzi-

nom konnte bei 165 (91,2%) HPV-DNA nachgewiesen wer- den. Ein Plattenepithelkarzinom lag bei 126 von 181 Frauen (69,6%) vor, ein Adenokarzinom bei 29 von 181 (16%), ein adenosquamöses Karzinom bei 9 von 181 (5%)

und sonstige Formen des Zervixkarzinoms bei 17 von 181

(9,4%).

Bei den meisten Patientinnen mit invasiven Zervixkarzino-

men (n=153) lag eine Infektion mit einem einzelnen HPV-

Typ vor. Die häufigsten Typen waren HPV16 (58,2%), HPV18 (23,5%), HPV45 (7,2%) und HPV31 (2,0%). Beim Plattenepithelkarzinom (n=112) wurden als häufigste Typen HPV16 (67,0%), HPV18 (11,6%), HPV33 (7,1%), HPV45 (6,3%) und HPV31 (2,7%) nachgewiesen, beimAdenokar- zinom (n=21) HPV18, HPV16 sowie HPV45 und beim ade- nosquamösen Karzinom (n = 8) HPV18 und HPV16. Das Verhältnis von ADC zu SCC lag bei 1:4. Schlussfolgerungen: Bei dieser Untersuchung wurden HPV16, 18 und 45 als häufigste HPV-Typen beim invasi-

ven Zervixkarzinom nachgewiesen.

Das Adenokarzinom ist gegenüber dem häufigeren Plat- tenepithelkarzinom im Rahmen der üblichen zytologisch basierten Vorsorgeuntersuchungen erschwert zu detektie- ren. Bei diesem Karzinom konnte in >90 % eine Infektion

mit HPV16, HPV18 oder dem phylogenetisch verwandten HPV45 nachgewiesen werden.

 

*SPF10 HPV LiPA25 Version 1 und SPF10 HPV DEIA, her- gestellt von Labo Biomedical Products (Rijswijk, Nieder- lande),            basierend            auf            INNOGENETICS

SPF10-Technologie.

Evaluationsmodelle für Impfstrategien, -projekte,

-kampagnen

 

PS27

Deutsche Ergebnisse der SCALE-Studie: Euro-

päische, multizentrische, epidemiologische Quer- schnittsstudie zur Verteilung der Typen des

humanen Papillomavirus (HPV) bei erwachsenen

Frauen mit invasivem Zervixkarzinom

 

K. U. Petry 1, C. Liebrich 1, G. Mehlhorn 2, F. Gieseking 3, A.-N.

Straube 4, Chr. Eisenhofer-Wolff 4, D. Luyts 5, B. Schmalfeldt 6, K. Diedrich 7, S. di Nicola 8, D. Jenkins 9, W. Quint  10, B. Colau , M. A. Goncalves5

1 Frauenklinik, Klinikum Wolfsburg, Wolfsburg; 2Klinikum für Frau-

enheilkunde, Universität Erlangen, Erlangen; 3Frauenklinik, Uni-

versitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg; 4Medizinischer Fachbereich Impfstoffe, GlaxoSmithKline GmbH & Co KG, Mün- chen; 5GSK Biologicals, Rixensart, Belgien; 6Frauenklinik, TU Mün- chen,        München;        7Frauenklinik,        Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Lübeck, Lübeck; 84Clinics, Paris, Frankreich; 9University of Nottingham, Nottingham, United King- dom; 10DDL Diagnostic Laboratory, Voorburg, Niederlande

 

Hintergrund: Voraussetzung für die Entstehung des inva-

siven Zervixkarzinoms ist die persistierende Infektion mit humanen Papillom-Viren (HPV). In einzelnen europäischen Ländern existieren nur limitierte epidemiologische Daten

zur Verteilung der verschiedenen HPV-Typen bei dieser Er- krankung. Die vorliegende Studie untersucht die Verteilung

der HPV-Typen bei Frauen imAlter von ³ 18 Jahren mit in-

5

PS28 - Zurückgezogen

PS29

Gesundheitsökonomische Bewertung eines prä-pandemischen Influenza-Impfstoffes

für Deutschland

M. J. Postma , P. Williams , Chr. Neurohr , R. Welte  3

1

Unit of Pharmacoepidemiology & Pharmacoeconomics (FE²), De-

partment of Pharmacy, University of Groningen, Groningen, Nie-

2

derlande;    Navitas BioPharma Consulting, Buckinghamshire,

United Kingdom; 3GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, München

 

FRAGESTELLUNG: Die mit der Bevorratung eines prä- pandemischen Grippeimpfstoffes verbundenenAuswirkun-

gen auf Kosten und Sterblichkeit sollen für Deutschland

aus einer gesellschaftlichen Perspektive geschätzt werden. MATERIAL UND METHODE: Ein statisches Entschei- dungsmodell wurde entwickelt, um die Kosten der Bevor- ratung des Impfstoffes und sich daraus ergebende potentielle Einsparungen in den Bereichen ambulante Ver- sorgung, Arzneimittel, Krankenhausbehandlung und Pro- duktivitätskosten gegenüberzustellen sowie die Zahl vermiedener Todesfälle zu schätzen.

Der Betrachtungszeitraum betrug 5 Jahre. Im Ausgangs-

1

2

3

26



szenario wurden für die jährliche Pandemiewahrschein-

lichkeit, die Erkrankungsrate (attack rate) und die Letali- tätsrate (case fatality rate) Werte von 3%, 30% und 1% angenommen. Für den Impfstoff wurde von einer Wirk- samkeit von 65% ausgegangen. Die Auswirkungen des Einsatzes von antiviralen Mitteln auf Kosten und Letalität wurden berücksichtigt. Die Kosten für die Bevorratung des Impfstoffes beinhalten die Kosten für Anschaffung, Aus- tausch, Lagerung und Verabreichung. Die Schätzung der Produktivitätskosten erfolgte mittels des Humankapitalan- satzes. Den Berechnungen liegen Preise des Jahres 2008 zugrunde. Sämtliche zukünftigen Kosten wurden mit 5% diskontiert. Eine Diskontierung der Todesfälle erfolgte nicht. Umfangreiche univariate und probabilistische Sensitivitäts- analysen wurden durchgeführt.

ERGEBNISSE: Die Bevorratung eines prä-pandemischen Impfstoffes würde zu Kosten in Höhe von 1,54 Mrd. € füh-

ren. Dem gegenüber stehen vermiedene direkte Kosten

und vermiedene Produktivitätskosten in Höhe von 7,48

Mrd. €, womit sich Nettoeinsparungen von 5,94 Mrd. €

(95% KI: 53 Mio. €; 16,3 Mrd. €) ergeben. Darüber hinaus könnten 17.711 Todesfälle vermieden werden. Die Wahr- scheinlichkeit, dass die Bevorratung eines prä-pandemi- schen Impfstoffes Kosten sparend ist, wurde auf 97,7% geschätzt. Am stärksten wurden die Ergebnisse von der jährlichen Wahrscheinlichkeit einer Pandemie beeinflusst, gefolgt von der Letalitätsrate (case fatality rate). DISKUSSION: Die vorliegende Arbeit stellt die erste ge- sundheitsökonomische Analyse eines prä-pandemischen Impfstoffes für Deutschland dar. Bei den dargestellten Er- gebnissen handelt es sich um Erwartungswerte: Einspa- rungen können nur dann erzielt werden, wenn im Betrachtungszeitraum eine Pandemie auftritt. Bedingt

durch die Gewichtung der potentiellen Einsparungen mit

der Pandemiewahrscheinlichkeit im Betrachtungszeitraum

lägen die tatsächlichen Einsparungen dann jedoch um ein Vielfaches höher.

Limitationen: Da es sich um ein statisches Modell handelt, können die Effekte der Herdenimmunität im Modell nicht abgebildet werden. Darüber hinaus sind externe Effekte

(z.B. Zusammenbruch der öffentlichen Infrastruktur) nicht

im Modell berücksichtigt. Somit sind die Ergebnisse als

eher konservative Schätzung zu betrachten. SCHLUSSFOLGERUNG: Die Bevorratung eines prä-pan- demischen Impfstoffes führt zu erwarteten Netto-Kosten- einsparungen sowie zur Vermeidung einer beträchtlichen

Zahl von Todesfällen und stellt für Deutschland somit eine dominante Strategie dar.

zellen oder Herpes zoster, gestaffelt nach Altersgruppen.

Zusätzlich werden die Anzahl der Varizellen- und Masern- impfungen, sowie die Gesamtzahl der Patientenkontakte

pro Praxis berichtet. Für Patienten mit Varizellen-Kompli- kationen, Herpes zoster-Erkrankungen, und geimpfte Kin-

der    mit    Varizellen    (Durchbruchsinfektionen)    werden detaillierte Einzelfallbögen erhoben.

Ergebnisse: Von Oktober 2006 bis April 2008 wurden ins- gesamt 8.795 Varizellen-Neuerkrankungen bei 1.550.504 Patientenkontakten von insgesamt 88 Kinderarztpraxen ge- meldet. 64% der Varizellen-Erkrankungen traten bei Kin-

dern im Alter von 0-4 Jahren auf, 33% bei 5-9-Jährigen,

und 3% bei ³10-Jährigen Die Infektionen zeigten einen sai- sonalen Verlauf mit Frühjahrsgipfeln; es war ein Rückgang

der Erkrankungsmaxima von 11/1000 Patientenkontakten imApril 2007 auf 7/1000 Patientenkontakten im März 2008

zu beobachten. Komplikationen ereigneten sich bei 42 (0,5%) der Varizellenerkrankungen; 10 dieser    Kinder (0,1%) wurden hospitalisiert (3 mit bleibenden Schäden).

6 (14%) der 42 Kinder mit Komplikationen waren Varizel- len-geimpft, d.h. 1,6% von insgesamt 379 geimpften Kin-

dern mit Varizellen (4,3% aller Varizellenerkrankungen).

91% waren Durchbruchserkrankungen > 42 Tage nach Impfung; das Alter bei Impfung (Median, IQR) lag bei 1,9 Jahren (1,1-3,1), das Alter bei Erkrankung bei 3,8 Jahren (2,6-4,9). In den Praxen wurden 8,9 erste Varizellenimp- fungen / 1000 Patientenkontakte durchgeführt, im Vergleich

zu 12,3 ersten Masernimpfungen im selben Zeitraum. Zu- sätzlich traten 100 Herpes zoster - Erkrankungen auf, davon 9% bei Varizellen-geimpften Kindern. Das Alter der Herpes zoster- Fälle lag bei 9 Jahren (Median, IQR 5-12). Diskussion: Die erhobenen Daten erlauben detaillierte Analysen sowie erste, konservative Inzidenzschätzungen (51/1000 Kinder <17 Jahren im Jahr 2007). Jährlich ab- nehmende Fallzahlen sprechen für erste Erfolge der Impf- empfehlung von 2004. Nach wie vor ist die Epidemiologie

v.a. durch Varizellen bei ungeimpften Kindern bestimmt,

auch wenn die Zahl der Durchbruchsinfektionen zunimmt. Schlussfolgerung: Mehrjährige Datenerhebungen in gut abgegrenzten Regionen lassen eine zuverlässige Ab- schätzung der Veränderung der VZV-Epidemiologie erwar-

ten und tragen dazu bei, wichtige Fragen wie z.B. die Frage nach dem optimalen Zeitpunkt für die neuerdings empfoh-

lene zweite Varizellenimpfung zu beantworten.

PS30

Varizellenerkrankungen     und     -impfungen     in

Münchner Kinderarztpraxen -Ergebnisse aus

dem        Bayerischen        Varizellen-Surveillance-

Projekt (BaVariPro) 2006-2008

 

A. Streng  1, I. Schicker  1, A. Köhn  1, V. Grote  2, J. Liese

1 Dr.    von    Haunersches    Kinderspital,    Ludwig-Maximilians-

Universität München, München; 2Institut für Soziale Pädiatrie, Epi-

demiologie und Jugendmedizin, Ludwig-Maximilians-Universität München, München

 

Fragestellung: Seit 2004 besteht die generelle Empfeh-

lung der STIKO, alle Kinder zwischen 11 und 14 Monaten gegen Varizellen impfen zu lassen. Ziel des Bayerischen Varizellen-Surveillance-Projektes (BaVariPro) ist es, in einem regionalen, räumlich definierten Bereich (Stadt und Landkreis München) die Epidemiologie der Varizellen in

Folge der Impfempfehlung zu erfassen.

Methode: Seit Oktober 2006 melden 80-88 Kinderarztpra-

xen (d.h. ca. 2/3 aller Kinderarztpraxen in München) jeden Monat die Anzahl der Praxispatienten £ 16 Jahre mit Vari-

1

PS31

Erfassung von Komplikationen impfpräventabler

Erkrankungen (Varicella zoster-Virus, invasive

Pneumokokken, Rotavirus) an Kinderkliniken im

Rahmen eines Bayerischen Surveillance-

Projektes

 

A. Streng  1, A. Köhn  1, N. Henrich 1, V. Grote  2, J. Liese

1 Dr.    von    Haunersches    Kinderspital,    Ludwig-Maximilians-

Universität München, München; 2Institut für Soziale Pädiatrie, Epi-

demiologie und Jugendmedizin, Ludwig-Maximilians-Universität München, München

 

Fragestellung: Seit 2004 besteht die Impfempfehlung der

STIKO für Varizellen für alle Kinder im Alter von 11 bis 14

Monaten; seit 2006 für Pneumokokken für alle Kinder bis

zumAlter von 24 Monaten. Die Einführung einer generellen Rotavirus-Impfung wird derzeit diskutiert. Ziel des Surveil- lance-Projektes an bayerischen Kinderkliniken ist, verläss-

liche Basis- und Langzeitdaten zur Krankheitslast von impfpräventablen Erkrankungen zu ermitteln. Damit sollen

einerseits Auswirkungen von Impfempfehlungen auf die

Häufigkeit von Komplikationen abgeschätzt werden, ande-

rerseits belastbare Daten für potentielle neue Impfempfeh-

lungen erhoben werden.

Methode: Abfrage von ICD-10-Haupt- und Nebendiagno-

27

1



sen bei Entlassung für die Jahre 2005 und 2006 in bayeri-

schen Kinderkliniken zu Varizellen-, Herpes zoster-, inva- siven Pneumokokken-, und Rotavirus-Erkrankungen bei Kindern £16 Jahren. Zusätzlich wurden demographische Basisdaten sowie Aufnahmezeitpunkt, Aufenthaltsdauer

und Behandlung erhoben.

Ergebnisse: Am Projekt beteiligten sich 29 (71%) von 41 Kinderkliniken; die Teilnehmer repräsentieren ca. 80% aller pädiatrischen Klinikbetten in Bayern. Von Beginn 2005 bis

Ende 2006 waren insgesamt 8655 Kinder mit einer der un- tersuchten, potentiell impfpräventablen Erkrankung hospi- talisiert, davon 570 Kinder (6.7%) mit einer Varizellen-, 147 (1.7%) mit einer Herpes zoster-, 240 (2.8%)    mit einer Pneumokokken-, und 7698 (88.9%) mit einer Rotavirus- Infektion. Varizellen-, Pneumokokken- und Rotavirus-In- fektionen zeigten eine klare Saisonalität sowie gehäuftes Auftreten bei Kindern < 5 Jahren. Bei jeweils ca. 40% der Varizellen- und Herpes zoster-Fälle traten schwerwiegen- dere Komplikationen auf; darunter 7 (1.2%) Varizellen-Pa- tienten mit Meningitis, 11 (1.9%) mit Encephalitis, und 14 (2.5%) mit Pneumonie, sowie 3 (2.0%) Herpes zoster-Pa- tienten mit Zoster-Meningitis, 5 (3.4%) mit Zoster-Ence- phalitis, 2 (1.4%) mit Zoster generalisatus, 17 (11.6%) mit Zoster ophtalmicus, und 25 (17.0%) mit anderen Kompli- kationen des Nervensystems. Unter den 240 Pneumokok- ken-Patienten           waren           39           (16%)           mit Pneumokokken-Meningitis und 69 (29%) mit Pneumokok- ken-Sepsis; 84 (35%) hatten eine Pneumokokken-Pneu- monie. Rotavirus-Gastroenteritis war in 80% aller Fälle der Anlass (Hauptdiagnose) der Hospitalisierung; bei 20% war

sie Begleitinfektion. Todesfälle ereigneten sich bei 1 (0.2%) Varizellen-Patienten und 4 (1.7%) Kindern mit invasiven Pneumokokken; Rotavirus-Gastroenteritis lag bei 5 (0.1%) Todesfällen mit schweren angeborenen Vorerkrankungen

als Nebendiagnose vor (ursächliche Beteiligung unklar). Diskussion: Analysen von 2005 und 2006 zeigen die hohe Gesamtbelastung der Kliniken durch Rotaviren und liefern Basis-Daten zu Komplikationshäufigkeiten bei verschiede-

nen potentiell impfpräventablen Erkrankungen. Schlussfolgerung: ICD-10-Abfragen ermöglichen die langfristige Erfassung von impfpräventablen Hospitalisa- tionen und eignen sich damit zur Erfolgskontrolle und zur Planung von Impfempfehlungen.

„elterliche Betroffenheit" (11 Fragen) an. Die Fragen wur-

den in geschlossener Form gestellt mit Ausnahme der el- terlichen Betroffenheit (6-punktige Likert-Skala). Die Eltern gaben bis zu zwei Dimensionen an, die sie am schlimm-

sten empfunden haben. Eine Gesamteinschätzung wurde mittels einer visuellen Analogskala mit Endpunkten von 0

für den schlechtesten und 100 für den besten Gesund- heitszustand bestimmt.

Der klinische Schweregrad wurde mit einer modifizierten Vesikari-Skala gemessen (Modifikation = Weglassen der Frage nach dem Grad der Dehydrierung bestand; Vesikari- Score 2-9 = klinisch leicht, 10-17 = klinisch schwer). Die Übereinstimmung der elterlichen Gesamteinschätzung und

des Vesikari-Scores wurde mittels multivariater linearer Re- gressionen durchgeführt.

Ergebnisse:

Klinische Symptome wurden von 72,4%, Verhaltensym- ptome und die körperliche Verfassung von 51,2%, elterli-

che Betroffenheit von 10,3% als eine der schlimmsten Dimensionen angeben.

Die Gesamteinschätzung lag bei 54,6 für leichte und 33,9

für schwere Fälle (p<0,001). Gesamteinschätzung und Schweregrad korrelierten (R²=0,21). Signifikante Variablen

zur Erklärung der Gesamteinschätzung waren Dauer des Erbrechens, hohes Fieber, Grad der medizinischen Ver- sorgung, verminderte Nahrungsaufnahme, Änderungen

des Schlafverhaltens, Lethargie, Schmerz, perianale Rö-

tung, Hilflosigkeit der Eltern, Einschränkungen in Alltags- aktivitäten, Angst um das erkrankte Kind und Alter des Kindes (R²=0,39).

Schlussfolgerungen:

Durchfallerkrankungen wurden als eine große Belastung wahrgenommen. Medizinisch weniger bedeutendeAspekte spielten bei der Einschätzung eine signifikante Rolle. Der klinische Schweregrad umfasst wesentliche Aspekte, eine Gesamteinschätzung sollte aber auch Verhaltenssym- ptome, körperliche Verfassung und die elterliche Betrof- fenheit berücksichtigen.

 

Literatur: Huppertz et al. The parental appraisal of the mor- bidity of diarrhea in infants and toddlers (PAMODI) survey. Clinicla Peadiatrics 47;2008:363-371

PS32

Vergleich der elterlichen Einschätzung der Krank- heitsbelastung durch Durchfallerkrankungen bei

Säuglingen und Kleinkindern mit klinischen

Maßen des Schweregrades

 

H.-I. Huppertz 1, J. Forster 2, U. Heininger 3, R. Roos 4, H.-U. Neu-

mann 5, T. Hammerschmidt6

1 Klinikum Bremen Mitte, Bremen; 2St. Josef-Krankenhaus, Frei-

burg; 3Universitätskinderspital beider Basel, Basel, Seychelles;

Städt. Krankenhaus München-Harlaching, München; 5Kinderarzt- praxis, Hamburg; 6GlaxoSmithKline, München

 

Hintergrund:

Durchfallerkrankungen sind die Hauptursache für unge- plante Arztbesuche in den ersten Lebensjahren. Ziel der Studie war, Einflussparameter auf die elterliche Einschät- zung der Krankheitsbelastung im Vergleich zum klinischen Schweregrad zu untersuchen.

Methode:

Der standardisierte PAMODI-Fragebogen wurde von 2,023 Eltern mit einem Kind unter 2 Jahren mit Durchfall an zwei konsekutiven Tagen in den vergangenen 6 Monaten beim Arztbesuch ausgefüllt. Die Eltern gaben ihre Wahrnehmung

der Durchfallerkrankung in den Dimensionen „klinische Symptome" (8 Fragen), „Behandlung" (4 Fragen), „Verhal- tenssymptome/körperliche Verfassung" (12 Fragen) und

4

PS33

Pertussis-Impfung bei Erwachsenen mit Kombinationsimpfstoffen an einem

Universitätsklinikum

 

M. Spielmann 1, J.-B. du Prel  2, F. Schaaff  2, A. Viertel  1, B. Jansen ,

3

2

F. Zepp

1

Betriebsaerztliche Dienststelle, Universitaetsmedizin der Johan-

nes Gutenberg-Universitaet, Mainz; 2Zentrum fuer Kinder- und Ju-

gendmedizin,         Universitaetsmedizin         der         Johannes Gutenberg-Universitaet, Mainz; 3Abt. Hygiene und Umweltmedi- zin, Universitaetsmedizin der Johannes Gutenberg-Universitaet,

Mainz

 

Fragestellung

Beim Erwachsenen verläuft Keuchhusten meist mild, mit

nicht typischer Symptomatik und wird daher oft nicht oder verspätet diagnostiziert. Die Immunität wird nach Impfung

und Infektion mit weniger als zehn Jahren angegeben. Seit

2004 ist die Monovakzine gegen Pertussis nicht mehr ver- fügbar. Daher kann die Pertussis-Impfung nur als TdaP-

oder TdaP-IPV-Kombinationsimpfung erfolgen.

In der Praxis wird der Betriebsarzt demzufolge oftmals vor

die Frage gestellt, ob er bei Einstellungsuntersuchungen,

die den Bereich Pädiatrie/Gynäkologie u. a. betreffen, ent- weder off-label impft, d.h. die TdP-/IPV-Impfung früher als

5 Jahre nach der letzten Tetanus-Impfung verabreicht oder

aber den Infektionsschutz gegenüber Pertussis vernach- lässigt und erst 5 Jahre nach letzter Td-Applikation Per-

28



tussis impft.

Material und Methode

Untersuchungen von Scott et al. weisen darauf hin, dass TdP-Kombinations-Impfstoffe auch früher als 5 Jahre nach Td-Impfung ohne schwerwiegende Nebenwirkungsrisiken applizierbar sind. In der Betriebsärztlichen Dienststelle der Universitätsklinik Mainz wurden zur Sicherstellung eines adäquaten Impfschutzes Tdp-Impfungen auch bei voran- gegangener Td-Impfung (< 5 Jahre) verabreicht.

Seit 2006 wird in der Betriebsärztlichen Dienststelle am Universitätsklinikum Mainz eine freiwillige Mitarbeiterbe- fragung zur Erfassung lokaler und systemischer Neben- wirkungen bei frühzeitiger TdP-Impfung durchgeführt. Für

die Untersuchung wurden die Impflinge in drei Gruppen eingeteilt: Gruppe 1: letzte Td-Impfung 4 Wochen bis 4

Jahre zurückliegend; Gruppe 2: letzte Td-Impfung vor 5 bis

9 Jahren; Gruppe 3: letzte Td-Impfung >10 Jahre zurück- liegend. Für lokale Nebenwirkungen wurden Rötung, Schwellung und Schmerzen an der Einstichstelle, für sy- stemische Nebenwirkungen Fieber und sonstige Sym- ptome dokumentiert.

Ergebnisse

In Gruppe 1 wurden lokale Symptome am häufigsten be- richtet. Systemische Nebenwirkungen in Form von leich-

tem Fieber, Übelkeit und Erbrechen waren selten. In Gruppe 2 traten lokalen Nebenwirkungen um die Hälfte sel- tener und systemische Nebenwirkungen nur ganz spora- disch auf. Für Gruppe 3 wurden wenige lokale und vereinzelte systemische Nebenwirkungen berichtet. In der gesamten Studienpopulation wurden keine schweren loka-

len oder systemischen Nebenwirkungen beobachtet.

Diskussion

Eine Pertussis-Impfung ist für medizinisches Personal rat-

sam, um die Ansteckung von Risikopatienten zu verhin-

dern.           Gegenwärtig           stehen           ausschließlich Td-Pertussis-Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung, so

dass häufiger als von der STIKO empfohlen, eine TdP-Auf- frischimpfung erwogen werden muss.

Schlussfogerung

Die vorliegenden Ergebnisse weisen darauf hin, dass der

von STIKO und Impfstoffherstellern empfohlene Zeitraum

von fünf Jahren für die Gabe von Tdp-Kombinationsimpf- stoffen nach erfolgter TD-Impfung zeitlich verkürzt werden

kann.

deren Kosteneffektivität, haben kann.

Methodik

Anhand der HTAs zum 7valenten Pneumokokkenkonjugat- Impfstoff    (PCV)    sowie    zur    Masern-Mumps-Röteln- Impfung (MMR) wird exemplarisch der Einfluss der Herdenimmunität auf die Kosteneffektivität untersucht.

Ergebnisse

Gemessen an den direkten Kosten erweist sich ein gene- relles Impfprogramm mit PCV bei Kindern im Alter von

unter zwei Jahren als kosteneffektiv, wenngleich eine Ko- stenneutralität mit der individuellen Wirksamkeit in der im- munisierten Zielpopulation allein nicht erreicht werden

kann. Erst der Effekt von PCV auf die Keimträgerrate (asymptomatische Besiedlung des Nasen-Rachen-Raums)

und die daraus resultierende Herdenimmunität in nicht-im- munisierten Bevölkerungsteilen induziert weiter reichende Kostenersparnisse in Form von vermiedenen Behand- lungskosten. Für Deutschland liegt bis dato keine vollstän-

dige gesundheitsökonomische Evaluation der MMR vor.

Bei sich epidemisch ausbreitenden Infektionskrankheiten,

wie z. B. Masern, gefährdet eine geringere Herdenimmu-

nität in Folge einer unzureichenden Impfrate gegebenen-

falls den Erfolg, da Infektionen, die infolgedessen im höheren Alter auftreten, meist mit schwereren Folgen und vermehrter Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen verbunden sind. Anders jedoch bei nicht-epidemischen Krankheitserregern: hier wirken sich bereits Herdenimmu- nitätseffekte auf Basis niedriger Impfraten positiv auf die Kosteneffektivität aus, die sich mit zunehmender Impfrate

verbessert.

Schlussfolgerung

Nicht nur aus medizinischer und epidemiologischer Sicht, sondern auch aus gesundheitsökonomischer Sicht ist die Reduzierung der Keimträgerrate bei sich nicht-epidemisch ausbreitenden Krankheitserregern und die daraus resultie- rende Herdenimmunität ein Schlüsselfaktor, etwa hinsicht-

lich der Kosteneffektivität des 7valenten PCV. Bei sich epidemisch ausbreitenden Krankheitserregern ist der Er-

halt einer ausreichend hohen Durchimpfungsrate notwen-

dige Voraussetzung für eine Eindämmung.
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Abstract 1. Nationale Impf-Tagung 2009
« Reply #5 on: March 08, 2009, 07:52:33 AM »

PS34

Die Bedeutung von Herdenimmunität bei der gesundheitsökonomischen Evaluation und

Bewertung (HTA) von Impfprogrammen

Chr. Claes1

1

Forschungsstelle für Gesundheitsökonomie, Hannover

PS35

Schwere intensivstationspflichtige Influenzavi- rus-Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen

- Ergebnisse aus der ESPED-Erhebung 2005-2008

J. Liese 1, V. Grote  2, A. Streng1

1

Antimikrobielle Therapie und Infektionsimmunologie, Dr. von Hau-

nersches Kinderspital, Ludwig-Maximilians-Universität, München;

2

Institut für Soziale Pädiatrie und Jugendmedizin, Ludwig-

Maximilians-Universität, München

 

Fragestellung: Bisher gibt es keine systematischen Daten

zu schweren Influenza-assoziierten Komplikationen bei

Kindern in Deutschland. Ziel der ESPED-Erhebung (Erhe- bungseinheit für seltene pädiatrische Erkrankungen in Deutschland) war die Erfassung der Häufigkeit und Thera-

pie intensivstationspflichtiger Komplikationen sowie die Er-

fassung       von       Todesfällen       im       Rahmen       von Influenza-Infektionen im Kindesalter.

Methode: Über das ESPED-Meldesystem (monatliche

Nachfrage bei allen deutschen Kinderkliniken) wurden von

Oktober 2005 bis Juli 2008 Patienten mit folgender Fallde-

finition monatlich abgefragt: Kind £ 16 Jahre mit laborbe-

stätigter Influenza, das im Krankenhaus im Rahmen einer Influenza-Infektion verstirbt oder auf einer Intensivstation

aus mindestens einem der folgenden Gründe behandelt

werden muss: beatmungspflichtig, CPAP-bedürftig, Enze-

phalitis / Enzephalopathie, Bronchitis / Bronchiolitis, kom-

plizierter Fieberkrampf, Influenza-assoziierte Pneumonie,

sekundäre bakterielle Pneumonie, Status asthmaticus,

29

Hintergrund und Fragestellung

In jüngster Zeit werden Impfprogramme verstärkt mit Hilfe

von Health Technology Assessments (HTA) bewertet. HTA bezeichnet einen Prozess der systematischen Beurteilung medizinischer Verfahren und Technologien in Bezug auf Si- cherheit, Wirksamkeit und Kosten im Vergleich zum Nut-

zen unter Einbindung epidemiologischer Fragestellungen. Ferner sind soziale, rechtliche und ethische Effekte zu be- rücksichtigen. Im Vergleich zu anderen medizinischen Ver- fahren ist die Besonderheit an der Bewertung von Impfprogrammen, dass sich zusätzlich zum Schutz des In- dividuums gegen Infektionen ein weiterer positiver exter-

ner Effekt herausbilden kann: immunisierte Individuen

fallen als Krankheitsüberträger aus, wodurch das Anstek- kungsrisiko im Umfeld abnimmt. Dieser Kollektivschutz wird allgemein als Herdenimmunität bezeichnet. Die Fragestel-

lung ist nunmehr, welche Relevanz die Herdenimmunität

für die Bewertung von Impfprogrammen, insbesondere



Sepsis, Myokarditis. Zu den Meldungen wurden detaillierte

Fragebögen erhoben.

Ergebnisse: Es gingen insgesamt 23 Meldungen aus 17 Kinderkliniken ein; zu 20 Meldungen (9 in der Saison 2005/2006, 6 in 2006/2007 und 5 in 2007/2008) aus 14 Kli- niken wurden Fragebögen ausgefüllt. Die Patienten waren zwischen <1 Monat und 15 Jahre alt (Median 7,5 Jahre); 12 waren männlich, 8 weiblich. Eine prädisponierende Grund- erkrankung, darunter am häufigsten chronische Lungener- krankungen, wurde bei 11 Patienten (55%) angegeben.

Acht Kinder (40%) hätten nach den Empfehlungen der STIKO geimpft sein können. Bei 14 der 20 Kinder lag mehr

als ein Meldegrund vor. Häufigster Meldegrund war eine In- fluenza-assoziierte Pneumonie (n=12/60%), gefolgt von Bronchitis / Bronchiolitis (n=6/30%). Sekundärer bakterielle Pneumonie, Enzephalitis / Enzephalopathie undARDS tra-

ten bei je 5 Patienten (25%) auf. Bei 13 Kindern (65%) wurde eine Influenza Typ A-, bei 5 (25%) eine Typ B- In- fektion nachgewiesen (2 unbekannt). Die Patienten waren

im Median 11,0 Tage intensivstationspflichtig (IQR: 6,25- 17,75) und 17.5 Tage in stationärer Betreuung (IQR 10.25- 23.5). Die häufigsten Therapiemassnahmen waren die

Gabe von intravenösen Antibiotika (n=18/90%), von Inha- lationen (n=12/60%), von Oseltamivir (n=10/50%), und von Katecholaminen (n=8/40%). Sieben Kinder (35%) benötig-

ten eine intratracheale Beatmung, und 5 Kinder (25%) eine CPAP-Beatmung. Bleibende bzw. möglicherweise blei- bende Defekte wurden für 2 bzw. 6 Patienten angegeben;

und es wurden 2 Influenza-assoziierte Todesfälle berichtet. Diskussion: In der vorliegenden ESPED Studie wurden Deutschlandweit zwischen 5 und 9 intensivstationäre Influ- enzaerkrankungen pro Saison bei Kindern £ 16 Jahre er- fasst. Für die relativ geringe Fallzahl können neben der geringen bis mittleren saisonaler Influenza-Aktivität auch weitere Ursachen wie eine Unterdiagnose von Influenza

oder eine fehlende Meldung diagnostizierter Influenza-Er- krankungen in Frage kommen.

Schlussfolgerung: Zur genaueren Erfassung der Inzidenz

von schweren, intensivstationspflichtigen Influenza-Infek- tionen in Deutschland ist eine prospektive Studie mit ge- nerellem    symptombezogenen    Influenza-Screening    in pädiatrischen Intensivstationen sinnvoll.

Schülern durchgeführt. Anschließend wird den Schülern

das Impfbuch mit der Impfempfehlung ausgehändigt um die fehlenden Impfungen beim Kinder- bzw. Hausarzt durch- führen zu lassen. Seit 2003 wird auch allen 228 Kinderta- ges-einrichtungen in Essen eine Impfberatung anhand der Kindergartenkarteikarte angeboten. Laut Infektionsschutz- gesetz sind    Gesundheitsämter nur verpflichtet bei der Schuleingangsuntersuchung (SEU) die Impfdaten zu erhe-

ben. In Essen werden diese Daten zusätzlich in das Impf- register (Gumax) eingegeben. Bisher ist nicht bekannt, in welchem Umfang die Impfberatung die Impfraten steigert.

Beim hier geplanten EDV-gestützten Meldesystem sollen

daher die durchgeführten Impfungen nach der Impfbera-

tung bei Kindergarteneintritt, bei der SEU und in den 7. Klassen genau erfasst werden. Um die Meldungen der durchgeführten Impfungen an das Gesundheitsamt so ein-

fach als möglich zu gestalten, wurde ein elektronisches Meldesystem in Kooperation mit der Fakultät für Gesund- heitswissenschaften der Universität Bielefeld entwickelt. Zunächst wurden die Kinder- und Jugendärzte in Essen an- hand eines Infobriefes über das geplante EDV Meldesy-

stem informiert. Mit Hilfe eines Fragebogens wurde das vorhandene Softwareprogramm (z. B. Turbostar, Albis) er- fragt. Die Studenten erstellten eine Eingabemaske mit Hilfe

von Visual Basic for Applications (VBA)für die Eingabe der Impfdaten. Diese werden für den Datentransfer verschlüs- selt, als Exceltabelle an das Gesundheitsamt übermittelt

und dort in das Impfregister eingegeben.

Zielsetzung

Das Ziel dieses Projekt ist es zu untersuchen, ob die Impf- empfehlungen des Kinder- und Jugendgesundheitsdien-

stes bei Kindergarteneintritt, bei der SEU und in der 7.Klasse umgesetzt werden und zu höheren Durchimp- fungsraten führen d.h es soll geprüft werden wie effektiv die Impfberatung des KJGD ist? Die Impfberatung und das Impfregister in Verbindung mit dem Meldesystem über durchgeführte Impfungen könnten ein geeignetes Verfah-

ren sein um fehlende Impfungen aufzudecken, die Steige-

rung der Impfraten zu messen und damit Impflücken zu

schließen.

PS36

EDV-gestütztes Meldesystem der durchgeführten Impfungen bei Kinder-und Jugendärzten an das Gesundheitsamt Essen

 

H. Roggendorf 1, S.Scholz  1, K.Wibowo 1, A.Krämer2

1 Kinder-und Jugendgesundheitsdienst,GA Essen,

2Fakultät für Gesundheitswissenschaften,Universität Bielefeld

 

Fragestellung

Der Masernausbruch in NRW im ersten Halbjahr 2006 hat eindrücklich gezeigt, dass die Impfraten gegen eine Ma- sernerkrankung nicht ausreichend sind. Eine Analyse der Altersverteilung zeigte, dass vor allem ältere Kinder und Jugendliche erkrankt waren. Verschiedene Strategien sind notwendig um die Durchimpfungsraten zu verbessern und damit solche Epidemien zu verhindern. Ziel dieses Projekts

ist, ein System zu implementieren mit dem der Anstieg der Durchimpfungsrate durch die gezielte Impfberatung des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes festgestellt wer-

den kann.

Projektbeschreibung

Die Impfraten bei Kindern und vor allem Jugendlichen in

der BRD sind noch nicht ausreichend. Diese Altersgruppe wurde vom Kinder- und Jugendgesundheitsdienst (KJGD)

in Essen bereits im Jahr 2000 als Risikogruppe erkannt und seitdem werden jährliche, individuelle Impfberatungen an-

hand des Impfausweises in allen 7. Klassen bei ca. 5000

Unerwünschte Arzneimittelnebenwirkungen

(UAW) Erfassung und Risikokommunikation

 

PS37

Nebenwirkungen der Influenzaimpfung

 

S. Wicker  1, H. F. Rabenau 2, H. W. Doerr  2, R. Allwinn2

1 Betriebsärztlicher Dienst, Universitätsklinikum Frankfurt, Frank-

furt; 2Institut für Medizinische Virologie, Universitätsklinikum

Frankfurt, Frankfurt

 

EINLEITUNG: Die Akzeptanz der Influenzaimpfung ist so-

wohl innerhalb der Allgemeinbevölkerung als auch bei de- finierten Risikogruppen unbefriedigend. Als Begründung

sich nicht impfen zu lassen, wird häufig die Angst vor Ne- benwirkungen genannt.

METHODEN: Anonyme Fragebogenerhebung im Hinblick

auf die Verträglichkeit der Influenzaimpfung bei einem Kol-

lektiv von Beschäftigten eines deutschen Universitätsklini- kums. Die Beschäftigten erhielten den Fragebogen im Rahmen ihrer Impfung und sollten diesen 7-10 Tage nach

der Impfung an den Betriebsärztlichen Dienst zurücksen-

den.

ERGEBNISSE: Zwischen Oktober 2007 und März 2008 wurden im Betriebsärztlichen Dienst des Universitätsklini-

kum Frankfurt insgesamt 1.198 Beschäftigte gegen Influ-

enza geimpft. Insgesamt 84,8% (n = 1.1016) der Mitarbeiter sandten den Fragebogen bezüglich „Nebenwir- kungen der Influenzaimpfung" zurück. Insgesamt 17,7% (n

= 180) der Mitarbeiter beschrieben Symptome, die sie ur-

30



sächlich auf die durchgeführte Influenzaimpfung bezogen.

 

Die Rate systemischer Nebenwirkungen war verhältnis- mäßig gering (10,0%, n = 102), keiner der Befragten zeigte Fieber > 38.5°C. Subfebrile Temperaturen < 38.5°C wurde

von 1,6% (n = 16) sowie Kopf- und Gliederschmerzen von 8,5% (n = 86) der Befragten beschrieben. Diese Be- schwerden traten von Tag 0 bis Tag 3 nach der Impfung

auf.

 

Lokale Symptome (Rötung, Schwellung, Schmerzen) an

der Impfstelle wurden von 13,1% (n = 133) der Befragten angegeben. Schwerwiegende Nebenwirkungen wurden nicht gemeldet.

 

Interessanter weise zeigten mehr Frauen als Männer Ne- benwirkungen (20,2% vs. 13,3%; p < 0.01).

 

Lediglich 0,9% (n = 9) der Geimpften gaben an, sich auf- grund der beobachteten Nebenwirkungen in der Folgesai-

son nicht mehr gegen Influenza impfen lassen wollen, insgesamt 1,6% (n = 15) waren zum Zeitpunkt der Befra- gung diesbezüglich noch unentschlossen

 

DISKUSSION: Unsere Studie belegt eine insgesamt gute Verträglichkeit des Influenzaimpfstoffes. Angegebene Ne- benwirkungen klangen nach wenigen Tagen ab. Die Er- gebnisse können etwaige Bedenken gegenüber den Influenzaimpfstoff relativieren und beispielsweise alsArgu- mentationshilfe bei der Aufklärung von Risikogruppen die-

nen.

SCHLUSSFOLGERUNG: Gute Verträglichkeit des Influ- enzaimpfstoffes in einem großen Kollektiv von Arbeitneh-

mern.

fung für Masern, Mumps und Röteln erfolgte bei 94,9%. Die

vierte Sechsfachimpfung wurde bis zum Ende des 2. Le- bensjahres bei 89,8% durchgeführt, eine zweite MMR-Imp-

fung erfolgte nur bei 79%. 68% der Frühgeborenen wurden gegen Varizellen geimpft. Bei 2% der gegen Varizellen geimpften Kinder traten nach Angabe der Eltern trotzdem Windpocken auf.

 

Die Grundimmunisierung gegen Pneumokokken fehlte bei

7,2% der Kinder, die erste Auffrischimpfung gegen Pneu- mokokken sogar bei 23,9%. Bei 68,8% erfolgte eine Imp-

fung    gegen    Meningokokken.    Eine    RSV-Prophylaxe erhielten 32,4% der erfassten Kinder.

 

Impfungen gegen FSME wurden bei 17,6% durchgeführt, obwohl 71% der Impfdaten aus Bayern und Baden-Würt- temberg stammen.

 

In unserem Fragebogen gaben 20,2% der Eltern an, dass

ihr Kind nach den Impfungen unter leichten Nebenwirkun-

gen wie Fieber, Schlafstörungen oder einer leichten Lokal- reaktion litt. Bei 2 Frühgeborene (1,1%) traten schwerere Nebenwirkungen auf, die sich in Form einer abfallenden Sauerstoffsättigung und einer Bradykardie äußerten.

 

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Erst- impfungen bei Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht

unter 1500 g in Deutschland konsequent in fast 100% durchgeführt werden und dass von den Eltern keine we- sentlichen Nebenwirkungen mitgeteilt werden. Unzurei- chend sind die Nachimpfungen, u.a. die Wiederholung der Sechsfach-Impfung und der Pneumokokken-Impfung im 2. Lebensjahr und die zweite MMR-Impfung. Die Meningo- kokken-Impfung wird nur mäßig angenommen. Insgesamt

sollte bei dieser Risikogruppe die Strategie zur Verbesse-

rung der Wiederholungsimpfungen verbessert werden.

PS38

Erhebung des Impfstatus bei Frühgeborenen mit

einem Geburtsgewicht unter 1500 g im Alter von

2 Jahren - eine deutschlandweite Erhebung

B. Ziegler 1, M. Strassburg1

1

Universitäts-Kinderklinik, Würzburg

PS39

Der Einfluss impfkritischer Internetseiten auf die

Wahrnehmung von Risiken des Impfens

C. Betsch  1, F. Renkewitz  1, T. Betsch  1, C. Ulshöfer1

1 CEREB - Center fpr empirical research in economics and beha-

vioral science / Psychologie, Universität Erfurt, Erfurt

 

Fragestellung

Die WHO kritisiert an Deutschland allgemeine Impfmüdig-

keit; aktuell ist beispielsweise wieder ein Anstieg der Ma- serninzidenz zu verzeichnen; das Ziel, die Masern bis 2010

in Europa auszurotten, ist nicht unwesentlich durch deut-

sche Impfgegner bedroht (Muscat et al., 2009). Besonders

in Internet werden kontroverse Diskussionen zu Impfrisi-

ken geführt. Das Internet ist ein verfügbares, immer häufi-

ger auch zur Suche nach medizinischen Informationen

genutztes Medium (Hüfken et al., 2004). Verschiedene Pu-

blikationen machen u.a. das Internet für einen Rückgang

von Impfquoten verantwortlich (z.B. Meyer & Reiter, 2004).

Ein möglicher Mechanismus könnte eine Veränderung der Risikowahrnehmung sein, da gesundheitspsychologische

Theorien darauf verweisen, dass präventive Gesundheits- entscheidungen v.a. durch Risikowahrnehmung determi-

niert sind (Brewer et al., 2007; Weinstein, 1993). Daher

untersucht diese Studie, inwiefern das Internet die Wahr-

nehmung von Risiken des Impfens und des Nicht-Impfens

beeinflusst.

Material und Methode

In einer Internetstudie (N=324) wurde die Suchumgebung

manipuliert. Zufällig wurden den Probanden verschiedenen

Seiten zugewiesen (eine typische impfkritische Seite; vgl. Zimmerman et al., 2005; eine Kontrollseite der Bundes-

zentrale für gesundheitliche Aufklärung und beide). Ferner

31

Von der STIKO wird seit 1996 empfohlen, Impfungen auch

bei extrem und sehr Frühgeborenen unabhängig vom Ge- burtsgewicht im chronologischen Alter vorzunehmen. Daten über die Umsetzung dieser Empfehlung liegen in Deutschland bisher praktisch nicht vor. Seit 2005 wird von

den Perinatalzentren der Stufe I gefordert, dass eine stan- dardisierte entwicklungsdiagnostische Untersuchung im

Alter von 2 Jahren stattfindet, was meist in einem Sozial- pädiatrischen Zentrum oder einer Säuglingsneurologischen Ambulanz erfolgt.

 

Wir haben 2007 damit begonnen, die Sozialpädiatrischen Zentren in Deutschland und die Nachsorge-Ambulanzen

der großen Kinderkliniken zu bitten, bei diesem Nachun- tersuchungstermin eine Kopie des Impfausweises der Kin-

der anzufertigen und einen kurzen Fragebogen zu Nebenwirkungen bei den Impfungen von den Eltern aus- füllen zu lassen. Außerdem wurde eine Internetseite www.impfungen-fruehgeborene.de eingerichtet, durch die sich Eltern mit frühgeborenen Kindern an der Studie betei-

ligen konnten.

 

Bisher konnten Impfausweise von 176 Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1500 g der Geburtsjahrgänge 2004 bis 2006 mit Geburtsgewichten von 480g bis 1498g ausgewertet werden. Dabei konnte bei 97,5% der Frühge- borenen eine regelrechte Grundimmunisierung mit dem Sechsfach-Impfstoff festgestellt werden.Auch die Erstimp-











wurde variiert, welchen Fokus die Suche hatte (Testen der

Annahme, dass Impfen/Nicht-Impfen zu Risiken führt vs.

keine spezifische Annahme). Vor und nach der Internetsu-

che wurden Risikoeinschätzungen und Impfintentionen er-

hoben.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass 5-10 Minuten Informations- suche auf der impfkritischen Seite dazu führen, dass Imp-

fen als risikoreicher eingeschätzt wird. Gleichermaßen wird

das Unterlassen von Impfungen als weniger risikoreich be- trachtet (Abb.1). Der Suchfokus hatte keinen Einfluss auf

die Risikowahrnehmung, d.h. die Informationen auf den impfkritischen Seiten hatten einen generellen Effekt, unab- hängig davon, ob nach Risiken des Impfens oder des Nicht-Impfens gesucht wurde. Die Intentionen, dem eige-

nen Kind vier von der STIKO empfohlene Impfungen (sechsfach, MMR, Windpocken, Meningokokken) zukom-

men zu lassen, sanken nach der Suche auf der impfkriti- schen Seite signifikant ab. Eine Fokussierung auf Impfrisiken bei der Suche trug ebenfalls zur Verringerung

der Intentionen bei. EineAnalyse der Internetseiten ergab,

dass insbesondere die wahrgenommene Bedrohlichkeit

der Seite die Risikoeinschätzung beeinflusst. Die Bedroh- lichkeit wurde insbesondere auf der impfkritischen Seite als hoch eingeschätzt; die Bedrohlichkeit wurde v.a. durch die Veröffentlichung von Einzelfallberichten (z.B. persönliche Schilderungen von erlebten, angeblichen Impfschäden) be- einflusst (Abb.2). Wenn Personen habituell dazu neigen, Urteile auf Gefühlen zu basieren (eine sogenannte „prefe- rence for intuition" haben, vgl. Betsch, 2004, 2007), zeigt sich dieser Effekt besonders ausgeprägt. Dies weist dar-

auf hin, dass besonders die Emotionen undAffekte, die auf

den impfkritischen Seiten ausgelöst werden, die Risiko- wahrnehmung beeinflussen.

Diskussion und Schlussfolgerung

Insgesamt zeigt diese Studie, dass bereits eine kurze Suche auf impfkritische Seiten im Internet zu einer erheb- lichen Veränderung in der Risikowahrnehmung führen kann

mit der Folge, dass die Intention, Säuglinge und Kleinkin-

der zu impfen, sinkt. Auf der Grundlage der identifizierten Prozesse können Empfehlungen für die Gestaltung von Impfkampagnen abgeleitet und Strategien für den Umgang

mit ‚Internet-informierten Eltern entwickelt werden.

Immunologie

 

PS40

AS03-adjuvantierter    präpandemischer    H5N1-

Impfstoff: Die Immunisierung mit einer Einzeldo-

sis des Clade-1-Impfsstamms führt zu einer

starken Immunantwort nach Booster-Impfung mit

dem Clade-2-Stamm

 

W. Jilg 1, T. Schwarz 2, T. Horacek 3, M. Knuf 4, H.-G. Damman , F.

Roman 6, R. Sänger 6, P. Gillard6

1

Universität Regensburg, Institut f. Med. Mikrobiologie u. Hygiene,

Regensburg; Stiftung Juliusspital Würzburg, Würzburg; For- schungszentrum Ruhr, Witten; 4Johannes Gutenberg-Universität, Pädiatrische Infektiologie, Mainz; 5Klinische Forschung Schwerin, Schwerin; 6GSK Biologicals, Rixensart, Belgien

 

Fragestellung: Vor dem Hintergrund einer drohenden In- fluenzapandemie durch den Influenza-Subtyp H5N1 ist die Entwicklung eines Impfstoffs, der in der Lage ist, eine Im- munität gegen mögliche Drift-Stämme von H5N1 mit Pan- demiepotential zu induzieren von hoher Priorität. Zwei Dosen des in Europa zugelassenen AS03-adjuvantierten präpandemischen Clade-1-H5N1-Impfstoffs von Prepan-

drix™ (ein Warenzeichen der GlaxoSmithKline Gruppe)

rufen Kreuzimmunität gegen H5N1-Stämme unterschiedli-

cher Clades hervor.

 

Die Persistenz der Grundimmunisierung nach 1 oder 2 Impfdosen Prepandrix™und die Immunantwort auf eine he- terologe Auffrischungsimpfung mit einem AS03-adjuvan- tierten Clade-2,1-H5N1-Impfstoff wurde ausgewertet.

Material und Methode: In einer unverblindeten, randomi-

sierten Phase II-Studie der erhielten erwachsene Proban-

den (18 bis 60 Jahre eine Erstimmunisierung mit 1 Dosis (n

= 56), oder 2 Dosen im Abstand von drei Wochen (n = 50)

des präpandemischen Impfstoffs Prepandrix™ (AS03-ad- juvantiert,      3,75      µg      Hämagglutinin-(HA)      A/Viet- nam/1194/2004-(H5N1)-NIBRG-14-Clade-1); gefolgt von

einer Booster-Dosis mit 3,75 µg HA des AS03-adjuvantier-

ten    A/Indonesia/5/2005-(H5N1)-IBCDC-RG2-Clade-2,1 Impfstoffs. Hämagglutinationshemmende (HI) Serumanti- körpertiter (Tag 0, 21, 42, Monat 6, Monat 6 + 7 Tage) gegen beide Impfstämme wurden untersucht und Seropro- tektionsraten    (SPR)    mit    95%    Konfidenzintervallen ([95%CI]) errechnet. Lokale und Allgemein-Symptome,

sowie    schwerwiegende    Ereignisse    wurden    erfragt.

(107495/NCT00430521)

Ergebnisse: Beide Impfschemata (1-Dosis-Priming bzw 2- dosen Grundimmunisierung), gefolgt von einer Auffri- schungsimpfung 6 Monate später mit dem heterologen Stamm, induzierten bereits nach 7 Tagen eine vergleich-

bare, sehr starke Immunantwort gegen beide Impfstämme.

 

Seroprotektionsrate gegen A/Vietnam/1194/2004 NIBRG-

14 (Erstimmunisierungs-Stamm)

5

2

3

32











Impfungen (Tag 0, 21, 42, Monat 6, Monat 6 + 21 Tage)

wurden hämagglutinationshemmende (HI) Serumantikör-

per gegen den Impfstamm und den heterologen Clade-2.1- Stamm      A/Indonesia/5/2005      (H5N1)      IBCDC-RG2 untersucht, sowie Seroprotektionsraten (SPR, % der Pro- banden mit Serumantikörpertitern ³1:40 und die zugehöri-

gen 95% Konfidenzintervalle errechnet.

 

Erfragte lokale und allgemeine Symptome, nicht erfragte unerwünschte Ereignisse und schwerwiegende uner- wünschte Ereignisse wurden dokumentiert.

 

Ergebnisse:. Das 2-Dosen Grundimmunisierungsschema erfüllte die immunologischen CHMP-Kriterien am Tag 42

und gewährleistete eine Antikörperpersistenz nach 6 Mo- naten bei nahezu 60% der Probanden. Das 1-Dosen- und

das 2-Dosen-Impfschema riefen nach der Boosterimpfung (Monat 6) eine vergleichbare Immunantwort hervor.

 

Tabelle : SPR gegen A/Vietnam/1194/2004 NIBRG-14

(Clade 1, homolog zum Impfstamm)

Bei der Reaktogenität wurde kein signifikanter Unterschied

zwischen der Booster-Impfung und der Grundimmunisie-

rung beobachtet. Impfstoffbedingte schwerwiegende Er- eignisse wurden nicht gemeldet.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die Booster-Impfung

führt zu einer raschen und ausgeprägten Immunantwort gegen beide Impfstämme und erfüllt die immunologischen CHMP/FDA-Kriterien für die Zulassung eines präpandemi- schen Influenzaimpfstoffs.

PS41

AS03-adjuvantierter präpandemischer H5N1-

Impfstoff ermöglicht flexible Prime-Boost

Impfstrategie

 

T. Schwarz 1, T. Horacek  2, M. Knuf  3, H.-G. Damman  4, R. Sänger ,

F. Roman 5, P. Gillard , W. Jilg  6

1 Stiftung Juliusspital Würzburg, Würzburg; 2Forschungszentrum

Ruhr, Witten; 3Johannes Gutenberg-Universität, Pädiatrische In-

fektiologie, Mainz; 4Klinische Forschung Schwerin, Schwerin;

GSK Biologicals, Rixensart, Belgien; 6Universität Regensburg, In- stitut f. Med. Mikrobiologie u. Hygiene, Regensburg

 

Fragestellung: Die rechtzeitige Impfung ist eine der wirk- samsten präventiven Maßnahme im Falle einer Pandemie, vorausgesetzt dass Impfstoffe früh genug und in ausrei- chender Menge verfügbar sind. Nur ein Präpandemie-Impf-

stoff kann vorab hergestellt, eingelagert und vor Beginn

einer Pandemie eingesetzt werden. Zwei Dosen des in Europa zugelassenen AS03-adjuvantierten präpandemi-

schen H5N1-Impfstoffs Prepandrix™ (ein Warenzeichen

der GlaxoSmithKline Gruppe) rufen Kreuzimmunität gegen H5N1-Stämme unterschiedlicher Clades hervor.

 

Wir untersuchten die Immunantwort auf ein flexibles Impf- schema, bei dem die zweite Impfdosis 21 Tage oder 6 Mo-

nate nach der ersten Dosis verabreicht wurde.

 

Material und Methode: In einer unverblindeten, randomi-

sierten Phase II-Studie (107495/NCT00430521) mit er- wachsenen Probanden ( 18 bis 60 Jahre) wurde die Immunantwort nach Impfung mit Prepandrix™(3.75µg Hä- magglutinin, Impfstamm A/Vietnam/1194/2004 NIBRG-14 (H5N1), mitAS03), entweder 1 Dosis (n = 55) oder 2 Dosen

(n = 48) im Abstand von 3 Wochen und jeweils einer Boo- sterdosis nach 6 Monaten, ausgewertet. Vor und nach den

5

5

5

Hinsichtlich der Reaktogenität wurde kein signifikanter Un-

terschied zwischen der Booster-Impfung und der Impfung

mit 1 oder 2 Dosen beobachtet. Impfstoffbedingte schwer- wiegende unerwünschte Ereignisse wurden nicht gemel-

det.

 

Diskussion und Schlussfolgerung: Eine flexible Verab- reichung der zweiten Dosis im Zeitraum zwischen 21 Tagen und 6 Monaten nach der ersten Impfung ist möglich, ohne

die Qualität der Immunantwort zu beeinträchtigen. Dieses Ergebnis ist von großer Bedeutung für die Pandemievor- sorge. Es ermöglicht die rasche Umsetzung einer Prime- Boost-Impfstrategie bei drohender Pandemie.

PS42

Immunogenität, Sicherheit und Sofortschmerz

nach subkutaner bzw. intramuskulärer Gabe

eines Masern-Mumps-Röteln-Varizellen (MMRV)

Impfstoffes bei Kindern im Alter von 11 bis 21

Monaten.

 

M. Knuf  1, P. Habermehl 1, L. Maurer 2, H.-M. Burow  3, U. Behre , P.

Willems 5, H. Bisanz  6, V. Vetter6

1 Kinderklinik der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz; 2Kin-

 

derarztpraxis, Frankenthal; 3Kinderarztpraxis, Oberkirch; 4Kinder-

arztpraxis,     Kehl;     5GlaxoSmithKline,     Rixensart,     Belgien;

4

6

GlaxoSmithKline, München

Immunogenität, Sicherheit und Sofortschmerz nach intra-

muskulärer (IM) oder subkutaner (SC) Gabe von zwei Dosen des MMRV-Impfstoffes Priorix-Tetra (GlaxoSmith- Kline) wurde bei 328 gesunden Kindern (1:1 randomisiert) imAlter von 11-21 Monaten untersucht. Methoden: Die Im- munogenität wurde mittels ELISA (MMR) und Immunofluo- reszenz (V) 42-56 Tage nach der 2. Dosis (PD2) untersucht. Der Sofortschmerz wurde kurz bevor und in- nerhalb 30 Sekunden nach der Injektion mittels visueller Analog Skala (VAS; 1=keine Schmerzen; 5=schlimmste Schmerzen) erhoben. Nachgefragte lokale und generali-

33



sierte Symptome (Tag 0-3) sowie nicht nachgefragte Sym-

ptome (Tag 0-42) und SAEs (während der Studiendauer) wurden dokumentiert. Ergebnisse: Nach der zweiten Dosis waren die Serokonversionsraten (IM/SC, in%): Masern: 99,3/98,6; Mumps: 100/99,3; Röteln: 100/100; Windpok-

ken: 100/100. Die VAS Werte waren vor der Impfung £ 1,90. Nach der Impfung waren diese Werte zwischen den beiden    Gruppen    ähnlich    (IM/SC):    3,18/3,06    (PD1), 2,82/2,80 (PD2). Die Inzidenz von lokalen und generali- sierten Symptomen war zwischen beiden Gruppen nach jeder Dosis ähnlich (IM/SC, in %): Schmerzen: 8,4/8,6 (PD1), 9,3/5,0 (PD2); Rötung: 24,1/30,9 (PD1), 28,0/24,2 (PD2); Schwellung: 6,0/11,1 (PD1), 9,3/12,4 (PD2); Fieber (³38,0°C) innerhalb 15 Tage nach Impfung: 66,9/59,9 (PD1), 25,5/31,1 (PD2); Impfstoff assoziierterAusschlag in- nerhalb 42 Tage nach Impfung: 6,0/6,9 (PD1), 2,5/0,6 (PD2). Neun SAEs wurden berichtet. Schlussfolgerung: Immunogenität, Sicherheit, und Sofortschmerz sind ähn-

lich, unabhängig davon ob Priorix-Tetra empfehlungskon-

form subkutan oder intramuskulär verabreicht wird.

Schlussfolgerungen: 1. PCV13 erfüllte gegenüber PCV7

die vorher definierten Kriterien zur Nichtunterlegenheit. 2.

Die Immunantworten gegen Hib, Diphtherie und Hep B

waren vergleichbar. 3. Die Reaktogenitätsprofile waren ver-

gleichbar.

Wirksamkeitsstudien

 

PS43

Erhebung systemischer Pneumokokkenerkran-

kungen in deutschen Kinderkliniken nach der ge-

nerellen    Impfempfehlung:    Möglichkeiten    zur Berechnung einer Vakzin-Effektivität

S. Rückinger 1, R. von Kries1

1 Abteilung für Epidemiologie, Institut für Soziale Pädiatrie und Ju-

gendmedizin, München

 

Fragestellung: Der 7-valente Konjugatimpfstoff gegen Pneumokokken (engl. 7-valent pneumococcal conjugate vaccine = PCV7) ist in Deutschland seit 2001 zugelassen.

Seit September 2006 ist eine Impfung aller Kinder mit

PCV7 durch die Ständige Impfkommission (STIKO) emp- fohlen. In randomisierten kontrollierten Studien wurde eine

hohe Effektivität gegen die 7 abgedeckten Serotypen nach- gewiesen. Die Effektivität der Impfung in der Praxis wird eingeschränkt durch Mängel in der Umsetzung der Impf- schemata und Prävalenz von Serotypen die nicht durch

den Impfstoff abgedeckt sind. Projektbeschreibung: Die Er- hebungseinheit für seltene pädiatrische Erkrankungen in Deutschland (ESPED) sammelt Fälle systemischer Pneu- mokokken-Erkrankungen aus deutschen Kinderkliniken seit 1997. Weil die Erkrankungshäufigkeit über die Jahre aus- gesprochen stabil war, wurde, zur Entlastung der melden-

den Ärzte, das Meldesystem zwischen Juli 2003 und Dezember 2006 auf geimpfte Kinder eingeschränkt. Um

einen Effekt der generellen Impfung mit PCV7 zu bewer-

ten werden seit Januar 2007 wieder alle Fälle systemischer Pneumokokken-Erkrankungen gesammelt. Unter anderem

wird der Impfstatus der erkrankten Fälle detailliert abge-

fragt. Eine Berechnung der Vakzin-Effektivität (VE) mit Hilfe einer Fall-Kontroll-Studie, mit bundesweit gezogenen ge- matchten Kontrollen ist geplant. Des Weiteren ist eine VE- Berechnung         mit         Hilfe         des         sogenannten Fall-Kohorten-Designs mit Hilfe von Versicherungsdaten in Planung. Zielsetzung: Berechnung der Vakzin-Effektivität

von PCV7 im Rahmen des generellen Impfprogramms für Säuglinge in Deutschland.

PS42a (vormals PS14)

Sicherheit & immunologische Nichtunterlegen-

heit eines 13-valenten Pneumokokken-Konjuga- timpfstoffes     bei     zeitgleicher     Impfung     mit Routine-Impfstoffen bei gesunden Säuglingen im

Vergleich zu einem 7-valenten Pneumokokken-

Konjugatimpfstoff

 

D. Kieninger 1, K. Kueper  1, K. Steul  1, C. Juergens 2, N. Ahlers , S.

Baker 3, P. Giardina 3, W. Gruber  3, D. Scott3

1 Kinderklinik der Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz; 2Wyeth

Forschung, Münster; 3Wyeth Impfstoff-Forschung, Pearl River, NY,

USA

 

Hintergrund: Der 7-valente Pneumokokken-Konjuga- timpfstoff (PCV7, Prevenar®) ist wirksam gegen invasive, durch Impfstoff-Serotypen verursachte Pneumokokken-Er- krankungen bei Kindern; der Zusatz der Serotypen 1, 3, 5,

6A, 7F und 19A erweitert die weltweite Abdeckung von Pneumokokken-Serotypen. Ziele: Sicherheit und Immuno- genität des PCV7 im Vergleich zum 13-valenten Pneumo- kokken- Konjugatimpfstoff (PCV13; Serotypen 1, 3, 4, 5,

6A, 6B, 7F, 9V, 14, 18C, 19A, 19F, 23F).

Methoden: Säuglinge erhielten im Alter von 2, 3, 4 Mona-

ten randomisiert (im Verhältnis 1:1) entweder PCV13 oder PCV7 zeitgleich mit InfanrixÒ hexa (GSK; DTaP-IPV-HepB-

Hib). Die Immunantworten auf den Pneumokokken-Impf-

stoff, Hib-, Diphtherie- und Hep B-Antigene wurden 1 Monat nach der 3. Dosis gemessen. Lokale und systemi-

sche Reaktionen wurden bewertet.

Ergebnisse: Ausgehend von 604 Kleinkindern beendeten

293 in jeder Gruppe die Serie. In den PCV13- und PCV7- Gruppen erreichten 77,5 bis 98,9% und 87,1 bis 98,6% der Teilnehmer IgG-Serumspiegel von ³0,35 mg/ml für jeden

der 7 gemeinsamen Serotypen. Bei den 6 zusätzlichen Se- rotypen erreichten dies 91,9 bis 99,3% der Teilnehmer in

der PCV13-Gruppe. Hinsichtlich der prozentualen Re- sponderrate für 0,35 mg/ml wurden die Nichtunterlegen- heitskriterien     bei     12     der     13     Serotypen     erfüllt; Immunantworten auf 6B in der PCV13-Gruppe lagen im Vergleich zu PCV7-Empfängern bei -9,6% (95% CI -16,0,

3,3). Hinsichtlich der Immunantworten bei ³0,15 mg/ml und geometrischer Mittel der Konzentrationen (GMCs) wurden

die Nichtunterlegenheitskriterien bei allen 13 Serotypen er-

füllt.

Gegen Hib erreichten 0,15 µg/ml jeweils 89,5% und 86,9%

in der PCV13- bzw. der PCV7-Gruppe; 0,1 IU/ml gegen Diphtherie erreichten 89,7% bzw. 94,2%, und ³10,0 mIU/ml gegen Hep B jeweils 94,9% bzw. 96,3%. Systemische und lokale Reaktionen waren in beiden Gruppen vergleichbar.

2

PS44

SICHERHEIT UND IMMUNOGENITÄT EINES 13-

VALENTEN PNEUMOKOKKEN-KONJUGATIMPF-

STOFFS BEI ZEITGLEICHER IMPFUNG      MIT

EINEM TRIVALENTEN INAKTIVIERTEN GRIP- PEIMPFSTOFF BEI GESUNDEN ERWACHSENEN

 

T. F. Schwarz  1, J. Flamaing  2, H. Rumke  3, J. Penzes  4, C. Juergens ,

A. Wenz 5, D. Jayawardene 6, P. C. Giardina 7, W. C. Gruber 7, B.

5

Schmöle-Thoma

1

 

2

5

Stiftung Juliusspital, Zentrallabor und Impfzentrum, Würzburg;

University Hospital, Geriatric Medicine, Leuven, Belgien; 3Vaxi-

nostics, Rotterdam, Niederlande; 4Konszenzus Plusz Kft, Cson-

grad, Ungarn; 5Wyeth Research, Münster; 6Wyeth Research, Collegeville, PA, USA; 7Wyeth Vaccines Research, Pearl River, N.Y., USA

 

Hintergrund: Die Sicherheit und Immunogenität eines 13- valenten Pneumokokken-Konjugatimpfstoffes (PCV13)

wurde bei zeitgleicher Impfung mit einem trivalenten, inak- tivierten Grippeimpfstoff (TIV) bei Erwachsenen untersucht,

die noch keinen 23-valenten Pneumokokken-Polysaccha-

34



rid-Impfstoff erhalten hatten. Mit dieser Studie soll die Kom-

patibilität beider Impfstoffe gezeigt werden - vor dem Be-

ginn einer für 2008 geplanten Wirksamkeitstudie gegen Pneumonie mit ca. 85000 Probanden, von denen ein Teil PCV13 zusammen mit TIV erhält.

Methoden: Probanden imAlter von ³65 (N=1160) erhielten randomisiert (im Verhältnis 1:1) imAbstand von 4 Wochen entweder PCV13+TIV gefolgt von Placebo oder TIV+Pla-

cebo gefolgt von PCV13. Die Immunantworten auf TIV (A/H1N1,A/H3N2, BAntigene) und PCV13 (Serotypen 1, 3,

4, 5, 6A, 6B, 7F, 9V, 14, 18C, 19A, 19F, 23F) wurden vor und 1 Monat nach der Impfung gemessen. Lokalreaktionen

und systemische Ereignisse wurden bewertet.

Ergebnisse: Der Prozentsatz auswertbarer Probanden (PCV13+TIV n=549; TIV+Placebo n=547) mit einem 4fa-

chen Anstieg der TIV-Antikörpertiter nach Gabe von PCV13+TIV im Vergleich zu TIV+Placebo betrug für A/H1N1 80,3% gegenüber 78,6%, für A/H3N2 58,0% ge- genüber 62,6%, für B 52,2% gegenüber 54,0%. Nichtun- terlegenheit (Non-inferiority) wurde für alle TIV-Antigene außer für A/H3N2 festgestellt, mit einer Untergrenze des Konfidenzintervals (CI) = -10,4%, die nur knapp unterhalb

der vordefinierten Untergrenze von &#8209;10% lag. Der Prozent- satz der Probanden mit HAI-Titern ³40 betrug jeweils 94,0%, 96,5%, 81,9% für A/H1N1, A/H3N2 und B nach Gabe von PCV13+TIV. Die geometrischen Mittel der Kon- zentrationen (GMCs) von PCV13-IgG betrugen 1 Monat

nach Gabe von PCV13+TIV 1,08 bis 11,93 µg/ml und 1 Monat nach PCV13 allein 1,15 bis 17,10 µg/ml; Nichtun- terlegenheit (GMC Quotient > 0,5 [2-fach-Kriterium]) wurde

für alle Serotypen außer 19F nachgewiesen, mit einer Un- tergrenze des CI = 0,49. Bei Gabe von PCV13+TIV fielen

die Lokalreaktionen im Vergleich zu (1) TIV+Placebo, (2) PCV13 allein überwiegend mild aus: 46,9% gegenüber (1) 15,9%, (2) 46,6%; systemische Ereignisse traten nach PCV13+TIV häufiger auf: 60,2% gegenüber (1) 50,7%, (2)

48,6%.

Schlussfolgerungen: PCV13+TIV zeigt im Vergleich zu

TIV oder PCV allein ein akzeptables Sicherheits- und Im-

munogenitätsprofil.

Serotypisierung erfolgte durch die Neufeld'sche Quel-

lungsreaktion. IPE sind in Deutschland nicht meldepflichtig.

Die Erhebungseinheit für Seltene Pädiatrische Erkrankun-

gen in Deutschland (ESPED) erhebt IPE Fälle in Kinder- krankenhäusern, während das RKI anhand derselben Falldefinition in mikrobiologischen Labors Fälle erhebt.Auf

Basis dieser zwei Melde-Quellen wurde eine Capture Re- capture Analyse durchgeführt um auf tatsächliche Erkran- kungszahlen zu schließen.

Ergebnisse: Bei Kindern unter zwei Jahren, konnte seit Einführung der Impfung ein Rückgang um 50% der einge- sendeten Isolate an das NRZS verzeichnet werden. Dieser

Zahl konnte durch die Capture RecaptureAnalyse bestätigt werden: Die Inzidenz pro 100.000 bei Kindern unter zwei Jahren ging von 20.0 zurück auf 10.9. Der Rückgang wurde

bei allen im Impfstoff enthaltenen Serotypen wahrgenom-

men, am stärksten bei den Serotypen 14 und 23F. Bei den

nicht im Impfstoff entaltenen Serotypen wurden keine si- gnifikanten Veränderungen in der Häufigkeit in dieser Al- tersgruppe beobachtet. In den Altergruppen 2 bis 4 Jahre

und 5 bis 15 Jahre konnte kein Rückgang der IPE Inzidenz verzeichnet werden.

PS46

Invasive Pneumokokken-Erkrankungen bei

Erwachsenen in Deutschland

Mögliche Herdenimmunitätseffekte nach

Einführung der Pneumokokken-Konjugatimpfung

bei Kindern

M. van der Linden 1, R. R. Reinert  1, M. Imöhl1

1 Medizinische Mikrobiologie, Nationales Referenzzentrum für

Streptokokken, Universitätsklinikum RWTH Aachen, Aachen

 

Fragestellung: Streptococcus pneumoniae ist eine der häufigsten Ursachen von Pneumonie, Sepsis und Menin-

gitis in Deutschland. Insbesondere junge Kinder und ältere Erwachsene sind hiervon betroffen. Nachdem im Juli 2006

eine generelle Impfempfehlung für alle Kinder bis zumAlter

von 24 Monaten mit einem Pneumokokken-Konjugatimpf-

stoff von der Ständigen Impfkommissiom am Robert-Koch- Institut (STIKO) ausgesprochen wurde, begann das Impfprogramm im Januar 2007 in allen Bundesländern (in Sachsen bereits ein Jahr eher). Hier zeigen wir die Aus- wirkungen der Impfung bei diesen Kindern auf die Zahl in- vasiver Pneumokokkenerkrankungen bei Erwachsenen

(Herdenimmunitäts-Effekt).

Material und Methode: Das nationale Referenzzentrum

für Streptokokken (NRZS) führt seit 1992 Studien zu inva- siven Pneumokokkenerkrankungen bei Erwachsenen durch. Entsprechende invasive Isolate werden von 265 me- dizinischen Laboratorien in ganz Deutschland im Rahmen

eines labor-basierten Surveillance-Systems ans NRZS ge- sandt. Für drei Bundesländer (Nordrhein-Westfalen seit

2001, Bayern und Sachsen seit 2006) besteht ein popula- tions-basiertes Meldesystem. Seit Januar 2007 besteht darüber hinaus auch ein web-basiertes bundesweites Sur- veillance-System. Die aktuelleAnalyse beinhaltet Fälle von 2002-2009. Die Spezies-Bestimmung erfolgte unter ande-

rem mittels Prüfung der Optochin-Empfindlichkeit sowie der Gallelöslichkeit. Die Serotypisierung erfolgte durch die Neufeld'sche Quellungsreaktion.

Ergebnisse: Analog zu der verbesserten Surveillance stieg

die Anzahl der gemeldeten Fälle und eingesandten Isolate

von 421 im Pneumokokkenjahr 2003-2004 auf 1761 im

Jahr 2007-2008. Da in Deutschland keine Meldepflicht für invasive Pneumokokkenerkrankungen besteht, ist eine zu- verlässige Aussage über die Inzidenz nicht möglich. Es

zeigt sich jedoch ein Abfall des Anteils invasiver Pneumo- kokkenerkrankungen durch Impfstoff-Serotypen, was als Impfstoff-Effekt zu deuten sein dürfte. Von 2002 bis 2006

PS45

Epidemiologie invasiver Pneumokokkenerkran-

kungen bei Kindern in Deutschland von 1997-

2009,         Effekte         der         Einführung         der

Pneumokokken-Konjugatimpfung

 

M. van der Linden 1, M. Imöhl  1, R. von Kries  2, A. Siedler 3, R. R.

Reinert 1, S. Rückinger

2

1

Nationales Referenzzentrum für Streptokokken,Abt. Medizinische

Mikrobiologie, Universitätsklinikum RWTH Aachen, Aachen; 2Ab- teilung für Epidemiologie im Kindes- und Jugendalter, Institut für Soziale Pädiatrie und Jugendmedizin, Ludwig-Maximilians- Universität München, München; 3Robert Koch Institut, Berlin

 

Fragestellung: Streptococcus pneumoniae ist eine der häufigsten Ursachen von Pneumonie, Sepsis und Menin-

gitis in Deutschland. Insbesondere junge Kinder und ältere Erwachsene sind hiervon betroffen. Nachdem im Juli 2006

eine generelle Impfempfehlung für alle Kinder bis zumAlter

von 24 Monaten mit einem Pneumokokken-Konjugatimpf-

stoff von der Ständigen Impfkommissiom am Robert-Koch- Institut (STIKO) ausgesprochen wurde, begann das Impfprogramm im Januar 2007 in allen Bundesländern (in Sachsen bereits ein Jahr eher). Hier zeigen wir Änderun-

gen in der Zahl invasiver Pneumokokkenerkrankungen

nach Einführung der Impfung.

Material und Methode: Seit 1997 sammelt das nationale Referenzzentrum für Streptokokken (NRZS), in Zusam- menarbeit mit dem Robert Koch Institut (RKI), Isolate inva-

siver Pneumokokkenerkrankungen (IPE) bei Kindern. Eine

35



lag derAnteil der Impfstoff-Serotypen zwischen 42.9% und

48.5%, im Jahr 2007-2008 nur noch bei 33.4%. Die drei po- pulationsbasierten Studien zeigten analoge Ergebnisse.

Ein 13-valenter Pneumokokken Konjugatimpfstoff ist auch

für Erwachsene in der Entwicklung und hätte in 2007-2008 72.9% der invasiven Pneumokokkenerkrankungen in Deutschland abgedeckt..

Diskussion: Seit Bestehen der generellen Impfempfeh-

lung für die Pneumokokken-Konjugatimpfung ist es zu

einer deutlichen Verminderung invasiver Pneumokokken- erkrankungen bei Kindern unter 2 Jahren gekommen. Dar-

über hinaus zeigen die hier beschriebenen Ergebnisse

einen Rückgang des Anteils von Impfstoff-Serotypen an

den invasiven Pneumokokkenerkrankungen bei Erwach- senen. Dies könnte auf einen Herdenimmunitätseffekt hin-

weisen.

PS47

Gleichzeitige Verabreichung des AS04-

adjuvantierten Impfstoffs gegen das

Zervixkarzinom von GSK mit dem dTpa-IPV- Kombinationsimpfstoff an Mädchen im Alter von

10 - 18 Jahren

 

T. F. Schwarz  1, J. Garcia-Sicilia 2, A. Carmona 3, J. Malkin  4,

M. P. Tran  5, K.-H. Peters  6, P. Hillemanns 7, F. Thomas  8,

D. Descamps 8, G. Dubin8

1 Stiftung Juliusspital Würzburg, Akademisches Lehrkrankenhaus

d. Uni, Würzburg; 2Hospital Materno-Infantil La Paz, Madrid,

3Instituto Hispalense de Pediatría, Sevilla, Spanien;Spanien;_

Centre Mèdical de l'Institut Pasteur, Paris; 5Cabinet Mèdical Tran, Nizza,, Nizza; 6Niedergelassen, Hamburg; 7Zentrum f. Frauen- heilkunde, Med. Hochschule Hannover, Hannover; 8GSK Biologi-

cals,

Rixensart, Benin

 

Hintergrund: Cervarix™ (GlaxoSmithKline), derAS04-ad- juvantierte Impfstoff gegen das Zervixkarzinom, hat sich bei

der Prävention der persistierenden Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV) der Typen 16 und 18 und assoziier-

ten präkanzerösen Läsionen bei Mädchen und Frauen im

Alter von 15 - 25 Jahren als sicher, immunogen und hoch- wirksam erwiesen. Da in vielen Länder empfohlen wird, bei Jugendlichen während der routinemäßigen Verabreichung

von Impfungen für Kinder und Jugendliche eine HPV-Imp-

fung vorzunehmen, ist eine gleichzeitige Verabreichung

von Cervarix™ mit anderen Impfstoffen sowohl für denArzt

als auch für den Impfling vorteilhaft und bequem. Bei die-

ser Studie (108464/NCT00415361) wurden die Immuno- genität und Sicherheit von Cervarix™ bei gleichzeitiger Verabreichung mit Boostrix™ Polio (dTpa-IPV, GlaxoS- mithKline), einem Diphtherie-Tetanus-azelluläre Pertussis- inaktivierter Polio-Impfstoff, geprüft.

Verfahren: Gesunde Mädchen imAlter von 10 - 18 Jahren wurden mit der Randomisierung auf 3 Gruppen verteilt und erhielten entweder nur den HPV-16/18-Impfstoff (HPV- 16/18-Gruppe; n = 248), den HPV-16/18-Impfstoff

gleichzeitig mit dem dTpa-IPV-Impfstoff (HPV-16/18+dTpa- IPV-Gruppe; n = 252) oder nur den dTpa-IPV-Impfstoff (n = 251). Immunogenität (ATP) und Sicherheit wurden einen Monat nach der ersten Impfung beurteilt.

Ergebnisse: Die Daten der Zwischenauswertung zur Im- munogenität und Sicherheit einen Monat nach der ersten Dosis werden dargestellt. Es wurde nachgewiesen, dass

die gleichzeitige Verabreichung des HPV-16/18- und des dTpa-IPV-Impfstoffs der eigenständigen Verabreichung des dTpa-IPV-Impfstoffs nicht unterlegen ist, da bei beiden Gruppen die Seroprotektionsraten bei denAnti-Diphtherie- Antikörpern 99,6% und bei den Anti-Tetanus-Antikörpern 100% betrugen. Bei der HPV-16/18+dTpa-IPV-Gruppe war

die Seropositivitätsrate bei den Anti-Pertussis-Antikörpern

³ 98,7% und die Seroprotektionsrate bei den Anti-Poliovi-

4

rustyp-Antikörpern 100%, bei der dTpa-IPV-Gruppe ³

96,5% und ³ 99,6%. Bei der HPV-16/18-Gruppe war die Serokonversionsrate für dieAnti-HPV-16- und &#8209;18-Antikör-

per bei ursprünglich seronegativen Probandinnen 100%

und bei der HPV-16/18+dTpa-IPV-Gruppe 99,1%. Bei der HPV-16/18+dTpa-IPV-Gruppe waren die GMT nach der Impfung ähnlich hoch wie bei den entsprechenden Antige-

nen der HPV-16/18- und der dTpa-IPV-Gruppe. Die gleich- zeitige Verabreichung der beiden Impfstoffe wurde im Allgemeinen gut vertragen. Es gab keine Studienabbrüche aufgrund unerwünschter Ereignisse. Impfstoffbedingte schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden nicht

gemeldet.

Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse dieser Zwischen- auswertung zeigen, dass die gleichzeitige Verabreichung

von Cervarix™ und Boostrix™ Polio die Immunantwort auf

jeden einzelnen Impfstoff nicht beeinträchtigt und gut ver- tragen wird.

 

Cervarix und Boostrix sind Warenzeichen der GlaxoSmith- Kline Unternehmensgruppe.

36



Autorenverzeichnis

A

Achilles,B.

Ahlemeyer,G.

Ahlers, N.

Ahmad,A.

Allwinn, R. Angermayr, L.

 

B

Bader, H-M.

Baker, S.

Ball, M.

Behre, U.

Betsch, C.

Betsch, T. Beyermann, H.

Beyrer, K.

Bisanz, H.

Blettner, M.

Borrmann, M.

Braune,G.

Burow, H-M.

 

C

Campe, H.

Carmona, A

Claes, C.

Claus, M.

Colau, B.

 

D

Damman, H-G. Descamps, D.

di Nicola, S.

Diedrich, K.

Dittmann, S.

Doerr, H.W. Dräger-Hoppe H-S. Dreesman, J.

du Prel, J.-B.

Dubin, G.

 

E

Eckmanns, T. Eisenhofer-Wolff, C. Elsässer, G.

 

F

Feig, M.

Feil, F.

Fischer, R.

Flamaing, J.

Födisch, E.

Forster, J.

 

G

Garcia-Sicilia, J. Gawrich, S. Giardina,P. C. Gieseking, F.

Gillard, P.

Goncalves, M A.

Gradmann, C.

Groffik, C.

Groffik-Hain,I.

Grote, V.

Gruber, W. C.

 

H

Habermehl, P.

Hacker, J.

Hahntow, I. Hammerschmidt, T. Heininger, U.

Henrich,N.

Henschke, E.

Hesse, C.

Hesse,G. Hillemanns, P. Horacek, T.

Hörhold,I.

Hülße,C.

Huppertz,H.-I.

 

I

Imöhl, M.

Iseke, A.

 

J

Jansen, B. Jayawardene, D. Jenkins, D.

Jilg, W.

Juergens, C.

Junge, K.

Jünger, E.

Jurke, A.

 

K

Kämmerer, R. Kappelmayer, L. Kaynak, S.

Kerscher, G.F. Kieninger, D.M.

Klein R.

Klug, S.

Knuf, M. Koerth-Bauer, S. Köhn, A.

Kolbe, M.

König, J.

Krause, G. Kudernatsch, M.

Kueper,K.

 

L

Laskowski, W. Lehmann, M. Leonhardt, H. Ley-Köllstadt, S. Letzel, S.

Liebl, B.

Liebrich, C.

Liese, J.

PS2

PS12

PS42a

PS25

PS37

PS8,PS9

EV*

PS16

PS2

PS22,PS30,PS31,PS35

PS44,PS42a

PS20

PS42a

PS6

PS42

PS39

PS39

PS18

PS11

PS42

PS25

PS2

PS2

PS42

PS42

EV*

PS15

PS32

EV*,PS32

PS31

PS2

PS2

PS18

PS47

PS40,PS41

PS2

PS1

PS32

PS8, PS9

PS47

PS34

PS25

PS27

PS45,PS46

PS26

PS40, PS41

PS47

PS27

PS27

EV*

PS37

PS11

PS11

PS33

PS47

PS33

PS44

PS27

PS40,PS41

PS44,PS42a

PS2

PS2

PS12

PS24

PS27

EV*

PS24

PS11

PS8,PS9,PS15

PS44

PS2

PS32

PS12

PS24

PS2

PS8,PS9

PS42a

EV*

PS25

EV*,PS40,PS41,PS42

PS2

PS22,PS30,PS31

PS10

PS25

EV*

PS8

PS42a

PS47

PS19,PS21

PS44,PS42a

PS27

PS40,PS41

PS27

PS2

PS3

PS2

PS1

EV*

EV*,PS8,PS9,PS15

PS27

PS22,PS30,PS31,PS35

37



Littmann, M.

Ludwig, M. Ludwig, M.-S. Luyts, D.

PS1

PS20

PS15

PS27

S

Sänger,R.

Schaaff, F.

Scharkus, S. Schicker, I. Schmalfeldt, B. Schmidt, C.

Schmöle-Thoma,B. Schneider, A.

Schwarz,T.

Scott, D.

Seeger,K.

Siedler, A.

Simon, K.

Sing, A.

Spielmann, M.

Steul, K.

Strassburg, M. Straube, A.-N.

Streng, A.

Sydow, W.

 

T

Terhardt, M.

Ternes, M.L.

Thomas, F.

Tran, M. P.

 

U

Ulshöfer, C.

 

V

Valenthin, J.

van der Linden, M. Vetter, V.

Viertel, A.

Vollandt, M.

von Kries, R.

von Sonnenburg, F.

 

W

Wagner, F.

Welte, R.

Wenz, A.

Wicker, S.

Wildner, M.

Willems, P.

Williams, P.

 

Z

Zapf, A.

Zepp, F.

Ziegler, B.

M

Malkin, J.E.

Mangold, U. Marckmann, G. Maurer, L.

Mayrhofer, H. Mehlhorn, G.

Mikuta, H.

Morlock, G.

Muchow, A. Mummenbrauer, T.

 

N

Nahnhauer, A. Nassauer, A. Nennstiel-Ratze, U. Neumann, H.-U. Neurohr, C.

 

O

Oppermann, H.

 

P

Penzes, J.

Peters, K.-H.

Petry, K.U.

Pfleiderer, M. Piechatzek, M.

Pitloun, U. Poggensee, G. Postma, M.J.

Pulz, M.

 

Q

Quint, W.

 

R

Rabenau, H.F. Rebmann, F.

Reinert, R.R. Renkewitz, F.

Reuß, A.

Rissland, J. Roggendorf, H.

Roman,F.

Roos, R.

Rückinger, S.

Rumke,H.C.

PS47

PS2

EV*

PS42

PS16

PS27

PS2

PS23

PS2

EV*

EV*

EV*

PS8,PS9,PS23

PS32

PS29

PS40,PS41

PS33

PS12

PS22,PS30

PS27

PS2

PS44

EV*

PS40,PS41,PS44,PS47

PS42a

PS22

PS45

PS26

PS8,PS9

PS33

PS42a

PS38

PS27

PS22,PS30,PS31,PS35

PS4

EV*,PS2,PS10

PS44

PS47

PS27

EV*

PS22

PS17

PS24

PS29

PS3,PS11

EV*

PS5

PS47

PS47

PS39

PS27

PS2

PS45,PS46

PS42

PS33

PS18

PS43,PS45

EV*

PS37

PS2

PS45,PS46

PS39

PS24

PS13,PS26

PS7,PS36

PS40,PS41

PS32

PS43,PS45

PS44

PS2

PS29

PS44

PS37

PS8,PS9,PS15

PS42

PS29

PS8,PS9,PS15

PS33

PS38

*EV= Eingeladener Vortrag

38


39

http://www.nationale-impfkonferenz.de
----------------------------------------------
[*/QUOTE*]

.
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ama

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  • Posts: 731
Abstract 1. Nationale Impf-Tagung 2009
« Reply #6 on: March 10, 2009, 05:08:59 AM »

.

Den Namen Schmidt-Troschke findet man nicht. Warum wohl?

[*QUOTE*]
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Ob es wohl schwierig für Stefan Schmidt-Troschke ist, die bereits vorhandenen

40 Kinder mit Lungenentzündungen
77 mit schmerzhafter Mittelohrentzündungen
17 mit anderen Komplikationen

als minimales Risiko zu verkaufen?

---------------------------------------
[*/QUOTE*]

fragt Stedetrop im Juli 2005.

Das war 2005. Wegen des Masernausbruchs 2006 in Nordrhein-Westfalen starben inzwischen zwei Kinder.



.
« Last Edit: March 10, 2009, 05:21:03 AM by ama »
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